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Jüdische Schulzeitung · 1926-12-15 · 12 (15.12.1926) · page 8

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
12 (15.12.1926)
Date
1926-12-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Jüdische Schulzeitung. Kummer Aus dem Allgemeinen Deutschen Kantorenverband j Unter verantwortlicher Leitung Ernanuel Kirschner. Studie von Oberkantor Leon Kornitzer, Hamburg. (Fortsetzung.) Immerhin: Die Fachleute — und dies sind letzten Endes denn doch die Kantoren und Chorleiter, die iin Berufsleben stehen, die Bedürfnisse des Amtes, des Gottesdienstes und der Gemeinden kennen und mit ihnen rechnen müssen — wissen trotzdem, daß, unsere Literatur eine reiche Auswahl gediegener Werke bietet, aus denen sich ein weihevoller Gottesdienst aufbauen läßt. In Wien z. B., wo sich ein jüdisches Bayreuth in den Gemeindebethänscrn ausschließlich auf Sulzer beschränkt, könnte innerhalb dieser selbstgewählten Beschränkung ein auch musikalisch mustergültiger Gottesdienst geboten werden, wenn — ja, wenn Sulzer nicht nur in den (übrigens schlecht gesungenen) Chören, sondern auch in seinem Wesentlichsten, im kantoralen Stil weiterlebte. Der ist aber dort in seineil diametralstell Gegensatz umgcbogen. In meiner Kilidheit hörte ich jahrelang in Wien den stimmgewaltigen Josef Goldstein, eine der stärksten Judividualitäten unter nllseren Berufsgenossen, einen der erschütterndstell Ehasanim, die je gelebt, und einen der jüdischsten. Cr, ein Antipode Snlzers, der sich neben ihln durch die Pracht seines außergewöhnlichen Tenors und seines außergewöhnlichen Chasonus behaupten konnte, gab Sulzer, was Snlzers ist: alle von Sulzer notierten Rezitative brachte er in dessen Formung. Aber wie viel blieb dem Meister zu „sagen" übrig! Und da kam er zu Wort, da erschütterte er die Gemüter, da holte er ' feiner Gemeinde die Neschomaus aus dem Leibe. Aehulick, Moritz Friedmann in Budapest, den ich zwar selbst leider nicht gehört, von deiil mir aber inein 'Vater viel erzählte: auch er baute den Gottesdienst völlig im Sinne seines Lehrers Sulzer auf, verband aber damit ein glutvolles jüdisches Rezitativ. Freilich, die Stilcinheit des Gottesdienstes war in beiden Fällen durchbrochen, jene Stileinheit, die uns erst Kir sch n er bringen sollte. Es ist Zeit, daß ich lnich nun endlich Kirschner zu» wende, wenn anders der Titel meiner Studie nicht ungerechtfertigt erscheinen soll. Und doch, ich muß bei einem Merkstein in der Entwicklung unserer Literatur verweilen, an dem keine historische oder ästhetische Betrachtung vorübergehen kann, ohne Wesentlichstes unerwähnt zu lassen. Sicherlich ist aus meinen Ausführungen längst klar geworden, worin ich das Verdienst Kirschners erblicke: - in der Vereinigung jener zwei Elemente, die Snlzers Werk in peinlichem Zwiespalt unvcreinigt ließ, des jü dischen und des kulturmusikalischen. Wie es Kirschner zuwege brachte, worin das Neue und Richtunggebende seiner Tat besteht, wodttrch er — hoffentlich für alle Zeiten — unserer künftigen Literatur den Weg wies, das aufzuzcigen, soll den Abschluß meiner Studie bilden. Einen gab es, der noch vor Kirschner alle Voraussetzungen besaß, um die Synthese des jüdisch-traditionellen und des kultur-musikalischen Elements in künstlerischen Schöpstlngen lebendig werden zu lassen, und das war Eduard Birnbaum. Es kann nicht meine Absicht sein, mich über das künstlerische Schassen Birnbaums in breitester Form auszusprcchen. Es wäre eine lohnende und alle Berufs- - kreise brennend interessierende Aufgabe für die, die ihm von Hermann Zivi, Elberfeld. ■/} ——----—- im Leben beruflich und menschlich nahegestanden waren. Das Buch, das Kollege Guttmann in jahrelanger mühevoller Arbeit vorbereitet, dessen Erscheinen wir mit i\ größter Spannung erwarten dürfen und das der Unterstützung weitester jüdischer Kreise wert wäre, — das Buch, das alle literarischen Arbeiten Birnbaums sammeln i soll, gibt hoffentlich auch über sein künstlerisches Werk, i dessen Entstehung und Systematik Ausschluß. Hier will jj ich nur einiges sagen, das ein Licht wirft darauf, wie Birnbaum über die Musik des jüdischen Gottesdienstes * dachte. j: Nach Hcnle's Tode erhielt ich Einblick in die Briese. die Birnbaum durch einen Zeitraum von mehr als 2t);! Jahren an ihn gerichtet hatte. Diese Bricssammlung liest l sich interessanter, als mancher Sensalionsroman, und ihre } Veröffentlichung böte einen köstlichen Stoff für unsere Zen j tung. Leider ist es nicht möglich, solange noch jemand 1 von unserer Generation auf Erden weilt. Und selbst die j Ueberlassung an unser neu errichtetes Archiv, wie es die | Witwe Henle's ursprünglich geplant hatte, muß aus '.j gleichen Gründen, wenigstens vorläufig, unterbleiben. Tenn j Birnbaums sarkastischer Humor und gallige Bitterkeit i springt so unbarmherzig mit seinen Bernssgenossen und \j auch anderen um, daß es übelste Folgen-nach sich zöge, -1 würden diese Briese jetzt schon weiteren Kreisen zuj gänglich gemacht. j Darum seien nur drei Stellen aus ihnen angeführt, ■.% die zu meinem Thema gehören, weil sie über Birm j baums Stilanschauung Aufschluß geben können. i Am 3. April 1903 schreibt er: „Ich freue mich von .Herzen, wieder einen: LvuS s (Anmerkung: es handelt sich um Henle's „Liturgische Gesänge") zu begegnen, das unserer Literatur . zugmc kommt und das mir willkommenen Anlaß bieten sott, j mich über dieselbe auszusprechen. Was ich über die. einzelnen Kompositionen zu sagen habe, möchte ich noch s nicht verraten, aber es sind gutgearbeitete Tonsätze. j die ein jeder Kollege mit Interesse und Gewinn iuc; seine Geschmacksrichtung wird anschaffen müssen, wenn s er nicht stille stehen, sondern mit dem Zeitgeist mitgehen will." (Fortsetzung folgt.) $ Der Ausschuß des Allgemeine» Deutschen .Kautoreu-Verbandes <§. B. Einladung zur Sitzung des Ausschusses am Mittwech \ und Donnerstag, 29. und 90. Dezember 1920 in C a j s e l. ftotd 1 Meier (Dannenberg). Oberste Gasse üt». Beginn der Sitzuns Mittwoch vorm, i)'/, llhr. Mitglieder sind als Zuhörer uh!) j kommen. - Im Anschluß an unsere Beratungen widmen wir tos j Donnerstagnachmittag der Fortbildung, eingeleitet dunt; einen öffentlichen Vortrag des Kollegen Fabisch, Gottings. j über das Thema: „Welche musikalische Ausgestaltung tut unsere / j Gottesdienst not. damit er eine in wahrer Andacht sich dltätigende Gemeinde erzeugt?" Nachmittags 9 Uhr lesen: 1. Koll. Nußbaum-Wiesbaden üb«: j Liturgie, 2. Koll. Wollheim-Königsberg über Chasonus. v j An diesen Fortbildungsstunden können auch Nichtmitglirdci! teilnehmen. Mitgliedern, die sich bis zum 20. Dezemdi, \ beim Unterzeichneten anmelden, wird ein Reisezuschuß gewährt .» Der Ausschuß. I. B. L e v y. 1. Vorsitzender, j Frankfurt a. M., Obermain-Anlage 24. 'MWWWWWWWGMWWMWWMIM!

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