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Jüdische Schulzeitung · 1926-12-15 · 12 (15.12.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
12 (15.12.1926)
Date
1926-12-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nummer 12 2. Jahrgang Morraksschrisl für Pädagogik und Schulpolilik Herausgcgebcir vom „Verbände der jüdischen Lchrervereine im Deutschen Reiche" Monalsschrisl für Pädagogik und Schulpolilik Die „Iudiscbe Eclullzeitung" erscheint am 1fr. eines jedenMonats und wird allen Mitgliedern der dem „Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" angeschlvssenen Vereine kostenlos ziigc'jtellt. - Post-Bezugspreis für Nicht Mitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, LS. Dezember IU2<; Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, Hamburg, ABC-Ttrahe 57. Fernsprecher: Elbe 7010, 7911, Vulkan SOSO. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt- Magdeburg, für den Inseratenteil: E. L o o s, Hamburg. Anzeigenpreis 40 eZ für die Ogefpaltene Nonpareille-geile. Inhalt d i e s e r N u m m e r: Grundsätzliches zum Religionsunterricht aus der Oberstufe von Ludwig M e ü e r h o s f,Niedermarsberg (Schlnst). Vom Pädagogischen Kongrcs; in Weimar (Schlnst). Die Heimkehrsliedcr und die Geschichte von der Heimkehr aus dem Exil von Rabbiner Dr. Beer mann. Bericht Uder die Tagung des Vereins jüdischer Rcligionslehrer Ostpreußens. Literarisches. Bei der Schristlcitung eingegangene Bücher. Notiz. Ans dem Allgemeinen deutschen Kantoren- Berbandc: Emannel Kirsch ne r (Fortsetzung) von Leon Kornitzer, Hamburg. Grundsätzliches zum Religionsunterricht auf der Oberstufe. (Ein Konserenzvortrag, gehaltert ans der Hauptversammlung des Vereins israel. Lehrer Rheinlands und Westfalens zu Dortmund am 25. Mai 1926.) Von Ludwig Meyerhosf, Niedermarsberg. (Schluß.) Nach dem von der Schulkommission des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens zur Zeit herausgegebenen Lehrplane ist nun das Ziel, bezw. die Aufgabe des Unterrrichts in der nachbiblischen Geschichte: erstens Kenntnis der wichtigsten Tatsachen aus der Geschichte der jüdischen Religionsgemeinschaft, zweitens Stärkung des imtigen Gefühls des Zusammenhanges mit dem Leben und den Geschicken unserer Väter; drittens Enthusiasmus Begeisterung für das Judentum zu wecken. Ich selbst habe cs mir in den letzten Jahren aber stets angelegen sein lassen, diesen Hauptzielen noch ein Unterziel hinznznsügcn ltnd es mit Nachdruck zu verfolgen, nämlich die praktische Berwertnng der erlangten Kenntnisse im Kampfe mit der Welt des Hasses und der Verleumdung. Dem erwachsenen Menschen ist die jüdische Geschichte, sofern er sich dem Studium derselben überhaupt widmet, zweifellos Selbstzweck. Er will ja zunächst auch wohl sein Wissen bereichern, aber tiefer darüber nachdenkend wird dieses Studium zu eiuer theoretischen Versenkung in die Entwicklung unserer Religion und unserer Gemeinschaft; sie wird zu einer Form jüdischer Lebensbctätigung. (Siehe Vorwort zum Lehrbuch d. jüd. G. von Tr. H. Fuchs.) Im Unterrichte muß an ragender Stelle stets der erzieherische Wert, auch der der jüdischen Geschichte stehen. Das höchste Ziel jeglicher Erziehung aber ist doch, für das Leben brauchbare, allen Kämpfen und Mühen des Lebens gewachsene Menschen heranzubilden. Aus diesem ergibt sich, daß auch die Volksschule darauf hinarbeiten kann und muß, daß das Kind imstande ist, sein Judentum nach außen hin verteidigen zu können bezw. daß es gewappnet ist, um die hauptsächlichsten antisemitischen Vorwürfe, denen es leicht auf der Straße begegnen kann, wirksam widerlegen zu können. Es muß bei der Stoffverteilung unbedingt auf dieses Rücksicht genommen werden; es muß bei der Vertiefung und Anwendung manches gegebenen Stoffes gerade diese Aufgabe des Unterrichts mannigfach ins Auge gefaßt werden. So müssen z. B. bei beu Makkabäerkämpfen der Heldenmut und die kriegerische Tüchtigkeit, aber auch die Feldherrnkunst der Juden gegenüber den antisemitischen Vorwürfen der Feigheit und Drückebergerei hervorgehoben werden. Dem weiteren Vorwurf, der Jude sei nur für den Handelsstand geeignet und nicht für das Handwerk, stelle man das blühende Handwerk vieler unserer Tannaim oder das unserer Glaubensgenossen im Osten gegenüber. Ucberall schäle man nach Möglichkeit für den Schüler Argumente heraus, mit denen auch der Laie feindlichen Vorwürfen entgegentreten kann.' Was nun die eigentliche Stoffauswahl anbetrisst, so muß sie sich selbstredend auch in der jüdischen Geschichte den gegebenen Zielen anpassen. In der Volksschule hüte man sich vor einem Zuviel. Der Unterricht muß ein vorwiegend biographisches Gepräge haben, doch ist die Herstellung innerer Beziehungen zur allgemeinen Geschichte und Kultur, wo irgend angängig, anzustreben. Ich habe mich immer sehr gerne an die Stoffverteilung des bisherigen Lehrplanes gehalten und glaube auch, daß wir ihn mit wenigen Hinznfügungen weiterhin benützen dürfen. Das Gesamtgebiet der nachbiblischen Geschichte muß in der Volksschule in einem zweijährigen .Kurse erledigt sein. Ich habe im ersten Jahre stets den Stoff bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien und im zweiten Jahre die Geschichte der deutschen Judenheit, beginnend mit den ersten Ansiedlungen im Fränkischen Reiche, als einheitliches Ganzes behandelt. Wir dürfen uns in der Volksschule ja nicht auf chronologische Gesichtspunkte festlcgen, sondern das, was geschichtlich unb wissenschaftlich zusammengchört, auch zusammen lassen. Es gibt Lehrbücher, die den gegenteiligen Standpunkt bei der Stoffanswahl einnehmen. Ich halte es in dieser Hinsicht mit Fuchs, der in seinem Vorwort zum „Lehrbuch der jüdischen Geschichte" sagt: „Für das Kind kommt es nicht darauf an, daß Sabbatai Z'bi und Spinoza Zeitgenossen. waren, wie Graetz sagt. Es muß vielmehr merken, daß Z'bi einer überwundenen Epoche ungehört, während Spinoza in der Neuzeit noch nachwirkt." Ist in diesem Falle die Kulturepoche maßgebend, so müssen es an anderer Stelle geographische Gesichtspunkte sein, wie z. B. bei der So.nderung der babylonischen, spanischen und mitteleuropäischen Geschichte im Mittelalter. Es geht wahrlich nicht an, daß z. B. die Vertreibung der Juden aus Spanien erst erzählt wird, nachdem vorher vom schwarzen Tod gesprochen wurde. Dieses Kapitel muß vielmehr als Abschluß der spanischen Glanzperiode gegeben werden. Und nun zum Schlüsse meiner Ausführungen noch einiges über dir Einfügung der Vfalnren

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