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Jüdische Schulzeitung · 1926-10-15 · 10 (15.10.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
10 (15.10.1926)
Date
1926-10-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nummer 1V 2. Jahrgang Monalsschrifi für Pädagogik und Schulpolitik Monalsschrifi für Pädagogik und Schulpolitik MM Heransgegeben vom „Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" Die „Iüdiscve Schulzeitung" erscheint am 1ü. einesledenMonals.undwirdallen Mitgliedern der dem „Verband der indischen Lehrervcreine imDenlschen Reiche" anqeichlossenen Vereine kosrenias ANi,ej>eIlt. - Post^Vezugsprcis siir Nicht Mitglieder: Alk. 1.2» pro Quartal. Hamburg, 15. Oktober 1026 Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, Hamburg, ABC-Sträße 57. Fernsprecher: Elbe 7010, 7911, Vulkan 608.-;. Verantwortlich snr den redaktionellen Teil: M. Steinhardt. Magdeburg, für den Inseratenteil: E. L o o s, Hamburg.' Anzeigenpreis 40 c) für die llgespaltene Nonpareille-Zeile. I n h a l t d i e s e r N u m m e r: Väter und Söhne von S. Lilienthal, Wiesbaden. Das Arbeitsprinzip ln der Erziehung von Direktor Silberberg, Ahlem. Ansprachen beim Jugendgottesdienst (8. Frömmigkeit) von Rabbiner Dr. L. Gott schall. Literarisches. Bei der Schriftleitung eingegangene Bücher. Aus dem Allgemeinen deutschen Kantoren- Verbände: Emanuel Kirschner(Fortsehung) von Leon Korni tzer, Hamburg. Literarisches. Vüler und Söhne. (Nach einem Vortrag beim 25 jährigen Jubiläum des Israelitischen Lehrerverbandes von Hessen - Nassau am 18. November 1925.) Von S. Lilienchal, Wiesbaden. Wir leben in einer Zeit'der schärfsten Gegensätze: Ungeheure technische Fortschritte um uns — ein fast demütiges Suchen nach innerer Vervollkommnung und Vertiefung in uns. Schroffes Abwenden der Jugend von Lebensform und Lebensmaßstäben der Aelteren — Sehnsüchtiges Verstehenwollen, aber auch Leitenwollen der Jugend bei den Aelteren. Ein weiterer Gegensatz dann, der eigentlich eine Ergänzung bedeutet: Indes der Mensch — gerade in dem letzten Vierteljahrhundert, das unser Verein heute durchlebt hat — die Welt draußen fast völlig erobert, beginnt er tastend, zögernd, nicht wenig erschreckend, von Schritt zu Schritt, Neuland in sich selbst kennen zu lernen: eine neue Seelenkenntnis erwächst, schon heute, in ihren Anfängen, deutend und warnend, aber auch Richtung weisend und Hoffnung spendend Eltern und Erziehern, auf daß es in Zukunft gelinge, die schmerzlichste Erscheinung jedes .Zeitalters wenigstens zu mildern, zu lindern: den Gegensatz zwischen dem alternden und dem wachsenden Geschlecht. Dieser Gegensatz zwischen Vätern und Söhnen ist wirklich die schmerzlichste Erscheinung eines jeden Zeitalters gewesen, und sie gänzlich zu beseitigen wird wohl nicht gelingen; sollen wir nicht gar sagen: Hoffentlich? Die Bibel wenigstens setzt ein Aushören dieses Gegensatzes erst in die Zeit, da am Ende der Tage der Prophet Elia als Vorbote des Messias austritt. Er erst soll das Herz der Väter ihren Söhnen und das Herz der Söhne ihren Vätern wieder zuwenden; womit doch beides, die Schmerzlichkeit, wie die irdische Notwendigkeit des beklagten Zustandes ausgesprochen ist. In der Tat gibt uns die Bibel eine reiche Fülle von Einzelsällen solcher Gegensätze zwischen den Generationen; wobei wir wohl bemerken wollen, daß der erwähnte Gegensatz zwischen der Jugend und dem Mannesalter in einer bestimmten Zeit, also zwischen zwei sogen. Kollektiv-Persönlichkeiten, jedesmal entsteht aus den einzelnen mindestensinneren' Gegensätzlichkeiten zwischen den einzelnen Jugendlichen und den mit ihnen jeweils korrespondierenden einzelnen Männern. Da flucht schon Noah -seinem Sohne Ham, Jakob entzieht dem Rüben das Erstgeburtsrecht, Nadab und Abihu sterben, ohne von ihrem Vater Ahron betrauert tzu werden, Saul wirst gar den Speer nach Jonathan, der ihm dennoch treu bleibt, indes Absalom alle Liebe und Nachsicht seines Vaters David damit vergilt, daß er ihm Thron und wahrscheinlich auch Leben rauben will. Beschränken wir uns auf diese Auswahl, um ganz kurz nach Motiven zu suchen, und nehmen natürlich die Tradition als älteste aus dem Volksempsinden wie aus dem Volksleben fließende Quelle des Verständnisses biblischer Berichte zu Hilfe. Wir gelangen da zu ganz merkwürdigen Ergebnissen: Noah verflucht den Ham, weil der ihn sexuell geschändet, also gewissermaßen als Mann wertlos gemacht hat. Ueber die Tatsache sind unsere Weisen einig, über die Form und die Einzelheiten jenes Vorganges herrscht Meinungsverschiedenheit. Und Jakob? Er entzieht Rüben, seinem Erstgeborenen, jeden Vorzug, weil Rüben dem Kebsweibe des Vaters beigewohnt hat. In beiden Fällen sind also deutlich sexuelle Gegnerschaften zwischen Vater und Sohn zu.erkennen. Wir kommen zum Fall Nadab und Abihu, die beide sterben, weil sie fremdes Räucherwerk darbrachten. Die Tradition nimmt dies „fremde Räucherwerk" symbolisch und sagt, die Söhne Ahrons haben selbständige Gesetzauslegungen gewagt, die denen des Moses widersprachen. Eine andere Tradition behauptet sogar, sie hätten auf den Tod des Vaters gewartet — zu welchem Zweck? Jedenfalls doch, um nach seinem Tode ein seinen religiösen Anschauungen entgegengesetztes Leben zu führen. Die Darbringung fremden Räucherwerks ist also in allen Fällen die tatsächliche ober auch nur gedankliche Mißachtung des dem Vater Heiligen. So läßt ihr eigener Vater sie, nachdem sie den verdienten Tod gefunden, ohne Klage zu Grabe tragen als die Schänder des Heiligtums, dessen oberster Hüter er ist. Als Schänder eines Heiligtums erscheint auch Jonathan seinem Vater Saul, da er für David eintritt; nur daß dem Saul die Dynastie und die ursprünglich allerdings gottgewollte Herrschaft Sauls als Heiligtum gilt. Beiden Fällen gemeinsam ist wirklich das Geltendmachen der eigenen Weltanschauung gegenüber der des Vaters, das bewußte Zuwiderhandcln gegen die väterliche Autorität, ein Sichfreimachenwollen von dem Druck der überstarken Vaterpersönlichkeit, obwohl (oder vielleicht gerade weil) sie zugleich auch dem Volk höchste Autorität bedeutet! — Erscheint uns in Jonathan zum ersten Male ein sympathischer Rebell, der seinem Vater offen entgegentritt, wo dieser das Opfer seiner sittlichen Persönlichkeit von ihm verlangt, der ihm aber sonst treu bleibt, Not und Tod mit ihm teilt, trotz aller Härte und Starrheit des Vaterherzensr so folgt

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