Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 8 (15.8.1926)
- Date
- 1926-08-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nummer ä 2. Jahrgang Monalsschrisl für Pädagogik und Schulpolilik Heransgegeben vom „Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" Die „Iüdiscve Schiilzeilttilg" erscheint am 15. eines jedenMonatsuiib wil d allen Mitgliedern der dein »Verband der jüdischen Lehrervereine irn Deutschen Reiche" angeichlvssenen Vereine kostenlos zugejtelll. — Post-Bezugspreis für N i dj t Mitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, 18. August 14)26 Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Leßmann, Hamburg, AVE-Stratze 57. Fernsprecher: Elbe 7910, 7011, Vulkan 806:;. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt- Magdeburg, für den Inseratenteil: E.Loos, Hamburg. Anzeigenpreis 40 $ für die Ogespaltette Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser N u m m er: Der israelitische Religionsunterricht nach den Grundsätzen der Arbeitsschule (Fortsetzung) von Rabbiner Dr.B eerm an n,Heilbronn. Ansprache beim Jugcndgottesdicnst (Sei streng gegen Dich, mild gegen andere) von Lehrer M. Steinhardt. Literarisches. Aus dem Allgemeinen deutschen Kantoren-Verbönde: Der jüdische Gem e i n d ebe a in te von I. B. L e v y, Frankfurt a. M. Emanuel Kirschncr von Leo Kornitzer, Hamburg. Der israelitische Religionsunterricht nach den Grundsätzen der Arbeitsschule. Von Bcz.-Rabb. Dr. Beermann - Heilbronn. (Fortsetzung.) Auf der Stufe der Anwendung steht alles im Zeichen der Erwägung: Wie kann sich das Gefundene und Erkannte im Leben durchsetzen und betätigen? Wir haben Abrahams Gastfreundschaft behandelt, nun gilt's zunächst im phantasievollen Handeln feinem Vorbild zu folgen. Was würdest du im Sinne Abrahams tun, wenn bei Euch auswärtiger Besuch angesagt ist? An die Bahn gehen, Pakete' tragen, Blumenstrauß ins Schlafzimmer stellen usw. Heber solchen Phantasie Handlungen darf jedoch nicht die Gelegenheit zu tat s ä ch l i ch e r Rücksicht gegen Schwache, Hilfsbedürftige übersehen werden (Stotterer!). Wird Rebekkas Tierfreundlichkeit geschildert — etwa im Winter — gleich den Vöglein Futter streuen! Oder bei Elieser: Wie würde dir zumute sein, wenn du im fremden Hause um Lohn arbeiten müßtest. — Also heute beim Mittagessen dem Dienstmädchen gleich beim Gcschirrabnehmen helfen. Es sei als Einzelheit nur noch darauf hingewiesen, wie sich bei der köstlichen Rebekkageschichte, der Brunnenszene, auch eine Menge Beispiele finden lassen, wie die Kinder auf der Straße Hilfsbereitschaft an den Tag legen können. IV. Die Organisation des israelitischen Religionsunterrichts als Arbeitsschule. Der Grundgedanke der Arbeitsschule, beim Erwerb von Wissen die Schüler so weit als möglich zur selbständigen > geistigen Betätigung heranzuziehen, sie zum Selbsidenken und Selbstfinden von Einsichten und Erkenntnissen zu veranlassen, bedingt es, daß alle Bildungskräste, die im Stoffe liegen, möglichst gehoben werden. Und das kostet Zeit, zumal die Arbeitsschule auch Erlebnisschule sein soll, also nicht Wissen, sondern Gewissen, nicht Erkenntnis, sondern Bekenntnis, nicht Fertigkeit, sondern Erziehung erreicht werden soll (vgl. Korn, Lernschule oder Arbeitsschule? S. 6). Die Selbsttätigkeitsschule, wie Anton Herget (vgl. die wichtigsten Strömungen im pädagogischen Leben der Gegenwart S. 60) die Arbeitsschule nennen möchte, verlangt daher bei ihrer praktisch m Verwirklichung zunächst die Klärung zweier Fragen für den jüdischen Religionsunterricht. 1. Was soll gelehrt werden und den Inhalt des Religionsunterrichts bilden? 2. Wie soll der Religionsunterricht in das übrige Schulleben der Zöglinge eingegliedert werden, also, wie soll sein äußerer Rahmen beschaffen sein? Wir sehen dabei von den Uebertreibungen derer ab, die keinen Lehrplan in der Arbeitsschule für den Lehrer kennen und die Stoffwahl lediglich beherrscht sein lassen vom augenblicklichen Interesse der Schüler (vgl. Dr. Popp, Unterrichtsreform S. 70). 1. Was soll im Rel. Unterricht gelehrt werden? Nur, was für die religiöse Erziehung von Wert ist, und nur so viel, daß bei jedem Stücke ein gemütvolles Verweilen möglich ist. Alles nicht unbedingt Nötige muß ausscheiden. Durch beit idealen Umgang mit gottersüllten Menschen sollen unsere Kinder zu Gott geführt werden. Darum erhalten sie in der biblischen Geschichte gleichsam religiösen Anschauungsunterricht, lernen hier Personen kennen, an denen sie sich zur Gottesgemeinschaft emporranken können. Im Bibellesen wird ihnen das Seelenleben der Frommen erschlossen und Gelegenheit gegeben, ihr Herz mit religiösen Empfindungen zu erfüllen. Das Hebräische vermittelt ihnen die verständnisvolle Teilnahme am Gebetsleben der Gemeinde, und die jüdische Geschichte zeigt, was Israel als Glaubensgemeinschaft erlebt und geleistet hat, und ermöglicht, wie jede geschichtliche Erkenntnis, dem Zögling sich in den Gegenwartsaufgaben der Gemeinschaft zurechtzufinden. Die Verteilung des Stoffes in den einzelnen Gebieten hängt von der Apperceptionsstuse des Schülers ab, für das Nenzubietende müssen erst Anknüpfungspunkte vorhanden sein, es muß durch die Vorstellungsmassen der früheren Stufen das Neue in richtiger Weise vorbereitet sein. Ich empfehle daher einen Vorkurs mit folgendem Lehrplan: 1. Kind und Umgebung. a) Eltern und Kinder. Joseph im Elternhause. Der Gehorsam des Moseskindes. Ehre deinen Vater und deine Mutter. b) Geschwister. Jakob und Esau (Kain und Abel). Joseph und die Brüder — Neid und Haß! — Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder in Eintracht beieinander leben, c) Freunde. Abraham und Lot. Laß doch nicht Streit sein. d) Mitmenschen. Abrahams Gastfreundschaft. Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst. Mose, der Helfer (3 Bilder!). - *