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Jüdische Schulzeitung · 1926-07-15 · 7 (15.7.1926) · page 8

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
7 (15.7.1926)
Date
1926-07-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Jüdische Schulzeitung. Nummer 7 zeitigen Verwendung des-heutzutage üblicheren, breiter angelegten Rausch-haschonoh-„Sch'ma" beim Ausheben am Simchaß-Tauroh,sieht- Birnbaum den Einfluß des vorbei gehenden ,-Atto Horeßo" nicht zu unrecht. Doch schließt das natürlich auch symbolische Ausdeutungen, wie etwa die Verbindung von Anfang und Ende der Festeszeit, absolut nicht aus. Eine gesangliche Einwirkung, allerdings etwas versteckter Umgebung, liegt m. E. auch beim polnischen „Chauk l'jisroel hu" und den entsprechenden Piutim des Rausch-haschonoh vor. In der zu Schacharis üblichen Tagesintonation ist sie freilich schwer auffindbar. Dagegen ergibt sie sich bei Beachtung der Stellung unseres „Chauk l'jisroel hu" in der Liturgie, nämlich in der „K'duschah des Jauzer" und an der wahrscheinlich hier indirekt erfolgten Beeinflussung durch das sabbatliche „El odaun", „knlom ahuwim" usw. Ja, der Begriff „K'duschah" führt mich hier weiter und zeigt mir die verborgene Brücke zu einer ganz entlegenen Stelle anderer' Art, zum alten „Mi jonuach" im „Un'saneh taukef", das unerwartet ganz mit den Tönen des doch hier sehr abseits liegenden „Chauk l'jisroel hu" an unser Ohr klingt. Wiederum an Birnbaumsche Hinweise knüpfen wir an. wenn wir an die eigenartige, das ganze „Sabbat- Mincha" durchziehende, stark an die Hastaraweise an- Ningende Tonalität denken. Birnbaum ist der Meinung, daß die Hastara, weil sie früher einmal ihre Stellung als Privatlektüre vor dem Gottesdienst hatte, den Einfluß gehabt habe, ihre Töne auf die anschließenden Gebete zu übertragen. Auch Zunz erwähnt den Brauch, am Schabboß zu Mincha eine Haftara zu lesen. Aber auch die entsprechenden Aufzeichnungen von Jdelsohn geben keinerlei sicheren Anhalt dafür, daß solches jemals geschehen sei. Nächst der Umgebung hat auch das ganze religiöse Milieu des betreffenden Tages großen Einfluß auf die melodischen Wiederholungen ausgeübt. „Scholausch-r'golim" und „Jomim-nauroim", Halb feste und besondere . Sabbate bringen ihren eigentümlichen ' Sondercharakter auch gesanglich immer wieder zum Vorschein. Das gilt auch von den sogenannten „traditionellen Festmelodien" zu Peßach, Schowuaus, Sukkaus, Channukkah usw. Um das Sondergepräge des Tages herauszuarbeiten, bedarf es aber durchaus nicht einer verschiedentlich bemerkbaren A u s s ch r o t u n g dieser Melodie. Es genügt vollkommen, wenn sie während ein und desselben Gottesdienstes möglichst nur einmal erklingt, und bei etwaiger Wiederholung in diskretester Weise. Sonst geht das sie Auszeichnende dem eigentlichen Zwecke geradezu verloren. Und wie im Leben bedeutende Ereignisse sich vorher schon bemerkbar zu machen pflegen, wie die Kirche ihre Advcntzeit und ihre Passionszeit hat, so kündet sich auch bei uns das Herannahen religiös bedeutender Ereignisse und Erlebnisse durch vorheriges Anschlägen jener für sie eigentümlichen Töne an. Ich erinnere an den „L'chodaudi" für die drei Wochen, an das „Rausch-chaudeschbenschen" und dergl. Weshalb die „S'lichaus" im Monat Ellul allmorgentlich mit dem Mussaf-Kaddisch der Hohen Festtage eingeleitet werden, weshalb am Ausgang des Sabbats vor der S'lichaus-Woche das „W'hu rachum" und „Bor'chu" in der Form des durch Einzelmotive des dem. Mussaf-Kaddisch verwandten Tal-Kaddisch gesagt werden, ist demnach einer weiteren Erklärung nicht bedürftig. Ueberhaupt wurden zu allen Zeiten allgemein beliebte und geläufige Wendungen und Weisen, genau so wie auf dem Gebiete des Volksliedes, immer wieder herangeholt. Das ist besonders zutreffend für das in Süddeutschland gepflegte und mit mancher Besonderheit auftretende sogenannte „aschk'nasische Chasonus". Korrespondierende Aehnlichkeit findet Birnbaum an verschiedenen Stellen des auch im Osten gepflegten Chasonus, und indem er diesem Aehnlichleiten forschend nachgeht, weist er ihnen mit Sicherheit und Geschick jeweils ihren richtigen Platz an. Auch „Kol-nidre"- und „Awaudo"-Motive kommen so oft im Gottesdienste, nicht nur während der Hohen Feiertage, vor, daß mir bei genauer Betrachtung ein unbedingtes Zurückführen beider auf den Versöhnungstag noch nicht als durchaus bindend erscheinen will. Besonders wenn wir in Betracht ziehen, daß gerade das „Kol-nidre" es war, das ursprünglich mit dem „Jaum- Kippur" kaum im sachlichen Zusammenhang steht, und dem einst sogar von seiten der G'onim eine scharfe Gegnerschaft erwachsen war. In einem in der Vorkriegszeit zu Berlin gehaltenen Vortrage habe ich unter anderem dargelegt, wie auch das „Leienen für Rausch Haschouoh" Motive aus dem Gottesdienste des ganzen Jahres gleichsam zusammenholt. Meine damaligen Vermutungen, die ich auch heute noch aufrecht halte, beruhen auf der Erfassung der im Mittelalter für den „Rausch-haschonoh-Niggun" zum Leienen gebräuchlichen Bezeichnung „Stubentrop", in Anlehnung an das „Sefer Maharil". Der Einfluß talmudischer Beziehungen auf die Anwendung von Melodien ist in halachischer Hinsicht bereits namhaft gemacht worden. Aber auch das agadische Moment kommt dabei zur Geltung. -Wir brauchen nur an die Vorlesung der „M'gillah" zu denken. Außer den schon erwähnten „Echo"- Stellen darin finden Stellen vielfacher Art und Tonalität nur auf diese Weise ihre Erklärung. Daß Responsen, wie „Boruch hu uworuch sch'mau", „Omen" u. a. nur ihrem Zweck entsprechend und daher auch sanglich im Zusammenhang mit dem Vorangehenden bezw. Folgenden zu verstehen sind, bedarf keiner besonderen Erläuterung. Und so ließe sich noch manches Allgemeine und Besondere zu diesen Ausführungen, die ja nicht Anspruch auf Vollständigkeit erheben sollen, hinzufügen. Die Frage: „Warum wiederholen sich synagogale Melodien?" — ist mit dem Aufbau unseres Gottesdienstes selbst und nur der Herausbildung seines Gesangmaterials, mit den Ritusbildungen, mit geschichtlichen, kulturellen, rein musikalischen und anderen Momenten viel zu eng verknüpft, als daß sie in einem Referat oder Zeitungsartikel ihre auch nur annähernd erschöpfende Lösung finden könnte. Nur der Weg, der einzuschlagen ist, sollte hier gezeigt werden. Hotel u. Pension Hirsch bekannt gute Verpflegung. * Volle Pension von Mk. 6.50 m. Garten-Veranda. Kollegen, werbt für Me Verbreitung der „Mischen Schulzeitung"! probenummern in beschränkter Zahl stehen bei der Schristleitung zur versügung.

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