Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 7 (15.7.1926)
- Date
- 1926-07-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2825247-2825294-2825301--0087-2825663- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nummer 7 2. Jahrgang Jüdische Scbulzeiftm Monalsschrist für Pädagogik und Schulpolilik HcraiiSgcacbe» vom „Verbände der jüdische» Lehrervereinc im Deutschen Reiche" Die „Jüdiscbo Schul.zeitung" erscheint am 15. einesjedenMonats undwird allen Mitgliedern der dem „Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" ancieschlvssene'n Vereine kostenlos zugostellt. — Post-Bezugspreis für Nicht Mitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, 15. Juli 1926 Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, Hamburg, ABC-Strahe 57. Fernsprecher: Elbe 7910, 7911, Vulkan 8083. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. S t e i n h a r d t - Magdeburg, für den Inseratenteil: E.Loos, Hamburg. Anzeigenpreis 40 e) für die Ogespaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser Nummer: Der israelitische Religionsunterricht nach den Grundsätzen der Arbeitsschule, von Rabbiner Dr. Be er mann, Heilbronn. Ansprachen beim Fugendgottesdienst (7. .Hanssriede) von Rabbiner Dr. Gott, schall, Frankfurt a. M. Vereinsberichte. Literarisches. Bei der Schristlcitung eingegangene Bücher. AuS dem Allgemeinen deutschen Kantoren-Verbande: Warum wiederholen sich synagogale Melodien? (Schluf;) von Oberkantor Guttmann, Potsdam. Der israelilische Religionsunlerrichl nach den Grundsätzen der Arbeitsschule. Von Bez.-Rabb. Dr. Beermann-Heilbronn. Die Arbeitsschule will, wie ihr Name - sagt, die Selbsttätigkeit der Schüler zur Entfaltung bringen. Als Erziehungsschule will sie nicht Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln, sondern alle Kräfte der Seele entwickeln. In den Gesinnungssächern, zu denen der Religionsunterricht gehört, will sie die Gefühlsregsamkeit in Anspruch nehmen, und Stimmung weckend und Erleben vermittelnd an das Gemüt herankommen. Sie will Erlebnis schule sein und auf die Tat dringen. Sie entspricht so dem Wesen des Judentums, dessen Losung ist: „Nicht das Forschen ist die Hauptsache, sondern die Tat." I. Vom Ziele des israelitischen Religionsunterrichts. Die Arbeitsschule berücksichtigt die Ergebnisse der Seelenkunde. Sie macht mit der Einsicht Ernst: Religion wurzelt im Gemüte. Auch die altjüdischen Volkslehrer haben in ihrem Satze: „Gott will das Herz" als die Sphäre der Religion das Reich der Gefühle und Gesinnungen bezeichnet. Diese lassen sich aber nicht anlehren, sie wollen geweckt werden. Wie aber geschieht das? Leben entzündet sich nur an Leben. In dem Lehrer muß die Gesinnung kraftvoll und gcistesmächtig vorhanden sein, die er wecken will; er muß dem Lichte an der Menora gleichen, das die andern Lichter entzündet. Der Umgang mit frommen Menschen übt seinen Einfluß. Auch der geistige Verkehr mit den religiös schöpferischen Geistern, mit den Klassikern der Frömmigkeit soll zur Einwirkung gelangen. In diesem Sinne empfiehlt Karstädt die anschauliche Vorführung religiöser Helden (methodische Strömungen der Gegenwart S. 85). Diese Gestalten der biblischen und jüdischen Geschichte sollen so lebendig in ihrem Suchen und Finden, in ihrem Siegen und Unterliegen vor die Seele gezaubert werden, daß die Kinder mit ihnen bangen und hoffen, sehnen und genießen, leiden und jauchzen, und indem sie sich als Nachkommen solcher Glaubenszeugen fühlen, ihr eigenes religiöses Verantwortungsgefühl vertiefen. Der Arbeitsschulgedanke verlangt, daß die Schüler zur quellenmäßigen Erarbeitung der religiösen Werte geführt werden. Darum gilt es, die gehaltvollsten . Schrift- und Gebetworte in den Mittelpunkt zu rücken und sie dem Schüler allmählich in der Ursprache zu erschließen, in der sie das Gotteshaus, der Quellort lebendiger Frömmigkeit, ja noch heute bietet. Die Gemeinschaft mit Gott, die uns diese Urworte der Religion künden, Worte, in denen das Herz der Religion schlägt, soll zum Lebensideal auch unserer Schüler werden. | Die Arbeitsschule will Anschaulichkeit und Lebendigkeit. Wie einstens im Anblicke der Fest-; bräuche beirn Passahmahle dem Kinde die göttliche Gnadenwaltung beim Auszuge aus Aegypten dargetan ward, sollen religiöse Bräuche, Sitten und Einrichtungen reiche Berücksichtigung finden. Dazu gehört feiner Takt: wie oft mißachtet heute das Leben die heiligen Satzungen, die wie Wegweiser ins Himmelreich überall von der Religion aufgestellt werden. Der Zwiespalt mit einem oft aller religiösen Lebensordnung fremden Elternhause wird sich freilich nicht gänzlich vermeiden lassen, aber der Lehrer wird sorgsam sich mühen, ihn nicht zu früh zum Bewußtsein des Kindes zu bringen. Besonders wichtig ist für die Arbeitsschule die Lehrerpersönlichkeit. Ohne sie frommt die beste Lehrweise nichts. Das Wort des großen Engländers bleibt wahr: „Nicht die Methode, sondern dör Mann!" H. Der Neligionslehrer. „Niemand kann Religion lehren, als wer Religion, hat", sagt Jean Paul. Nicht vom Lehrstoffe und nicht von seiner Verarbeitung allein kommt das Heil. Ter Mensch ist's, der auf Menschen am kräftigsten einwirkt. Mit Recht meint darum Waitz (Allgem. Pädag. S. 327), die beste Lchrform bleibt unfruchtbar, wenn ihr der Hauch einer echten Löhrerseele fehlt. Nur wer fromm ist, kann fromm machen. Der Lehrmeister sei ein Lebensmuster religiöser Innigkeit. Sein Vorbild leite an, die Forderungen der Religion und ihre Einrichtungen in Ehren zu halten. So mag er zur Teilnahme am Jugend- und Gemeindegottesdienst (an schulfreien Freitagabenden, Sabbaten, Festen) anspornen und Sorge tragen, daß die Kinder in das jüdische Leben hineiuwachsen; will ja die Arbeitsschule möglichst unmittelbar zur praktischen Betätigung anleiten. Nur bei häufigem Besuche der Andachten wird reichlich religiöser Anschauungsstoff vermittelt, aber auch jene Feierstimmung an geweihter Stätte geweckt, die das religiöse Gefühl zu kräftigen und zu fördern vermag. So wird der rechte Lehrer auch die religiösen Feste nicht ungenützt vorübergehen lassen; er wird die Kinder für eine würdige Feier vorbereiten, soll ja d ie Arbeits - schule dem Leben zugewandt sein. Für Channukkah und Purim sind auch kleine religiöse Schulfeiern zweck-