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Jüdische Schulzeitung · 1926-06-15 · 6 (15.6.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
6 (15.6.1926)
Date
1926-06-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nummer k 2. Jahrgang Jüdische Schulleitung Monatsschrift für Pädagogik und Schulpolitik Hera»sgcgeve» vom „Verbände der jüdische» Lehrervereine im Deutschen Reiche" Die „Indische Scimlzeiluiic," erscheint «rm 15. eines jedenMonnts.lind wird allen Mitgliedern der dem „Verdnnd der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" an^eschlossenen Vereine kostenlos Aiiiicftellt. - Post-Bezugspreis fiir Nicht Mitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, 18. Juni LUS« Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, Hamburg, ABC-Straße 57. Fernsprecher: Elbe 7010, 7011, Vulkan 808.'!. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: ° M. Steinhardt. Magdeburg, für den Inseratenteil: E. L o o s, Hamburg. Anzeigenpreis 40 A, für die «.'gespaltene Nonpareille-Zelte. I n h a l't dieser N u m m e r: Grundlagen und Grundsätze derHcilpädagogik, von GeorgSawady, Berlin. Aus Theorie und Praxis unseres Religionsunterrichts, von Dr. Adolf Löwenberg,Berlin. Bcrcinsberichte. Literarische Notiz. Aus dem Allgemeinen deutschen Uantorcn-Berbande: Warum wiederholen sich shnagogale Melodien? von Oberkautor Guttmann, Potsdam. Literarisches: Emanuel Kirschner ^7"diUo8 t'el eljän" von A. Müller, München. „Grundlagen und Grundsätze der Keilpädagogik" zugleich eine B u ch b e s p r e ch u n g. *) Von Georg Sawady. Wie ungeheuer lebenswichtig es für das Judentum ist, hcilpädagogische Bildung zu organisieren und zil verbreiten, erkennt derjenige am deutlichsten, der einmal darüber Nachdenken würde, was es für unseren Fortbestand wohl bedeuten mag, daß die Anormalität unter uns Inden feit Beginn des Weltkrieges eine weseittliche Zunahme ansznweisen hat. Gewiß setzen unsere Verbände, beispielsweise die „Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden" alles daran, mit Hilfe von wvhldurchdachten Organisationen, die über das ganze Deutsche Reich sich erstrecken, die Heranwachsende jüdische Generation, namentlich die Gefährdeten, fürsorgcrisch zu erfassen, um sie vor den schrecklichen Gefahren einer katastrophalen Zeit zu behüten; gewiß gibt es eine Anzahl zweckentsprechender, jüdischer Heitne; aber damit ist bei weitem nicht genügend für Abhilfe Sorge getragen. Solange jüdische Juristen und Mediziner, Rabbiner und Lehrer. Leiter jüdischer Erziehungsanstalten, * Halter jüdischer Pflegekinder, jüdische Sozialbeamte usw. nicht über ein gewisses Mas; heilpädagogischer Vorbildung verfügen, ist keine gründliche Heilpädagogik bei uns Juden möglich.» Dr. med. et. phil. Eliasberg, München, verlangt iw einem Artikel „Die Behandlung des schwer erziehbaren Kindes" (Zeitschrift „Zedakah" Dez. 1925) sogar wissenschaftliche Fundierung der eigentlichen heilpädagogischen Arbeit und wünscht ausdrücklich, daß hierfür jüdische Zentral Forschuugs-Jnstitutiouen geschaffen werden sollen. Jedenfalls beweisen solche Forderungen, daß hier tatsächlich große Mängel vorherrschen müssen. Um wenigstens vor der Hand den dringlichsten dieser Mängel zu steuern, bedarf es vor allem der Aufklärung. Wie aber soll diese vor sich gehen? Die jüdischen Fachleute auf den mannigfachsten Gebieten der Heilpädagogik sollten es zu ihren edelsten Pflichten rechnen, hier Vorbild zu sein. Ihr Wirken möge zuerst in kleinem Kreise beginnen und durch innige *) Ernst von Düring: „Grundlagen und Grundsätze der Heilpädagogik". Rotapfel-Verlag, Erlenbach-Zürich, München nnd Leipzig. ' Fühlungnahme von Mensch zu Mensch eine breitere, allgemeinere Basis zu erlangen suchen. Ueberhaupt sollte keine Gelegenheit, die irgendwie geeignet wäre, heilpädagogisches Wissen zu verbreiten, ungenützt gelassen werden. Diesem Zwecke seien darum die folgenden Ausführungen gewidmet. Das in der Fußnote der Ueberschrift zitierte Buch (347 Druckseiten) Ernst v. Dürings besteht aus 25 Vorlesungen, die er vor Lehrern und Studierenden aller Fakultäten gehalten hat. E. v. Düring ist Arzt und Professor für Heilpädagogik an der Universität Frankfurt a. M. Die Grundlage seines Buches bilden die Vorträge, die der Verfasser, als er noch Leiter der Arbeitslehrkolonie und Beobachtungsanstalt „Steinmühle" bei Frankfurt a. M. war, seinen Mitarbeitern gehalten hat. Dieses Buch könnte alles in allem ein Buch ans der Praxis für die Praxis sein, wenn in ihm alle Objekte der Heilpädagogik behandelt sein würden. Leider ist der Begriff der Heilpädagogik zu eng gefaßt. Die Minden und Sehschwachen, die Tauben und Schwerhörigen und vor allem die Krüppel schaltet von Düring bewußt aus. Jedoch gehören auch diese Gebrechler dazu; denn die Heil- Pädagogik hat es mit allen Anormalen, sowohl den geistig, als auch den körperlich Anormalen, zu tun. Magistratsschnlrat Arno Fuchs, Berlin, eine anerkannte Fachautorität, behandelt in einer Artikelreihe „Die Berliner Sonderschulen" („Bert. Lehrerztg." Nr. 10, 12, 13, 15 und 18, 7. Jahrg. f92ü) ausdrücklich alle von Berlin getroffenen Einrichtungen, sämtliche Kinder unterrichtlich zu versorgen, mit denen es die Heilpädagogik zu tun hat; — und dazu zählt Fuchs auch die, welche v. Düring ansschaltet. So ist meiner Meinung nach der Titel des Buches irreführend. Der Verfasser nennt sein Buch „Grundlagen und Grundsätze der Heilpädagogik" und behandelt eigentlich nur einen großen Ausschnitt aus diesem Gebiet. Doch — und das muß lobend anerkannt werden -rdiesen Ausschnitt, den man vielleicht mit größerem Recht Hilfsschulpädagogik nennen könnte, führt er uns in wahrhaft genialer Weise vor. Aber, mit einer Einschränkung nur kann das Lob ausgesprochen werden, der Verfasser ist bei einer Anzahl von Themen, z. B. Vorlesung 5: „Ursachen der Minderwertigkeit", Vorlesung 20: „Die Religion in der Erziehung", von einer zu großen Kürze,, so daß man das Gefühl nicht los wird, als handle er nach dem Grundsatz, wenn es dir am besten schmeckt, sollst du aufhören. — Höchst anschaulich, alles was es bringt, wohl erwogen und durchdacht, durch, einwandfreie Beispiele belegt und erhärtet, bereitet das Buch dem Leser einen von Vorlesung zu Vorlesung sich steigernden Genuß. Diesen Genuß empfindet man da am stärksten, wo v. Düring mit Althergebrachtem abrechnet, wo er sich mit Größen von heute und gestern auseinandersetzt (Freud, Mendel,

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