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Jüdische Schulzeitung · 1926-04-15 · 4 (15.4.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
4 (15.4.1926)
Date
1926-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nummer 4 2. Jahrgang Monalsschrist für Pädagogik und Schulpolitik Züüiscke Monalsschrist für Pädagogik und Schulpolitik Heransgegebeu vom „Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" Die „Indische Sckmlzeiiuiig" erscheint am 15. |1 Hamburg, L5. April LN2K eines,edenMontUsttndwildallen Äitqliedcrn ' - ^7 H'dischen Leheervereine Druck, Verlaq und Geschnflssrelle: nnDeutschen Reiche nnqeichlu^enen Vereine! ' . ' , . __ loiiculo*. Au.iciteüt. - Post-Beznasprcis für M. Lehmann, Hamburg, ABE-Stratze 57. A i ch t Mitglieder: Mk. 1.2« pro Quartal, jj Fernsprecher: Elbe 7010, 70N, Vulkan 808.1. Bernntmortlich sur den rednklione.len Teil: . M. Steinhardt. Magdeburg, sur den Inseratenteil: E. Loos, Hamburg. " ' Anzeigenpreis 40,) für die «gespaltene Nonpareille-Zeile. I n h a l t d i e j e r N u m m er: Notwendigkeit, Stoff und Methode des systematischen Religionsunterrichts, von Studiendirektor Dr. Gut mann, Berlin. Die Förderung des Hebräischen siir die häusliche und öffentliche Andacht (Schluff), von Mar Lazarus, Lübbecke i. W. Soziale Ausgaben des Lchrerncrbandes, von M. Steinhardt. Anspraä)en beim Fugcndgottesdicnst <.«. Aieit), von Rabbiner Dr. Gottschalk, Berlin- Literarisches. 1?ingcgangene Bücher. NolwendigKeil^ Sloss und Methode des systematischen Religionsunterrichts. Von Studiendirektor Dr.. Gutmann, Berlin. Mit dem Eintritt der deutschen Juden in die abendländische Kultur, mit den zunehmenden Bestrebungen, durch die Schule die Jugend in das Kulturleben der dent scheil Nation einzusühren, ging eine allmähliche Einschräntung des Religionsunterrichts Hand in Hand. Es fehlte einfach an der Zeit, sich in demselben Umfang wie bisher mit dem biblischen und rabbinischen Schrifttum zu beschäftigen. Umso mehr machte sich das Bedürfnis geltend, die Jugend durch kurzgefaßte Lehrbücher in den Ideengehalt des Judentums einznsühren, und man hielt es für das Wichtigste, Bücher zu schasseg, die diesen kurz darslellten. So entstand in einer merkwürdigen Verkennung der Schwierigkeit des Gegenstandes seit der Mendelssohn scheu Zeit eine Menge von Lehrbüchern der israelitischen Religion — nach David Kaufmann bis 1884 nicht weniger als 161 — die, gewöhnlich in der Form vor, Katechismen abgesagt, den Lehrgehalt des Judentums meistens unter reichlicher Anführung biblischer und talm»bischer Sätze darstellten. Trotz dieser Fülle von Lehrbüchern, von denen einige mehrere Auflagen erlebt haben, — das bekannte Hcrxheimersche, das im Jahre 1831 zum ersten Male erschienen ist, ist 1916 in 36. Auslage heransgegeben worden —, und die eigentlich auf ein allgemein bestehendes Bedürfnis schließen lassen sollten, wird' durchaus nicht überall zugegeben, daß der systematische Religionsunterricht in die Schule gehört, und ist die Zahl derjenigen Lehrer picht gering, die ihn verwerfen und jeden Religionsunterricht außer dem geschichtlichen für eine methodische Verirrung halten. In einem Aufsatz über geschichtlichen Religionsunterricht (Monatsblätter für den evangelischen Religionsunterricht 1908, S. 10 ff.) sagt der bekannte Methodiker des Religionsunterrichts Hermann Meltzer, daß der geschichtliche Religionsunterricht im Grunde kein anderes Ziel habe als der Unterricht im Katechismus und in der Glaubens¬ und Sittenlehre, nämlich die bedeutungsvollsten peligiösen und sittlichen Ideen und Normen zu erzieherischer Wirkung zu bringen; nur die Mittel und Wege zu diesem Ziele , seien verschieden. Diese Verschiedenheit aber sei pädagogisch von größtem-Belang. Es müsse als methodisch verfehlt angesehen werden, zuerst eine Idee oder Norm vor die Kinder zll stellen, sie dann begrifflich zu erörtern und schließlich ihre Wahrheit durch hier und da hergeholte geschichtliche oder sonstige Beisviele zu bekräftigen. Tie . Jugend brauche konkrete, große Gestalten, deren Art allmählich richtunggebend auf den jugendlichen Geist wirke. Der abstrakte Satz lasse die Jugend kühl, während eine' anschaulich entgegentretende Persönlichkeit Teilnahme wecke. Der geschichtliche Religionsunterricht habe aber auch den Vorteil vor dem systematischen Religionsunterricht voraus, daß er den Lehrer davor bewahrte, mit einem fertigen Urteil vor die Zöglinge zu treten und es ihnen mit mehr oder weniger Kunst aufzunötigen. Das objektiv angeschaute Leben vergangener Personen und Zeiten gebe den Schülern Gelegenheit, ihre. Gefühle und Urteile unvarteiisch zu äußern, uub lasse den Erzieher die Gefahr der einseitigen Parteinahme vernceiden, die namentlich bei der Behandlung von Gegenwartsfragen sehr nahe liege und leicht von ungünstiger Wirkung sei. Endlich gewähre die im Zu- / sammenhang der Geschichte erfolgende Besvrechnng der Gedanken und Probleme dem Lehrer den Vorteil, daß er die Sache nicht mit einem Male zu Erledigen brauche, sondern sie in , stnsenmäßigem Fortschritt ihrem Ziele znführe, wobei er auf jeder höheren Erkennt» isstuse auf früher erarbeiteten Resultaten fußen und fortb/rnen könne.' Wolle man aber abschließend, nachdem der geschichtliche Religionsunterricht den Stoff gebracht habe, die Sache noch einmal im Zusammenhänge erörtern, so tue n:an etwas Ueberslüssiges; man halte ohne natürlich gegebene Veranlassung eine Repetition, die ohnehin schon, da das^ für das religiöse Problem bedeutsame geschichtliche Material nicht mit einem Male geboten werden könne, als immanente Wiederholung hinreichend zu ihrem Recht, gekommen sei. ' Einen ablehnenden Standpunkt — wenigstens soweit die Volts- und Religionsschule in Betracht kommt — nimmt auch Gottschalk in seinem Buche „Methodische Fragen des jüdischen Religionsunterrichts" ein. Unter mehrfacher Bezugnahme auf einen im 3. Heft des Wegweisers für den jüdischen Religions-Unterricht (hgg. von Spanier & Flanier) veröffentlichten Aufsatz von Golde zur Frage des Unterrichts in der jüdischen Religionslehre begründet er seinen Standpunkt mit der den Schülern der Qberftufe der Volksschule fehlenden, Fähigkeit zu abstrah. „Sie lernen nicht von Be- - griffen auf die Mensche sondern von Menschen auf Begriffe schließen." (S. 122.) „Da sie immer mehr bei den Sachen festgehalten wurden als den Begriffen, ist auch gar nicht, das Bedürfnis noch die Fähigkeit in ihnen rege geworden, sich in einem zusammenhängenden Gedankengebilde Rechenschaft über die Lehren der Religion zu geben; wenn wir es jetzt gewaltsam dazu zwingen, so bringen

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