Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 1 (15.1.1926)
- Date
- 1926-01-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 1 Jüdische Schulzeitung.____ -elte D Kruft und Stärke ausstrahlen könnte, nicht nur auf das eigene Volk, sondern tief hinein in die Menschenwelt! Und ' das konnte nur durch ein radikales Vorgehen erfolgen, wie es geschieht, nx'nn Än schwer Kranker gesunden soll. Isolierung mußte eintreten, ein rücksichtsloses Msondern von der infiziere.ii'deu Ulligebilng, die dis in die. Kreise des' Familienlebens hiueingriff. Nicht um eine Weltflucht, wie nn Buddhismus, handelt es sich, nicht von Haß gegen die Heidenwelt waren Esra und Nehenüa geleitet, als sie „Rückkehr" verlangten. Vom Geiste.der ihnen vor-ausgegangenen Propheten getragen, sahen sie in der Übertretung des Gesetzes, in der Anschmiegung und Anlehnung an die heidnische Umgebung nicht nur die Quelle aller Leiden des jüdischen Volkes in' der Gegenwart und eine große Gefahr für dessen nationalen Fortbestand in der Zukunft, sondern auch^ das Hindernis der reingeistigen Entwickelung Israels zum Heile der Menschheit, den Untergang einer Lehre, die das Gemeingut aller Völker werden sollte. Und diese Lehre uitti diese Erziehung im Gesetze hat Männer wie Simon den Gerechten und Hillel und Akiba hervorgehen lasseil. Sind das Pakiagestaltrii! Daun find auch die Apostel Pariagestalten, jedenfalls diejenigen, die noch „int Gesetze berufen" waren. (1. GTnri 718'ff.) ’ - Die Beivegnng, die voll Esra ausging, wirkte einzig nrid allein durch die Macht der Überzeugung. Er wollte die idealen Forderungen' ber Propheten zum Nealbesitz des Volkes werden lassen und hat, 2000 Jahre vor Luther, gleich diesem eilte Lehre zur Volkslehre werden lasseu, die das Bewußtsein, „ein Volk" von Priestern zu sein, als ein ungeheuer erzieherischeil Gedanken ailfstellte. Eiil geistiges Ringen hob an, wie es sich in dieser Intensität nie wieder bei eillem arlderil Volke gezeigt hat. Allch der Buddhismus entpfiehlt eilt 9Uilgell, aber ein rein geistiges, mit einem rein geistigen Ziele. Die Welt wird als'Welt der Leideil erkannt und es geht das Streben danach, die Welt des Leideris mit der Welt des Glückes zu vertauschen. Ganz ähnlich ist die Gedankeneinstellung, die die Platonische linb gleichzeitig' stoische Philosophie beherrscht, die wir als im Zusammenhang mit buddhistischer WeltaiisckMuilg stehend bezeichneten. Wir können das im Nahmen dieser Abhandlung nur andeuteil. Ailch bei Plato ivird als die Welt der Wirklichkeit uur die Welt der Ideen ailerkanllt nild dem Meilscherl zttgleich als Ziel allgewiesen. Ja, er nennt „Mellsch" nur den „Philosophen" und sein Theaetet lehrt ebenso wie die gleichzeitige Stoa: Wenn der Philosoph eine unüberwindliche Sehnsucht ilach dieser wahren Schall (Iden), nach dieseul wahrell Sein so stark in sich trage, daß er die Fessel des Körpers unerträglich finde, so dürfe er diesen Kerker sprengen, deil Tod des Philosophen sterben.' Diese Lehren haben daher staatlich riationale Gebilde nicht nur nicht ermöglicht — man betrachte das heutige Indien- — sondern wo solche vorhanden waren, sie untergraben, wie iu Griechenland. Esra und die Männer, die nach ihm waren, bis zu Akiba, strebten danach, eineil wirklichen Nationalstaat, nicht einen Jdealstaat, aber noch weniger eilten Jdralznstand des Einzelmenschen zit propagieren nnd zu schaffen. Esra und seine Nachfolger hielten sich, gerade bei der tiefen moralischen Gesullkenheit ihres Volkes das schlvere Ringen vor Allgen, in dem einst'der große Volksführer Mose stand, als er gegenüber dem ztrr tierischeil Sinnlichkeit herabgesunkeneu Volke rang, ilm den Weg zu crfeniten, der nach oben, liach dem Ideal, dem Sein, zu Gott führt. „Laß mich doch deine Herrlichkeit schatten!" Das Ideal m seiner Wirklichkeit könnte der Mensch als lebendiges Wesen nicht ertragen, lautet die Antwort. Stelle dich auf -bcn Felsen, tritt auf den harten steinigen Boden der Wirklichkeit, schaue nicht mit dem grübelirden, weder.dem spekulativen llvch dem meditierertden Sinnen nach oben, über das Menichenbereich hinaus. Schattend liegt hierbei die Hand Gottes auf deinem Auge. Schaue in die Tiefen der eigenen Brust und du toirsl aus Selbsterkenntnis Mitleid haben und Languntt u'.ld Erbarmen nnd Mut zum Kampf für das Bessere. Nein, das Mitleid nicht linb das Leid noch weniger ist Ziel, an dem das Erdensein endigen soll. Kampf', Streben ist die Ausgabe, um die Metischheit vorwärts zu führen auf dem steinigen Pfade der Wirklichkeit. Und nicht mehr verdammetlswert erscheint ilns das Leben, fein Ort des Teufels, atls dem wir ins Himmelreich entfliehen möchten, fonbern heiliger Boden, auf dem wir mit heiligeirder Tat uns zu bewähren haben. Und wie ans diesem Bewllßtsein heraus die Propheten eine Soziallehre geschaffen, -die man vergeblich in Plaws Politeia suchen würde, so versuchen jetzt Esra und seine Nachfolger das Alltagsleben, auch die neuen Beziehungen-» iit denen die Inden zu bcn Völkern stehen, in deren Mitte sie wohnen, zu durchdenken und zu ordnen unter dem Gesichtspunkte: Gott dieses Leben nub seine Beziehungen zu ullterstetten. In das Alltagsleben dringt die Weiheformel ein: IV 8 VniÜiOD lind eine Lehre entsteht wie sie kein anderes Volk— nicht mir keine Pariakaste, ailch nicht das Herrenvolk der Römer geschaffen: eine Volkslehre im wahrsten Sinne des Wortes. Keine „Rabbinen", wie der Altmeister Zunz schon sagt, auch keine Bernfsjnristen, alle Glieder des Volkes, Arbeiter, Haildtverker, Bauern nnd Kauslente, alle haben an diesem VolkSlverke gearbeitet, das Leben, Wirklichkeit denkend durchdringt. Weil wir an Gott glattben, glauben wir auch ait sein Ebenbild, an den Menschen und den menschlichen Fortschritt. Wir handeln Nicht ethisch um der „Glücksekigkeit" willen, denn wir leben, um unsere Pflicht zu tun, das heißt Gott zu dienen. Wir wollen ntithelfen diese Welt ein.>nrichten und allfzubnuen, so daß'immer mehr alle Menschetl ihre Zufriedenheit ans ihr finden. Wir gaben der Meilschheit den Tag, all dem -der Hammer imd der Ambos schweigt, an Äent dem ''Arbeiter eilt Recht auf sein höheres Menschentum vergönnt ist, wir forderten nicht lnrr Heiligkeit deS Besitzes, sondern Heiligkeit und Unantastbarkeit der Person, die das römische Recht nie kannte: wir schufen Anordnungen und (besetze, die heute einen Henri (George intfo Wladimir Solotvjerv zu AilSdrückert höchster Anerketlulliig zwingen, alt die alles Hohe urid Edle, was Menschengeist hervorbriitgt, sich ankriftattisierell muß. wenn der Geist des Friedens über die Weltvölker konrmen soll, den unsere Propheten iumitteu schlvertstarrender Kölker vor Jahrtausenden vorauSgefrhnut. All der Menschenlehre unserer Bibel erstarkte ein Lessiug, ein Goethe, ein Herder, alle, die als Große über diese Erde dahinschritten. Sie wird einst die freie Menschheit bewitudern. Psychologische Skudien. I. Wormser, Hauptlehrer, Uehlfeld. Bor allem ntuß ich ausdrücklichst betonen, das eS mir ferne steht, an unfern Geboten zu deuteln ulld zu drehen. Diese sind mir zu heilig, als daß ich es wagen wollte, sie meinen Reflexionen zit unterziehen. Was ich mit meinen Ausführungen bezwecken will, ist^einzig und atteirt das Urteil meiner Kottegeil und aller, die sich mit der Materie befassen, zu hören und danrit meine Erfahrungen zu ertveitern, die ich mir auf dem Gebiete der Kinderseelenlehre im Laufe meiner langjährigen Schulpraxis erworben habe. Nicht zuletzt aber auch sollen meilte Darlegungen dent Zwecke dienen, eilten Gedankeuallstallsch unter menren Amtsbrüdern herbei-' zuftthreil nnd. die Seelenverwandten einander näher zu bringen. . Vorweg will ich auch darauf Hinweisen, daß mir bei