Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 1 (15.1.1926)
- Date
- 1926-01-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2825247-2825294-2825295--0034-2825604- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4__Klüdische Schulleitung. dummer i , keine Grenze ziehen zwischen Bibel, weltlich-religiösem Stoff, Belehrung über Formell, eills nmtz mia dem andern heraus- . wachsen, eills dem andern sich nach Möglichkeit anzupasstm - suchen, llol'er Sitten mrd'Gebräuche zu redeu würde vielleicht'die Kleinen'sehr langweilen, wenn nicht vorher durch eine Geschichte ihr Interesse wachgemfen war. GS wäre das nicht.llötig, wenn lvir es nur nnt Kindern ans strengreligiöscn Häusern zu tun. hätten, bei derlen das Erlebnis der Sitten und.Gebräuche vorliegt, aber wir haben in der Grundschule alle Kreise, nnd so muß der Lehrer beim fehlenden Erlebnis eben eins schaffen. D a kann er seine Kllnst zeigen nlld das Beste filiden. „Immer in Vorbereitung" wie Gandig — unser aller Führer — einmal sagte. Um noch einmal kurz auf den Bibelstoff znrückznkommen: In den alten Lehr- ^Plänen war eine Geschichtenanswahl bis zum Tode Jakobs nlld Josephs für das erste Jahr vorgesehen; im zweiten Jahr Wiederholung. Doch halte ich das nicht für richtig. Die - Kleincil sind noch so unverbraucht, die Geschichten dürften auf . die meisten so wirkeil, daß es im zweiten Jahr nicht schon einer Wiederholung bedarf. Einzelnes, wo man ergänzen will,'natürlich. Sucht man viele nnd gute Anschlnßstofse, so reicht im ersten Jahr die Zeit kaum ans. Ich denke, man stellt die Aufgabe für die Dauer beider Schuljahre und wiederholt zuni Schluß nur kurz. Uebeldies kommt ja im zweiten Jahr der hebr. Leseunterricht hinzu, der einen breiten Raum eillnimmt. Ich will gallz kurz auf den Fibelilnterricht eiugehell. Gewiß ist das Lesenlerneu llicht mehr mit deusebben Schwierigkeiten verkllüpst wie im Vorjahre im Deutschunterricht. Der Lallt an sich, das Zusalnnlenzieheü ist'nichts Fremdes. Die Schwie'üakeit ist eine rein äußere, das Erfassen und Behalten .neuer Zeichen. Man nmß also versuchen, auf dem schnellsten Wege zli einer gewissen Lesefertigkeit zu kommen. Aber trotzdem fehlt mir in den am meisten gebrauchten Fibeln etwas, so logisch und vom Leichten zum Schweden anfsteigelld sie auch allgeondnet sind. Da fehlt der Begriff, da fehlt das belebende Bild. Man kann sich helfen, indem man deutsche Wo'-te in hebräischen Buchstaben andruckt. Als sehr wertvolles Lehrnlittel, vor allern zum vielseitigeren Unterricht würde ich den hebräischeil Lesekasten für die Hand der Killder begrüßen. Ich glaube sogar, ihn fordern zu müssen. Wir haben keine, ich weiß auch llicht, ob sie anderweitig im Gebrauch sind. Ich laste auch, um Abwechslung in die langweiligen Le'eßuuden zll bringen, die Silben und Wörter von einzelnen Kindern in Deutsch an die Wandtafel schreiben, wählend die andern noch lesen' oder laste aüe aus der Fibel ans ihre Tafeln schreiben. Das alles erscheint nlir aber nicht aus'-eichend. Da wurde ich auf eine Fibelbesprechuilg von Georg Sawadp'aufmerksam nnd ließ mir die eingangs sehr gepnewlie Mo^iahsibel kommen. Sie hat mich jedoch sehr enttäuscht. Aul allmählich ansteigende Schlvierigkeit bei der A'.lswahl der Buchstabenformen ist gar keine Rücksicht genomnlen. auf der ersten Seite allein werden C. eiuge- ■' führt. Die Vokabeln siild in Form voll Bildern da nlld . sollen das Killd anscheinend sehr bald .mm Obertragen kleiner, kindliche''Stolie führen. Aber die Bilder! Einheitlichkeit besteht nicht. Neben vier oder fünf künstlerisch wertvoller, die aber bei sechs- bis siebenjährigen Kindern absolut . ni«bu auf Verständnis stostell werden, gibt es einige sehr bnlckche kiil-dertnmliche uild sehr viele abstoßende; verzerrte Gesichter, unnatürliche Tiere, alich technisch nicht einwandf-ei. aber das wäre wckil das Schlimmste. Daln kommt von Aulana an die Sch''e>bsch''ift lieben der Druckschrift und der Gedanke einer Art Svrechunterricht. dep mir die Fibel für lkilü"-e deutschen Volksschulen als gänzlich unbrauchbar .erscheineil läßt. Glegeu das Schreiben im zlveiten Schuljahr, Wenigstens ill den ersten zwei Tertialeil wende ich mich ganz entschieden. Man denke: die Kinder haben durchschnittlich in VA Jahr im Deutschunterricht vier Truckalphabete, dazu^ große und kleine Schreibschrift erlernt, sollen möglichst auch noch vor Ablauf des zweiten Schuljahres eine zweite . Schreibschrift erlernen. Dazu sollen nun.noch die schwieriger, hebräischen Drilck- und Schreibformen kommen? VCn welcher christlichen Schule überlastet mail ein Kind foV Es rächt sich später. Ich beute, die Druckschrift sollte uns genügen und fordere zu ihrer Befestigung nochmals Lesekästen. Wenn die Abrahamsche und Levyfche Fibel in einem Neudruck mit Bildern bekannter Fibelmaler'geschmückt und mit deutschen Wörtern neben den hebräischen auftreten, die durch ihre hällfige Wiederkehr oder markante Auswahl von den K indern erlernt werden können, aber nicht erlernt werden müssen, dann haben wir die brauchbare Fibel und der Anfang zunl hebräischen Arbeitsunterricht ist gemacht. e (Schluß folgt.) \ Geschichtsphilvsophische Delrachlung zum Verständnis der Ossenbarungsreligion. Eine Studie aus der vergleichenden Religionsphilosophie' Von Dr. B. M a y, Frankfurt a. M. (am Realgymnasium der Israelitischen Gemeinde). ü (Schluß.) ' . j Das Jude ntu m. j Zur selben Zeit als die Griechen die Mittagshöhe ihrer! Glanzzeit erreichten, im perrkleisclM Zeitalter, dem nur zw. bald die Wende nachdem Schatten folgen sollte, erlebte das' in Abhängigkeit von dem totbefiefjteu Persien stehende Palästina eine Regeneration, wie sie die. Weltgeschichte nicht wieder kennt. Diese Erneuerung, als eine Entwickelung zum Paria-Volke hin anszusassen, wie es Mar Weber in feiner Religionssoziologie tut, oder als einen Abfall zur Zivilich sation als Gegensatz zu einer voransgegangenen Periode der Kultur zll bezeichnen, wie es in Fr. Mückles Werke „Der Geist der jüdischen Kultur uifb das Abendland" der Fall :st. zeugt von Mißverställdnis uicb Kurzsichtigkeit den Tatsachen. des realen Lebens gegenüber. Das Mißverständnis mag bei beiden znrückznführen sein auf die falsche Mentalität, als ob die geistige Erneuerung, die bei dem indischen Volke auf eine Periode des Ringens eintrat und dort, theoretisch und i auch in der Auswirkung auf das Leben, nicht nur zu einer Zurückgezogenheit, einer Absonderung vou der Gesellschaft der' tätigen Völker des Abendlandes führte, sondern auch zu einem die Unruhe des abendländischen Schaffells und Strebens geradezil verachtenden religiösen Stoizismus in direkte Parallele zu seüen wäre mit der geistigen Erneuerung, die' um das Jahr 450, angeregt von Esra lind allss kräftigste gefördert von Nehemia, im kleinen Judäa vor sich ging.' ' Wenrl das, was unter Esra und Nehemia 'geschah, ei» . Hinabsinken ins Pariatum genannt werden kann, dann ist die ' Bewegung, die Lllther hervorgerufen, wir meinen jetzt nicht, bloß speziell die Reformation, sondern die Selbstbesinnung und das Konzentrieren der religiösen Kräfte und ihre Zurück- ■: Verlegung ans dem Gebiet des Weltpolitischen ms Religiöse, keine Fortenwickelnng, sondern eine. Staanation, ein Herab--, sinken gegenüber dem doch dem äußern Schein nach so intensiven religiösen Empfinden, das etwa die Menschen der Zeit der Krerlzzüge beherrschte. - - Worin besteht die Größe der Tat Esras, dieses zlveiten l Mose, wie der Talmud (Sanh. 2,1k) ihn nennt? Mitten " ans dem nioralischen Schlamm, in dem die Völker ringsum '' versanken, der auch die neue Kolonie — man denke an die '. Jahre .536-—400 — bereits stark infiziert hatte, riß er eine j Handvoll jüdischer Menschen, um sie moralisch gesunden z» ■ lasten, so stark werdell zn lasten, daß von ihnen moralisch: '