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Jüdische Schulzeitung · 1926-01-15 · 1 (15.1.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
1 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nummer 1 cbulzei 2. Jahrgang l GLUM Monatsschrisl für Pädagogik und Schulpolitik Heransgegeben vom „Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" Die ..Iiidiick'e CckiillZt'iiiiiig" eischeiiil N»I 15. || Hamburg, 15. Januar 102G fiiifSiebiMriVoiiniäimöwiiOrtlliMi Oi'itfllübmt j! - dor dem „'J'orluiiit'boc jiioi)cl)cn 1*1*1)rc> ooreuie jl Druck. V.-rlau und GeichüflsilelU-: imDeutjchen Relckie" mu.,eichlosseilen B»-leine :: onttn,nnn 9i'JU?.{Sfrn&i» r,7 kosienlos zinse,lellt. - Post-BezugspreiS für j M. Letzmann, Hamburg, ABU Stratze ^7. N i ch t Mitglieder: Alk. 1.20 pro Quartal, jj Fern>precher: Elbe 70lO, 701 l, Vulkan 808:i. Berantivorllikh für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt- Mägden» i g, für den Jnierule»t, il: (L. Loos, Hamburg.. Anzeigenpreis 40,) für die ^gespaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser N u m ntcr: Der Arbeitüschnlgedanke im Religionsunterricht der Grundschule, von Cillh Marx, Uöln.' Geschichtsphilosophische Betrachtung zum Verständnis der Offenbar,rngsreligion, von Dr. B.Ma y, Frankl urt a. M. Psychologische Studie», von I. Wormser, Hauptlehrer, llehlseld. Ansprachen beim Jngendgottesdienst (0. Dankbarkeit), von Rabbiner Dr.G o 11 f r() a l k,Berlin. VereruSberichte. Literarisches« Ei »gegangene Bücher. Der ArbeilsschulgeSanKe im Religionsunterricht Ser Grundschule. Referat gehalten auf der jüdischen Lehrertagung, Köln, Pfingsten 1025, von Lilly Marx, Köln. Irgendwo habe ich -einmal gelesen vom dauernden „seelischen Sonnenschein". Ich möchte es umändern in ein dauerndes seelisches Leuchten, sonst könnte -die Meimtng auskommen, jede Religionsstnnde müßte zu einer frohen Feier werden. Und mit diesem Leuchten hinein in die Rcligionöftnnde unserer Unterstufe. "Alles Häßliche, aller Lernzwang, jede Strafe bei Nichtkönncn — es darf gar kein Nichtkönnen geben — ans dem Religionsunterricht heraus. Nur Erlebelt inib Tat oder Erleben und Nachleben. Es ist heute schon oft gesagt worden, über ich betone cs noch einmal — und nirgends muß das Erleben stärker fein als bei den -Kleinen, deren Begriffe noch so gänzlich ungekiärt sind, die aber so bereit sind, Eindrücke zn empfangen. Mag es auch im erstell Jahre Gesamtunterricht heißen, mag auch das religiöse Moment überall mitsprechen, die Religionsstunde als solche muß ihnen eilt Besonderes sein, Freude unld Erwartnng müssen ihr voran gehen, stärkste Regungen des Gefühlsiiii’b Willenslebens sollten ihr folgen. Ich will hier keine streng wissenschaftlichen Gedanken bringen; ich möchte Ihnen nur-einen kleinen Ausschnitt ans meiner Pmxis gebeil, gewiß llichts Maßgebend?^. Wir tasten ja alle, itnd eine Norm, ein stärres System ist kaum möglich, haben wir doch auch der: Wechsel tm Aiaterial, haben wir es doch mit Lebendigein zu tun. Ueber deii Arbeitsschnlgedanken an sich brauche ich nicht mehr zll sprechen. Was er lvill, und daß er seine Berechtigung in Verbindung mit dem jüdischen Religionsunterricht hat, ist geilügend betont lllld bewiesen worden. Doch wenn ich von seiner Anwendnng ailf der Unterstufe reden will, muß noch einmal krtt-z angedeiltet werden, worin die Möglichkeit und Notwendigkeit des Religionsunterrichtes bestehen, wieso alles dahin drängt, ihn dem Kinde icnd gerade dem kleinen Kinde zukommen 511 lassen. Da sind schon in frühester Jugend das Bewußlwerden des Jchs, die Stellung zu den Eltern und anderen Menschen, die dadurch hervorg'obrachte Willensbeeinslussung. Wesentlicher sind die Einwirkungen >der Naturereignisse^ Hell und Dunkel, das die meisten' ängstigende Gewitter, die Schöliheit eines Nachthimmels. Dazu kommt der der Mehrzahl der Kinder eigentümliche Hang znm Ucbersinn. ' lichen und Wunderbaren. Märchen und Sagen liegen ihm. so, daß der Phantasie sogar Grenzen gezogen werden müssen, ohne das Kind dabei zu verletzen oder es in seiner Phantasietätchkeit völlig einschränken zu wollen. Ferner wirken noch andere Erfahrungen der ersten Lebensjahre mit. Auch dir Eltern sind zuweilen unfähig zlim Handeln, es sieht doch wohl in den meisten Fällen, daß sie sich in irgendeiner Weist einer höheren Macht beugen, es erfährt am eigenen Leibe seine Hilflosigkeit bei Krankheiten und dergleichen. Auch das Bewußtsein eines begallgenen Unrechts brillgt das 4—^jährige znm Nachdenken. Ans all dem ergibt sich wohl bei den meisten Kindern die Anlage des religiösen Gefühls und das Bedürfnis, hier zu erfahren, hier fortgebildet zn werden. — Und nun an die Arbeit selbst: Wie und wann soll man anfangcn? Die Kinder haben fast alle einmal vom lieben Gott gehört, sie können fast alle ein Gebetchen, das eine Bitte, , einen Dank an den lieben Gott ansdräctt, aber bei den meisten ist es ein rein mechanisches Nachahmen, Nachsprechen, ohne Klarheit, ohne Warum. Und nun? Soll man auf ein besonderes Ereignis warten? Soll man die Kinder an Schönstes in der Schöpfung heranführen? Ich glaube, der letzte Weg ist der beste. Gerade unsere jüdischen Kinder sind vielfach noch heute der Natur entfremdet. Wir müssen sie znm Erleben Gottes in.der Schöpfung herausführen. Das Wertvolle des Zusammentreffens vom Neuerstehen der Natur und dem Schulansapg erscheint mir gerade dazu geschaffen, mit den Kindern die Schöpfungsgeschichte zn behandeln. Dir Schöpfungsgeschichte! Es ist viel darum gekämpft worden, im anderen Lager noch mehr als bei uns. Es regnete Worte lvie „zn schwer, zu abstrakt, zn fernliegend, ohne Personen, ja ohne Handlung" hörte ich einmal! Ohne Handlung! Die Schöpfungsgeschichte!!! Ich selber muß bekennen, daß ich früher einmal Gegner war. Die Gründe dafür sind mir gänzlich entfallen, vielleicht weil es gar keine stichhaltigen gibt. Heute gehört die Schöpfungsgeschichte mit zu den Li'cblingsftoffen für meine Kleinen, (Yewiß ist sie als etwas Un- - veränderliches zn behandeln, als Tatsächliches, obwohl doch die Phantasie bei den Kindern die Hauptrolle spielen will. ' Doch wer muß sich auf der Unterstufe an den Wortlaut der Bibel oder der auch selten ganz kindertnmlich gehaltenen biblischen Geschichte klammern? Die Schüler haben kein Buch'in der Hand; sie können noch nicht wie ans der Oberstufe Quellenarbeit treiben, sie sollen das Buch nach Möglich-- keit nicht vor dem 3., vielleicht erst iw 4. Schuljahr bekommen. Die Lehrererzählung ist bei den Kleinen Alles. Sie mich so sein, daß das Kind atemlos lauscht, daß das stärkste Gefühl . von selbst ansgelöft wird, daß es zuletzt trauert oder jubelt, Beklemmung oder Erlösung mitempsindet. das Geschehen, Werden und Wachsen miterlebt und mitwächst.

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