Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 1 (15.10.1925)
- Date
- 1925-10-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nummer 1 MonalsschrisL jüt Pädagogik und Schulpolitik 1. Jahrgang Herattsgcgebeu vom „Verbände der jüdische» Lehrervereine im Deutschen Reiche"-' Die „Isldiscbe Echiilzeiliiiig" erscheint am 15. eineöiedeiiMliiialslind wirk» allen Mitgliedern der dem „Berdaud der jüdischen ^ehrervereiile im Deutschen Neiche" ainieschlassenen Vereine koslenles amu’itellt. — Post-Bezagspreis für Nicht Mitglieder: Mk. -t.S'tt pro Quartal. Hamburg, 15. Oktober 1025. Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Letznia«»u, Hamburg, AB(s-Straße 57. Fernsprecher: Elbe 7010, 7011, Vulkan SO,SO. Berantivortlich für den redaktianellerl Teil: M. Steinhardt- MagdeluitjU für den Fnserutenteil-. E. L c> ns, Hamburg. Anzeigenpreis 10 4 die '.'gespaltene No»pareille..;rile. I nhalt dieser N u m m e r : Zum Geleit, von H. Stern, Berlin / Zur Frage der Bildung jüdischer Lehrer, von Dr. Gutmann, Berlin. Die Ausbildung des jüdischen Lehrers, Kantors und KultusbeamM, von I. B. Levy, Frankfurt am Main. Mitteilungen derSchriftleitung / AnsprachenbeimJugendgottesdienst (l. Verträglichkeit), von Rabbiner Dr. Gottschalk, Berlin / Vereinsbericht / Eingegangene Bücher. Zum 6eteil/' Von H. Stern, Berlin. Fünfnlldzwanzig Jahre sind seit der Gründung unseres Verbandsorganes verflossen. Was die „Blätter für Erziehung und Unterricht" in ihrer unvollkommenen Gestalt leisten konnten, haben sie unter der hingebenden Leitung Steinhardts vollauf geleistet: sie waren ein Sprachrohr für unsere Leiden und Forderungen, ein um erbittlicher Mahner des jüdischen Gewissens, das Binde glied zwischen Beamtenschaft und Gemeinden. — Doch die gestatte unserer geistigen, vor allem päda - gog. scheu, Interessen sind sie nicht in dem Maße geworden', wie es wünschenswert gewesen wäre. Es soll heute nicht untersucht werden, inwieweit die Ursache in den Verhältnissen, inwieweit sie im Mangel an Arbeitssreudigt'eit bei unseren Kollegen zu suchen ist. Die bedauerliche Tatsache selbst kann nicht geleugnet werden, und s.eräde die Besten unter uns haben unter diesem unhaltbaren, für eine Vereinigung geistiger Arbeiter unerträglichen Zustand gelitten. Diesem Mangel soll nun die „Jüdische Schnlzeitung" abhelscn? lindem sie ergänzend neben die „Blätter für Erzieharig' und Unterricht" tritt. Während diese weiterhin du Verbindung mit der jüdischen Oessentlirhkeit Herstellen nuo der Auseinandersetzung mit den Gemeinden und Organisationen dienen soll, wird unsere neue Monatsschrift vornehmlich^ der Jnnenarbeit, also vor allem der W ä i .cgogik, aber auch der Aussprache über s ch u l - .politische Fragen, die für die Oefsentlichkeit noch Micht spruchreif sind, gewidmet sein. ' Es läßt sich nicht'leugnen, daß die Pädagogik bei stns ins Hintertreffen geraten ist. Gewiß fehlt es auf i irrem Gebiete des jüdischen Religionsunterrichts an .'Mn Gedanken wie an Ansätzen zu fruchtbringendere Arbeit. Aber es fehlt die. u in fassend e. w i s s e n - f.haftliche Grundlegung, die Klarheit des Zpels, die Ucberficht über die Wege, die Einheitlichkeit des Wollens und Tuns in der Gesamtarbeit — Notwendigkeiten, ohne .die eben keine Gemeinschaftsarbeit gedeihen kann. Jeder meint,, sagt und tut, was er für richtig hält, ohne daß.!er sich mit dem anseinandersetzte, was andere vor und neben ihm gesagt und getan haben. Darum ist auch keine Entwicklung in der Pädagogik des Ir-» dentums wie in der Methodik der R e t i - .g ionsschule zu erkennen. Die Ursache für di:se Atomisierung der Religivnsschul-Arbeit darf man wohl in der folgenschweren Tatsache suchen, daß die Masse der Religionslehrer den innigen Zusammenhang mit der Erziehungswissenschaft verloren hat. Der mächtige Strom der neuzeitlich-!» Pädagogik rauscht an der jüdischen Religionsschnle vorüber, und kaum, daß hin und wieder eine besonders Hose Woge ihre Spritzer in die Schnlstnbe schickt. Es genügt, seit langem aber nicht mehr, daß der Religwnslehrec ein guter Jude, ein gründlicher Kenner des jüdischen Schrifttums ist, auch nicht, daß er einmal seine Bildungsstätte wohlausgerüftct mit allen pädagogischen Hilfsmitteln von damals verlassen hat: er muß in und mit der Gegenwart leben, er muß ein guter Beobachter der Kindesseele sein und die -Hilfsmittel zu ihrer Erforschung zu gebrauchen wissen; er muß Verständnis haben für die Ideen und Ideale der Jugendlichen, für die Seelenkämpse des um seine Weltanschauung ringenden Menschen und nicht zuletzt für die Grenz > kämpfe zwischen Religion und Wissenschaft. D arnm ist es erste und hoch ste An sg ab e der „ I ü d i s ch e n S ch n l z e i t u n g ", d a s B a n d zwischen Pädagogik und Religionswissenschaft einerseits und Religionsunterricht anderseits fest zu knüpfen und diese Verbindnng sor gsam zu pflegen; alle Regungen und Strömungen unserer suchenden Zeit zu verfolgen und, soweit sie unserer Arbeit von Nutzen sein können, auszuwerten. Dabei dürfen wir wohl hoffen, daß durch die eindringende Beschäftigung mit den pädagogischen und Lebensproblemen der Gegenwart wir jüdischen Lehrer nicht nur die Empfangenden sein, sondern zur Fortentwicklung der Pädagogik wie zur Pflege des jüdischen Lebens das Itufrtgc beitragen werden. Daneben sollen und werden natürlich auch die außerhalb der Schule liegend^ Aufgaben des jüdischen Lehrers — die ka nto r a l e n - Homilet i scheu, der I u - g endpflege — ihre"Würdigung finden. Nicht zuletzt auch die schm lpoliti sch en und sozialen Fragen, die gerade in der Zeit des Neu- und Umbaues beständige Aufmerksamkeit und eingehende Besprechung verlangen. Die Gründung unserer Monatsschrift war kein leichtes. Werk. Daß es gelangen ist, danken wir nicht zuletzt dem Entgegenkommen unseres Verlegers, des Herrn M. L c ß m a n n in Hamb u r g. — Was mm ans dem neuen Organ werden wird, liegt in den Händen