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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 313

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 313 (sequence 64)
Language
German
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gesichter gewesen. Das Gesicht von Völkergemeinschaften ist nichts, wenn es nicht Einzelgesicht ist. 3. Das fehlende Wort Also in einer Geschichte, die wie ein Traum beginnt und erst am Schluß den Glauben an die Wirklichkeit bekennt, fuhren wir zur Höhe der Zitadelle von Kairo und genossen programmäßig den „schönen Blick auf die Stadt Kairo". Ein hochgewachsener Araber führte und erklärte. Er war eine Zeitlang in Deutschland gew esen und konnte recht gut deutseh reden. Wir waren vorher in der Azar-Moschee, dieser wundersamen Einheit von Gebetshaus und Universität. Waren durch die großen Scharen der Studenten gegangen und waren bei manchem Professor stehengeblieben, der turbangeschmückt an einer der dreihundertundachtzig Säulen sitzend, seine Zuhörerschar schon um sich gesammelt hatte. Da verriet einer unserer Reisegefährten dem Führer, daß auch ich ein Professor sei. Seitdem hielt sich der Führer hart an meiner Seite und war voll rührender Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit zu mir. Noch als er zur Stadt gewandt war und auf einzelne Sehenswürdigkeiten hinwies, machte er für mich eine kleine, schier unmerkliche Handbeweguno; nach dem Süd- 7 c? c? westen. Schon hatte auch meine liebe Anka das wunderbare Bild entdeckt. Es war wie eine Morgenröte oder eine Abendröte am Horizont. Wie Spitzen zurückkehrender Sonnenstrahlen die fernen Pyramiden, und dann wie ein weites goldenes Meer die Wüste. Anka nahm mich bei der Hand, und wir gingen an die mit Eisengitter erhöhte Mauerumfriedung des Platzes. Wir wollten in diesem Augenblick ganz allein miteinander sein wie in manchem Heiligtum, das wir unterwegs besuchten. Es gibt kein Wort, das ähnlich wie das Wort Anbetung die Stellung oder Lage oder Niederlage oder Auferstehung vor Gott, so auch die Stellung des Menschen vor den großen Erscheinungen der Erde, zum Beispiel vor den zum Himmel ragenden Gipfeln der Alpen oder vor dem weiten Meer oder vor den Unendlichkeiten der Wüste kennzeichnen könnte. Die Menschen begnügen sich entweder damit, daß >ie den Eindruck unsagbar oder unaussprechlich nennen, oder wenn sie doch von der Macht der Erscheinungen in die religiöse Höhe ihres \\ esens getrieben werden, weichen sie geschickt aus, indem sie die stärkste Eigenschaft der Erscheinung rasch als Symbol ansprechen, damit das, was sie erleben 313

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