Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
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Unverkennbar nimmt die Bedingtheit der Menschen von den „Verhältnissexi" im Gang dieses Zeitalters zu. Nicht nur die absolute Masse der sozialen Objektiva wächst, auch ihre relative Macht. Als der durch sie Mitbedingte steht der Einzelne in jedem Augenblick vor dem Weltkonkretum. das sich ihm zureichen und von ihm Entgegnung empfangen will, situationsbcladen begegnet er den neuen Situationen. Und dennoch, in all der Vervielfältigung und Verflochtenheit ist er Adam geblieben: immer noch entscheidet es sich real in ihm, ob er der in den Dingen und Begebenheiten sich manifestierenden Rede Gottes an ihn standhalte oder sich entziehe. L nd ein geschöpflicher Blick zum Mitgeschöpf kann zuweilen der Antwort genug sein. Die soziologische Bedingtheit des Menschen wächst. Aber dieses Wachsen ist das Reifen einer Aufgabe, nicht im Sollen, sondern im Dürfen und Bedürfen, in Sehnsucht und Gnade. Es gilt, der pantechnischen Sucht oder Gewöhnung zu entsagen, die mit jeder Situation „fertig wird"; es gilt, jede, von den trivialen Mysterien der Alltäglichkeit bis zur Majestas des zerstörenden Schicksals, in die dialogische Gewalt des echten Lebens aufzunehmen. Die Aufgabe wird stets schwerer und stets wesenhafter, die Erfüllung stets gehemmter und stets entscheidungsreicher. All das geregelte Chaos des Zeitalters w artet auf den Durchbruch, und wo immer ein Mensch vernimmt und erwidert, wirkt er daran. 222