Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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daraus, daß wir erst einen Umweg über die Vergangenheit machen müssen und weit entfernt sind vom Gegenwärtigen? Gerade von der Kirchengeschichte sagt Schmidlin, ein Wort aus dem letzten Jahrbuch für die evangelischen Landeskirchen Deutschlands aufnehmend: „Die Kirchengeschichte machte in ihrem akademischen Betrieb respektvoll Halt vor der Gegenwart und legte zwischen sie und ihren eigenen Ablauf eine fast hundertjährige Isolierschicht.64 Diese Isolierschicht, waren das nicht etwa wieder die Cherubim mit dem flammenden Schwert? Nur die Dogmatiker haben da keine Schmerzen. Sie schreiben dicke Traktate und vielbändige Werke „De ecclesia". Schier keine Frage bleibt ihnen unbeantwortet, schier kein Rätsel ungelöst. Sie kommen von ihren obersten Prinzipien her. Sie haben ihre Wissenschaft vom Himmel und aus den höchsten Reichen des Geistes, aus unerbittlich strenger Logik und — scheinen gar nicht zu ahnen, wie weit der Weg noch zum wirklichen Ding ist. „Was der Himmel befiehlt, hat auf Erden zu geschehen;"* was logisch richtig gefolgert ist, das müsse auch so da sein auf der Erde. Ich will nicht dagegen streiten; ich will nur sagen, daß von diesen Reichen aus der Weg zum wirklichen Ding sehr weit ist; will es nur als Beispiel dafür bringen, daß wir von oben ausgehen und erst ganz langsam zu den Dingen selbst kommen und daß wir ihnen die von oben mitgebrachten Bilder aufzupressen versuchen und uns den Zugang zu ihnen oft ganz unmöglich machen. Ich möchte sprechen wie der Schlegler Einsiedler: daß wir von Gott ausgehen; es ist aber immer unser Gott, der Gott, den wir uns denken, und das kann auch ein Götze sein. Auch vor dem wahren Gott stehen Cherubim! Von unserem Hause aus quer über den Langen Grund gesehen, steht an Schneiderbauers Wege eine alte, schöne Kiefer, die ebenso wie die herrliche Buche am Nordrand des Busches, ein groß Stück we ite r dem Hofe zu, von dem alten Schneiderbauer bei seinem Sterben dem jungen zu Schutz und Schonung heilig anvertraut worden ist. Mit diesem Baum ist etwas. Oft wenn ich an ihm vorübergehe, hält er mich an und tut einen Bann über mich. Als ob unter seinen beitragenden Asten die Liebe wohnte c? und den Durchgang durch ihr Schloß und ihren Garten ollen hielte, so ist es. Es ist auch wie eine Rede, aber mit Menschenworten nicht wiederzugeben. Es ist nachher, als ob ich an einem Tisch mit wunderbaren 147