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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 60)
Language
German
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Und ohne schon hier auf das heutige Geltungsmaß der bisherigen kirchlichen Verurteilungen und Verbote eingehen zu müssen, dürfen wir sagen: die gemeinsamen öffentlichen Nöte inmitten einer allseitig brüchigen und krisenhaften Gesamtordnung schließen uns mit der proletarischen Arbeiterschaft in ihrer vollen Tatsächlichkeit und Fragwürdigkeit so eng in einen gemeinsamen Ring der Mitverantwortung und der gegenseitigen Hilfe ein, daß wir mit dem unentwegten „Enthalte dich!" der Kirche nunmehr unser Gewissen nicht mehr entlasten können, wie es die Vorkriegsgenerationen der Katholiken vielleicht noch tun durften. Aus dieser selbständigen, christlich-welthaften Verantwortung für das öffentliche, das volkliche und staatliche Leben ersteht uns Katholiken mit neuer Kraft die Frage: Darf und kann ich mich als Katholik - d. h. nicht nur „privatim" nebenbei, sondern gerade als Glied der Kirche - heute der sozialistischen Bewegung anschließen? Ist also der frühere prinzipielle Gegensatz von „Christentum und Sozialismus", der auch praktisch im Vordergrund stand und die Stellungnahme der Kirche und der Katholiken bestimmte, wenn nicht erledigt, so für unsere Frage wenigstens nicht mehr zentral und deshalb für die Antwort nicht mehr von ausschlaggebender Bedeutung? Uns bewegt zu dieser Frage keineswegs der politische Wille, für die sozialistische Bewegung einzutreten oder zum Eintritt in sie zu veranlassen: Die politische Entscheidung liegt für jeden von uns auf einer anderen Ebene als unsere Frage und Antwort. Wir wollen lediglich an einem konkreten aber beispielhaften Fall für uns katholische Laien den Raum politischen Wirkens freilegen, der unserer eigenständigen Verantwortung oder Mitverantwortung anvertraut ist. Es sollte nicht nötig sein, besonders zu betonen, daß die Antwort, wenn sie auch für den katholischen Arbeiter gesucht wird, so doch nicht für alle, sondern nur für die bestimmt ist, in denen die Frage und ihre Not brennt. Nun soll nicht verkannt werden, daß unsere Frage, ob der Christ sich in der sozialistischen Bewegung, also in Deutschland etwa in der Sozialdemokratie und in den freien Gewerkschaften, einsetzen dürfe, für den Katholiken durch die Entscheidungen des kirchlichen Amtes seine besonderen Schwierigkeiten hat. Trotzdem ist es auch für uns bedeutungsvoll, daß diese Frage von zahlreichen evangelischen Pfarrern und Laien, auch von solchen kirchlich-dogmatischer Gläubigkeit, bejaht und durch 428

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