Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 101)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber das ist noch nicht alles. Denn ebenso, wie sich vor der Entfaltung des Großhirns der Nasal- und Hypophysensinn miteinander anlegen, geht es auch mit zwei anderen Organen auf der dorsalen Gehirnseite: dem Pineal- bzw. Parietalorgan und der Paraphyse (Fig. 2). Sie sind beim höheren Tier, beim Säugetier heute noch vorhanden, sind aber ebenfalls, wie die vorbeschriebene Hypophyse, ins Innere der inzwischen entfalteten Großhirnmasse verlagert und haben die Funktion übernommen, Sekrete auszuscheiden, die wahrscheinlich einerseits mit der Geschlechtssphäre, andererseits mit dem Größenwachstum und der intellektuellen Ausreifung in Beziehung stehen. Bei niederen Landtieren, wie Amphibien und Reptilien, liegen sie noch mehr außenseitig und legen sich auch beim Säugetier und Menschen embryonal noch so an. Im frühesten Zustand sind sie gegenüber dem Großhirn selbständige Bildungen. Bei jetztweit lichenReptilien, wie Eidechsen, Blindschleichen, Chamäleon und einer altertümlichen, noch aus dem Erdmittelalter stammenden Echse auf Neuseeland, steht nun das Pineal- und Parietalorgan noch in Beziehung zu einem augenartigen Gebilde, das zwischen den Scheitelknochen in einer unpaaren Öffnung, dem Foramen parietale liegt, bei den genannten Formen zwar etwas rückgebildet und von einer dünnen Haut bedeckt, aber unzweifelhaft als Auge erkennbar (Fig. 3). Dieses pineale oder parietale Scheitelauge ist besonders bei erdgeschichtlich frühen Reptilien und Amphibien voll entwickelt gewesen, wie man an fossilen Schädeln (Fig. 4) nachweisen kann. Die Säugetiere hatten es vielleicht nur noch am Anfang ihrer bis jetzt unbekannten frühesten Entwicklung in der Erdgeschichte, später aber sicher nicht mehr. Bei allen den genannten lebenden und fossilen Formen ist nur die eine Öffnung im Schädeldach dagewesen, die nach Analogie mit den Lebenden ein augenartiges Organ war. Es gibt aber im Erdaltertum noch fremdartigere Tierformen, Wirbeltiere, und zwar fischartige, gepanzerte Gestalten, welche drei Öffnungen auf dem Schädeldach hatten (Fig. 5), hinten die unpaare Pineal- oder Zirbelöffnung, vorne eine gleiche unpaare Öffnung, die man ungezwungen auf die Paraphyse beziehen kann, wenn man deren Lage in Fig. 2 damit vergleicht; zwischen beiden Öffnungen aber liegt noch eine paarige oder wenigstens zu paariger Ausbildung neigende, gestreckte Queröffnung, 349