Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Lebensinhaltes mit der verborgenen Einheit des Lebensaktes, Die Glockenklänge dieser Einheit, die Klänge der Höhe und der Tiefe, möchten wieder neu ineinanderklingen, sie alle, auch die verschüttet und versunken waren. So entdeckt der reifende Mann in seiner Bru«t die vergessenen und doch nicht verlorenen Gründe der Kindeseinfalt, so ahnt er das Unvergängliche ihres Sinnes. Nicht, daß er darum den Blick jetzt abwendete von dem, das vorne ist, vom Ziele des Manneswillens in der Einheit und Klarheit des Ideals, - aber während das Auge in die Ferne gerichtet bleibt, beginnt zugleich das Ohr hineinzuhorchen in die Tiefe, dorthin, wo es neu in ein and erklingen möchte, und wäre es nur mit einem schwachen, zagen Rest von Einklang und Fülle. Und ein Ahnen beginnt ihm aufzugehen, wie in solchem Ineinanderklingen der tiefste Grund und die tiefste Kraft liegen könnte auf für jenen Einklang, der in der starken Einheit und klaren Eindeutigkeit der Manneseinfalt bisher allein ihm groß erschien. So zieht es ihn, mitten unter seinem Sich-Strecken nach dem vorgestecktem Ziele, mehr und mehr auch in die Stille des Aufhorchens, des In-sich-Horchens auf verklungene und neu erklingende Akkorde: es zieht ihn zur „Andacht", Das Zusammenfassen der Kräfte in eins, der Mystik bleibender Teil, wird ihm so groß wie jenes Vorwärtsdringen. Er fühlt und er erfährt es, wie die Wucht jenes Vorwärts am höchsten sich erhebt über jener Stille. Wir sahen, wie bloße Klarheit, wie das Schwingen der helleren, oberen Töne allein die Seele mit Flachheit bedroht. Es ist solch Zusammenfassen der Kräfte, das der Einfalt ihre Tiefe rettet, Manneseinfalt vor den Sandbänken der Aufklärung bewahrt. Dem Frühling des Werdens und dem Sommer des Reifens aber folgt der Herbst der vollendeten Reife. Wenigen nur steht es zu, von ihm zu zeugen. L nser Reden von ihm mag drum ein Fragen bleiben. Dürfen wir unsere Linien des Weges doppelter Einfalt noch weiter verlängern in der Richtung, die wir sie bis hierher nehmen sahen? Wenn wir's dürfen - und ehrwürdige Stimmen scheinen uns zu ermutigen: dann ist Reife Wiedergeburt der vollen Kindeseinfalt, deren Spuren wir ahnend nachgingen. Dann ist sie die volle Wiedergeburt des Kindes in der Mannesseele, der Kindeseinfalt in Einheit der Kraft und Unmittelbarkeit der Bezeugung, doch ohne die Weltunwissenheit der Naivität. Das war ja der Sinn des Mündigwerdens, daß der Mensch seiner selbst und der Welt in Klarheit 278