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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
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tig. In diesem Berufsleben bewährt sich nun die Sittlichkeit des Einzelnen, seine Moral. Das Reich der Wirtschaft ist also auch das Reich der Sittlichkeit, wie man seit Schleiermacher es nennt. Luther sagt: das des Gewissens. Das ist das Bereich des Einzelnen, der seinen Berufsauftrag sittlich gewissenhaft erfüllt. Die Summe dieser Schlagworte schafft, was wir heute nennen: die Gesellschaft. Durch die Freiheit der betätigten Berufe wird die Wirtschaft der Individuen aufgebaut und erzeugt. Aus ihnen bildet sich die moderne gesellschaftliche Ordnung. Die Gesellschaft ist gleichsam die Summe all der Freiheistkräfte. Dem gegenüber ist der Christ auch gebunden unter das Gesetz. Er ist jedermann Untertan. Es ist dies das Reich, in dem er den leidenden Gehorsam schuldet, das Reich der Obrigkeit und zwar der weltlichen Obrigkeit. Es war die Tat der Reformation, daß sie das Gesetz entklerikalisierte. Das Gesetz ist bloß weltliches, d.h. religionsloses, äußeres Gesetz; aber es verpflichtet. Diese weltliche Obrigkeit verkörpert sich in der Zeit der Reformation in der Person des Fürsten. Der Fürst ist der Gesetzgeber der äußeren Welt, während das Reich der Sittlichkeit, des Berufes ,,,innerlich" bleibt. Der Hausvater oder Handwerker schuldet niemandem Rechenschaft für sein Tun im Haus und Beruf. Draußen aber ist der Fürst der Gesetzgeber; man schuldet ihm den Gehorsam. Es ist ein Reich nicht der Wirtschaft, sondern hier spielen die Begriffe Krieg und Frieden hinein, Polizei und Recht, etwas wofür die Obrigkeit zu sorgen hat und das den Einzelnen, den Untertan, den bloßen Christenmenschen nichts angeht. Es ist eine Arbeitsteilung eingetreten zwischen den beiden Bereichen. Und in dem äußeren Bereich ist die Art, wie der Einzelne nun verpflichtet wird, das kahle Recht, hier wird nicht geschuldet freie Liebe und Liebesverpflichtung, sondern der Gehorsam. Selbst die Liebe ist hier „Gebot66. „Lieben sollt ihr mich66, prügelt Friedrich Wilhelm I. Es handelt sich um das Reich des Rechtes eben nach dem sündigen Stande des Lebens, um die Pflichten der Untertanen. Die Summe dieser Pflichten und Rechte ergibt in langsamer jahrhundertelanger Entwicklung und Auseinanderspaltung die Ordnung des modernen Staats. Dabei ist es gleich, ob der Gesetzgeber ein Fürst ist oder ob, wie in der Demokratie, die millionenköpfige Gesamtheit des Volkes dazu wird. Demokratie oder Monarchie sind Dinge von untergeordneter Bedeutung. Beide sind Außenwelt gegenüber meinem Gewissen und Blut. 162

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