Mannheim
Compact Memory

Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 36

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2823768-2823775-2823778--0656-2824605
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

EUGEN ROSENSTOCK: KIRCHE UND ARBEIT Eine Rede1) Wenn heute in Deutsehland Mensehen zusammenkommen, geht es immer um das Wiedergewinnen der Ruhe. Die Bewunderung für die Betriebsamkeit ist aus unseren Herzen gewichen, aber nicht aus den Muskeln* Die wenigsten Menschen wissen sich zurückzuziehen aus dem Getriebe. Wie ist die Arbeit über das ganze geistige Leben und auch über die Kirche doch Herr geworden! Es ist mir heute nichts daran gelegen, über die Arbeiterbewegung zu sprechen; ich möchte die große Zeitwende und Zeitnot der Arbeit aufrollen. Um die Einsamkeit und die rechte Forschungshaltung zu gewinnen, ist es nötig, daß wir alle Schlagworte aus der Arbeiterbewegung und Arbeiterrevolution und aus dem Gegensatz der Arbeiterschaft zum Staat beiseitelassen. Ich bitte Sie festzuhalten, nicht von der Arbeiterbewegung, sondern von der Arbeit als solcher spreche ich. Ich glaube, daß die Arbeitsfrage, wie sie uns allen menschlich zu schaffen macht, nicht gelöst werden kann ohne Theologie und Kirche, aber auch umgekehrt, daß ohne eine Begegnung mit der ganzen Tiefe der Arbeitsfrage, mit der Arbeitsfrage in ihrem ganzen Umfang, Theologie und Kirche aus ihrer Unfruchtbarkeit nicht erlöst werden. Arbeit auf der einen Seite und Kirche auf der anderen Seite müssen sich begegnen. Es ist schon in den verschiedenen sozialen Bewegungen innerhalb der Christenheit die Arbeiterschaft der Kirche wiederholt begegnet. Da sind die religiös-sozialen, die christlich-sozialen, die kirchlich-sozialen, und wie die Bewegungen alle heißen mögen, die immer eine Begegnung einer besonderen notleidenden Schicht des Volkes mit der Kirche darstellen. Aber es müssen sich nicht nur Arbeiter und Kirche, sondern noch viel mehr Kirche und Arbeit treffen. Weshalb reicht das Treffen der Kirche mit den Arbeitern heute nicht aus? Ist denn die Glaubenslehre nicht die einzige Quelle, die um den Segen der Arbeit weiß? Nur in der Bibel wird die Arbeit, die stumme, die untheoretische Arbeit, die tagaus, tagein getan werden muß, ohne alle Philosophie und Weltanschauung, nur in der Bibel wird sie verklärt. ') iJie Rede warch auf der Pastorenfreizeit des Schlesischen Verbindes vW mgelischer Arbeitervereine gehalten. 158

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.