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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 81

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 81)
Language
German
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lineare Männchen in klar markierten Stellungen der Arme und Beine; Kopf, Hände und Füße sind farbig, die Farben ändern sich innerhalb eines jeden Buchstabens. Die Strichmännchenalphabete werden immer lebendiger, beweglicher, schließlich sind es tanzende Menschen in kräftigen und zarten, nicht realistischen Farben. Wulf erklärt mir etwa: „Die Worte, wenn sie allein sind, sind tot, da ist gar nichts drin. Wenn man einfach sagt: Baum, dann ist das noch nichts, erst wenn man sagt: der Baum ist hoch und knorrig, und man betont manche Worte oder Silben, dann ist das Wort lebendig, dann ist es, wie wenn es sich bewegt und Farbe kriegt, und man kann das immer ändern, wenn man es anders sagt. Mit den Buchstaben ist es so: Wenn man A sagt oder o o 0 oder M ganz langgezogen, dann wird's einem immer anders dabei, man fühlt immer was andres; die Buchstaben sind lebendig, die können allein sein, und wenn sie sich nebeneinander steilen, können sie immer neue Worte machen. Und es gibt Worte, wo man froh dabei wird, wenn man sie sagt, oder traurig; und wenn man einen Satz sagt, ist man dann auch traurig dabei oder froh oder ruhig, das kommt von den Buchstaben, und das kommt auch noch davon, ob man laut oder leise redet und betont. L nd wenn man das malt, dann sind die Buchstaben wie Menschen, die sich bewegen und farbig sind, und so ein Satz ist so, wie wenn Menschen sich bei den Händen anfassen und tanzen. Und wenn man einen Satz gesagt hat oder c? r> gehört hat, dann ist in einem so ein Gefühl von den Worten, wie ein Hintergrund, wo die Worte drauf tanzen; und wenn man einen Satz malt, dann gibt's auch immer ein richtiges Bild/; So entstanden etliche Bilder und diese Erklärung war schnell und vorwurfsv oll hingesagt, als ob jeder Mensch dies wissen müßte. Ganz in dieser Richtung geht seine Arbeit wei- C7 O ter; er zeichnet peinlich genau götzenartige, bewegte Menschen, kombiniert sie in einem „Kultusstab", schnitzt diesen Stab aus Holz und sagt: „Wenn alles richtig geht, muß man jetzt mit dem Stab zaubern können, da muß man die Menschen verzaubern und bezwingen können." .Jetzt zeichnet Wulf eine Schlacht, dabei interessiert er sich für die historische Genauigkeit der Waffen, Rüstungen und Kleider; da er so lange zeichnet, bis er die Geste des einzelnen Kämpfers richtig gefunden hat, ohne auf das Ganze des Bildes zu achten, stehen die einzelnen Kämpfer nicht zueinander in Beziehung, sie stehen in Kampfgeste, aber sie kämpfen nicht; das Bild zerfällt in einzelne Teile. Verärgert läßt er das Bild Liegen und giftig faucht 447

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