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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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teilhaftigen auf, macht sie nicht zu Trägern von Normen. - Das wird uns späterhin der Organismus zeigen, jetzt ist noch die schuldig gebliebene Antwort auf die Frage nach der unteren Grenze des organischen Lebens nachzuholen. Das Problem ist: wie müssen die untersten, das Leben der Ganzheit tragenden Vorgänge geartet sein, damit die Ganzheit nicht nur in räumlicher Gestalt erzeugt oder erhalten wird, sondern auch in zeitlicher, damit das Leben des Ganzen geschichtliche Form erhält, zu einem hebensablauf wird? Mit andern Worten: die gesuchten Lebenselemente müssen Geschichtsträger sein. Daraus folgt, daß sie nicht etwas Stabiles sein können, weder statisch noch dynamisch, also weder um eine Gleichgewichtslage oszillierende Systeme, noch kreisläufig in sich selbst ablaufende Prozesse. In beiden Fällen wäre kein die Zeit registrierendes Moment in ihnen enthalten, wie zu fordern ist, wenn das von ihnen konstituierte Ganze Zeitgestalt annehmen, in jedem Augenblick anders werden soll. Da es sich um stoffliche Vorgänge handeln muß, so müssen sie kumulativer Natur sein, etwas Stoffliches muß in der Zeit zunehmen oder abnehmen. Das Bild dieser Zeitmessung ist die Sanduhr oder besser ein Gefäß, in das ein gleichbleibender Zufluß von Wasser geschieht, und dessen Wasserstand die abgelaufne Zeit angibt. - Das Elementare des Lebens kann kein bestimmter Stoff sein und keine besondere Form, es kann nur etwas zeitlich definiertes Letztes, ein elementarer Lebensablauf sein. Ohne auf fachwissenschaftliche Einzelheiten zu kommen, können wir diese Art von Vorgängen näher bezeichnen: es ist der Ubergang von ungeformter in geformte, formtragende Materie, in der Sprache der Biologie die ..Assimilation'4, das zentrale und bis heute unzugänglichste Problem der Forschung. Ob es diesen elementaren Lebensvorgang auch außerhalb geformter Lebensträger, ob es also im strengen Sinne vor-organisches Leben gibt, braucht hier nicht erörtert zu werden; was uns das Wichtigste ist, das ist, daß dieses im Geschehenssinne aktuellste Leben der Ubergang von Unform zu Form, das Werden in höchster Prägnanz ist. Und damit sind wir auf allem Lebensdenken bekanntem Boden. Uberall, wo wir „lebendig46 als Intensitätsbezeichnung anwenden, wo wir Zeiten, Kulturen, Menschen lebendig nennen, da ist es nicht die gewordene, sondern die werdende Gestalt, der wir dieses Beiwort geben. Was bedeutet es für die Lebenstheorie, daß es gläubige und ungläubige Zeiten, produktive und unpro- 382

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