Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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„Organisches Leben44 besagt, daß lebende Teile zu einem lebenden Ganzen zusammenwirken. Wenn diese Definition gilt, ist dann nicht der Zusatz „organisch44 zu „Leben" überflüssig, gibt es Leben, das nicht organisch wäre? Es ist mehr eine Konvention in der Biologie, wenn sie diese Frage bejaht, wenn sie „organisch44 nur solches Leben nennt, von dessen Träger einzelne Teile prinzipiell und zum Teil auch faktisch aus dem Ganzen herauszulösen, zu isolieren sind, ohne daß sie aufhörten, lebendig zu sein. Es ist möglich, aus dem Organismus eines Tieres, niederen oder höheren Tieres, ganze Organe, wie Muskeln, Leber, Herz herauszunehmen und längere Zeit zweifellos lebendig zu erhalten. Die Muskeln zucken auf Reize, das Herz schlägt automatisch fort, die Leber vollzieht die gleichen chemischen Umsetzungen wie im Körper, und alle Zellen dieser Organe atmen noch, sie verbrauchen Sauerstoff und liefern Kohlensäure, sie setzen also die Energiebereitstellung fort, von der auch im Körperganzen die Lebensleistungen getragen werden. - Der Forschungsgang in der Biologie, der lange Zeit vorwiegend auf die Erkennung und Beschreibung der lebendigen Formbildungen ging, hat es mit sich gebracht, daß man zu der Festlegung der lebenden Einheit, also des letzten nicht weiter unterteilbaren Lebensganzen, von der Betrachtung der baulichen Zusammensetzung des Organismus und seiner Gewebe aus gelangt ist. Bekanntlich ist es die lebende Zelle, die als letzte Einheit, gewissermaßen als das x\tom, das Unteilbare des Lebens gegolten hat. Die Zelle, dieses Gebilde von mannigfaltigster Form und Größe, ist einheitlich definiert durch ihren Besitz von zwei stofflich und räumlich gesonderten Bestandteilen, einem massenmäßig meist überwiegenden Zelleib und dem Zellkern. Ist das Leben der einzelnen Zelle außerhalb eines Verbandes nicht mehr als organisches Leben zu bezeichnen? Der gewöhnliche Sprachgebrauch in der Wissenschaft versteht in der Tat unter ausdrücklich betont „organischem4* Leben das des Organismus, also der Zellen im Verbände, und stellt ihm das Leben der Einzelzelle gegenüber. Aber damit soll nicht gesagt sein, daß nicht auch innerhalb der Zelle Lebensvorgänge von Teilbereichen zum Lebensganzen der Zelle zusammenwirkten. Das Leben der einzelnen Zelle ist keineswegs ein einheitlicher, von allen Stoffteilen gleichartig getragener Vorgang, etwa wie das Abbrennen eines Spiritusquantums im Brenner oder das Fließen des elektrischen Stromes durch einen Draht. Abgesehen davon, daß es ein-