Mannheim
Compact Memory

Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 32

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2823768-2823781-2823785--0285-2824355
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

den-Gewissen kämpfte, und eine Schrift sich ersehn, die in Freiheit abgrenzte : die der Freiheit Form goß und sie einschuf in Charaktere, Gesetzmäßigkeit, Weltelemente. Und noch haben wir die Tiefe der Shakespeareschen Schrift-Einsicht nicht erschöpft. Dieser bescheidene profane Hand-Hirnwerker, dieser Könner und Müsser, der aber, scheint es, über sich selb nicht Denker und isser war, führt zu neuer Lehre von Schrift-Inspiration, von der Gott- Begeistetheit unsrer heiligen Bücher. Zu neu ermutigender, daran zu glauben. Er hat dies nicht gelehrt, er hat nur so geglaubt, daß wir glauben lernen. Was uns eher verlernen Heß die starre Behauptung der Buchstaben- Gläubigen. Dennoch: diese Starre: ehrwürdig sie! Dank sei der talmudischen und altprotestantischen Dogmatik, die Heber sie gewählt, als Schrift verfließen zu lassen. Wie ungeschickt, lehrgesetzlich, seelenfühllos: sie hat einen Pfahl aufgerichtet und unverlöschlich ein Mene-thekel an die Wand gezeichnet gegen die Geistlosigkeit der Geistreichigkeit, die, wie sie alle Worte verflüchtigt und wegschwendet von dem Lebenswort des Logos, des Lr-Hebers der Welt, so alles Schrifttum von der Geschriebenheit, die ewig feststeht. Bekennen wir uns zu dem Ehrennamen ,Literat4, den die Geistreichen mit der Zeit haben stinkend gemacht, weil eitel-eigenmächtig sie ihrerseits Geist haben in die Welt setzen gewollt, und ja nicht etwa bloß buchstäblich-elementaren, sondern ,höheren Geist4 - diese Kunst-.Schöpfer4; da wir vielmehr froh sind, gebuchstabt zu sein — das heißt .literatus4 -: selb des Weltgeists, der sich Bericht tut, richtet, aufrichtet, ein Mäßlein, ein Strichlein, ein Federzug zu sein, eine schreibende Geschriebenheit des Gottweltbuchschreibers, der die Welt als Geschichte zu dem Ende schreibt, daß die ewige Ruhe des Seins in anbetender Betrachtung das unruhige Werk des Werdens-Vergehens von Kapitel zu Kapitel, von Buchstab zu Buchstab lese als immer mehr Sinn enthüllend: immer mehr Sinn auf die Einsinnigkeit hin, in der schließlich, ausgeschrieben das Buch, die Ruhe in der Unruhe, die Unruhe in der Ruhe sich versteht als zu sich selb gekommen - und der Roman der Welt, der kein Roman ist im Sinn von Phantasma, keine Maya und bloße Schein-Spiegelung, führt zum Triumph der vollen Versöhnung und kindet den Gott, der dies Buch angefangen, am Schluß zum Vater im eigenen Sohn, der im Geist ihm, dem Ewigen, das Werde zubringt. Dann wird sich das Buch als das ewige bestätigen - verweht nur alles, was nicht seine Buchstaben 278

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.