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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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LEO :SCHESTOW WISSENSCHAFT UND FREIE FORSCHUNG C'est un enchantement incomprehensible et un assoupissement surnaturel . . . pascal Dann aber muß man glauben, Es geschaut zu haben, wenn die Seele plötzlich (t^uicpi'r^) ein Licht durchleuchtet hat. PLOTIN, ENN. V. III. IT 1. Alle sind der Überzeugung, daß Wissenschaft freie Forschung sei. Verhält sich das wirklich so? Da fällt mir eine alte, allgemein bekannte, aber auch allgemein vergessene Legende ein. Als einstmals eine kluge Thrazierin sah, wie der nach den himmlischen Geheimnissen suchende Thaies in einen Brunnen fiel, lachte sie herzhaft über den alten Sonderling, der das, was unmittelbar vor seinen Füßen lag, nicht sah und sich einbildete, die Dinge am Himmel erkennen zu können . . . Alle Leute mit gesundem Menschenverstand denken ebenso wie die Thrazierin. Sie alle sind überzeugt, daß die ordo et connexio rerum am Himmel die gleiche sei wie auf Erden. Sogar die Philosophen, die, w ie anzunehmen ist, nicht ohne Grund stets den Urteilen kluger Menschen aufmerksam lauschten, sind schon seit altersher bestrebt, ein Gesetz der Kontinuität der Erscheinungen im Weltall festzustellen. Thaies selbst, von dem uns die Uberlieferung die soeben mitgeteilte Anekdote erhalten hat, war der erste, dem der Gedanke der Einheit des Weltgebäudes kam. Und man könnte mit gutem Recht annehmen, daß er, als er in den Brunnen hinabgestürzt war und das heitere Lachen des jungen Mädchens hörte, mit Entsetzen gewahr wurde, daß das Mädchen recht hatte und daß selbst ein Mann, den die Geheimnisse des Himmels beunruhigen, unter seine Füße schauen müsse, ja, daß vielleicht gerade dieser es in erster Linie tun müsse. Thaies war der Vater der antiken Philosophie. Sein Entsetzen und seine aus dem Entsetzen hervorgegangenen Uberzeugungen vererbten sich auf seine Schüler und auf die Schüler seiner Schüler. Das Vererbungsgesetz o r* herrscht in der Philosophie ebenso gebieterisch und unumschränkt wie in allen anderen Gebieten des organischen Seins. Wer hieran zweifelt, möge einen Blick in ein beliebiges Lehrbuch werfen. Nach Hegel wagt niemand 217

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