Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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Papst empfängt „die Krone des Reichs aus Gottes, das Diadem der Herrschaft aus Petri Hand66 und waltet als Hirte der christlichen Völker. Dem neuen Licht entgegen toben Gewitterwolken; die Völkerwanderungen umstürmen die sieben Hügel der Stadt, von der einst die erobernden Legionen auszogen und in der jetzt der Beherrscher eines anderen Reichs seinen Thron festigen soll. Auf den Trümmeräckern des alten Landes erhebt sich nur langsam, barbarisch-schwer, neues Gebilde. Im Unfrieden der Zeiten ist die Kirche, eine Gottesburg, einzige Stätte und Wahrerin friedlichen Lebens- und in ihren Mauern lebt als Erbe griechisches Weltdenken und römischer Staatswille, christlieh geworden, fort: der heiligen Idee Augustins gibt Gregor der Große die geweihte Gestalt. Der gewaltige Mönch schafft eine Hirtenregel, breitet den christlichen Glauben aus, beugt noch heidnisches Volk unter seinen Stab; auf die Gemeinschaft der Heiligen kommt es ihm an: er sammelt die Geschichten ihrer Wunder, verteilt ihre Reliquien und lehrt seine Priestermönche beten und singen - romanischer Form wille ist machtvoll in ihm. Der mönchischen Aussendung christlichen Geistes, die im Werk Gregors so stark ist, daß die Kirche ihn als einen ihrer vier großen Lehrer feiert, gelingt es, eine erste wirkliche europäische Ökumene zu schaffen, eine geistige Gemeinwelt, deren Stil von dem Kopf- und Handwerk der Klöster her das ganze Leben bis in seine kleinsten Äußerungen durchdringt. Der aus einem Chaos auftauchenden Schar junger Völker ist die Kulturkirche das sinngebende richtungweisende Organ; in ihr und ihrem römischen Bischof wird ihnen das Amt des christlichen Apostolats sichtbar: als Gemein waltung, nicht bloß als Bekehrung der Einzelseele. Dieses Amt zeigt sich nun aber nicht als etwas, das natürlich im Strom vererbten Bluts oder wesentlich im Halten irdischfesten Besitzes, sondern geistig in der Übertragung von Wahl zu Wahl fortbesteht. Mystischer Gnadenakt soll die Berufung zum höchsten Amt sein; mystisch sind die beiden Substanzen der Kirche.Deren eine sind die Gnadenmittel; die Kirche hütet die sichtbaren Worte der Sakramente, deren Wohltat sie den Gläubigen zu spenden bereit ist, streng allerdings die beiden Räume voneinander scheidend, in denen aristokratisch-mönchisch und wissend die Priester amtieren und die Laienmassen knien. In der Zeitüchkeit wirkt sich der ewige Gegensatz aus zwischen dem „alten Gesetz'4 und dem, was im Christentum seine Stelle einnimmt, dem Sakrament, denn hier bindet 213