Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2823768-2823781-2823784--0207-2824276- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
len im Einzelnen zu ziehn, z. B. der Fortpflanzung des protestantischen Individuums mit der Teilung der Protozoen, der Volkskörper mit der Jungfernzeugung der Rädertiere). Jedoch diese niedere Fortpflanzung erlischt im Menschheit-Leben, und damit dieses selb, wenn nicht jeweils verj üngt in Generation-Wechsel durch Befruchtung zwei-einig. Sind die Sozialkörper zwar die Nährböden für Menschen-Zwei-Einigkeit, so kindet doch einzig diese Zwei-Einigkeit Menschheit selb; nur aus Kindung erwächst neuer für abgelebten Nährboden - so abgelebten, daß er als Leiche absinkt. Zwei-Einigkeit ist der Motor des Lebens, dessen Stoß Wechsel-Bewegung (Leben durch Sterben) in sich selb sich stillstellt (Sterben wird gegen Leben), da sie das Leben mit Leichen behäuft (mit den Ausscheide- Schlacken des Verbrenn-Vorgangs, deren Asche das Feuer erstickt): es sei denn, frischer Luftzug werde in die Bewegung gebracht, die Sauerstoff-Zufuhr eines zweiten Lebewesens. Selb die Einzelligen erhalten durch Kopulation die Unendlichkeit ihrer Teilung von neuem. Der Zellenstaat, die Vielzelligen, aber erhalten durch so einfache Zwei-Einigung nur Aufschub des Lebens: erst zwiefache Zwei-Einigung durch geschlechtliehe Zeugung (Kopulation von Same- und Ei-Zelle) hebt sie über schließlichen Leben-Stillstand, hebt lebendigen Körper im triumphalen Abwurf der sonst ihn erstickenden Leichen heraus: Leichen, die der ganze Körper nun sind des Zellenstaats, er selb als Staat, ausgenommen nur jene gegen dies große Gebild so unansehnlichen zwei kleinen eins gewordenen Zellen. Auch das soziale Zell-Staat-Gebild hinsinkt als Eltern-Leiche vor der zwei-einigen Freundschaft, um kraft ihrer Vereinigung unsterblich zu erstehn . . . Hier zurücksehen wir in jene Blühersche Einsicht vom Zusammenhang Staates mit Männerbünden der Freundschaft-Liebe. L nd zwar in jenen religiösen Mangel, in den Fehl von Einsicht des hier jenseits des Geschlechts Zeugenden. Diese Soziologie erkennt schief, unzulänglich, nur eine Ecke; erkennt nur den Naturboden, nicht die Geist-Saat, die eine, nicht die andere Zelle. Wohl sucht sie sich bloßer Naturalistik zu entwinden; vergeblich doch, indem sie mann-männlichen Trieb (diesen schaut sie klar) schaut unklar verbunden (in Art des berüchtigten psychophysischen Parallelismus) zur Adlung mit dem unklar geschauten mystisch-geistigen ,Eros\ Bezeichnend, daß ihr ein deutsches Wort dafür fehlt, obschon, wo Erkenntnis in Gewissen will treffen, gemüthaft nicht 201