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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 2 · page 47

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 2
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
Belongs to
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lieh bereichert sein, wie die aus dem Samenkorn gewachsene Ähre. Die Aufgabe besteht darin, daß das Persönliche wieder völhg persönlich und dennoch als Allgemeines erlebt werde, daß der Mensch in jeder seiner Manifestationen, wie Maria, sein Kind und das Kind Gottes zusammen wisse. Die Werte sind aber noch nicht alles, und gegen die Werte kann man noch kämpfen. Aber wie soll man gegen jene Gifte der Kultur kämpfen, die in das Blut eindrangen und die Quellen selbst des geistigen Lebens vergifteten. Es gibt Spinnennetze von Spekulationen, aus stahlhartem Gewebe, in jahrhundertelanger Erfahrung gewoben: sie halten den Geist unfühlbar und sicher gefangen; es gibt ausgetretene Pfade des Bewußtseins, auf die die Faulheit unmerklich gelockt wird; es gibt eine Routine des Denkens, eine Routine des Gewissens, eine Routine der Wahrnehmung, Schablonen des Gefühls und zahllose Klischees von Redensarten. Sie lauern der Konzeption selbst der geistigen Keime auf, umhüllen sie sofort und ziehen sie gleichsam in liebevollen Umarmungen auf die ausgetretenen Pfade. Es gibt endlich ungezählte Heere von Kenntnissen, die durch ihre große Zahl und Unbeugsamkeit schrecklich sind; sie überfluten den Verstand und lassen sich in ihm mit dem Rechtsanspruch einer objektiven Wahrheit nieder, ohne abzuwarten, bis der Hunger die notwendigen aus ihrer Reihe herbeiruft. Der mit ihnen beschwerte Geist ermattet in der Enge, ohne die Kraft zu haben, sie sich wesentlich anzueignen oder sie abzustoßen. Ich rede somit nicht von der Freiheit von der Spekulation, sondern von der Freiheit der Spekulation, genauer von der Freiheit, Unmittelbarkeit und Frische der Kontemplation: so wird die Weisheit derVäter die Schüchternen nicht erschrecken, die Trägheit nicht begünstigen und die Ferne nicht verschließen, so wird eine neue Empfänglichkeit und ein neues Denken entstehen, die nicht bei jeder ihrer Erwerbungen sofort versteinern, sondern ewig plastisch und in die Unendlichkeit hinein frei beweglich sind. Alsdann werden jene frohen, sorglosen und wißbegierigen Wandrer und geistig Armen erscheinen, von denen Sie sprechen: jetzt sind sie nicht vorhanden oder es gibt doch nur angebliche; jetzt geht niemand als Fremdländer an den Altären und Götterbildern vorüber. Aber auch Sie, mein Freund, legen Opfer auf viele Altäre und verehren unbewußt Götzen, denn das Gift, sage ich, ist in Ihrem Blut. Nicht ich will die Menschheit auf einer hori- 181

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