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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Schaffung und dem Fall der Engel in den Anfang der Biblischen Geschichte eingedrungen ist. Die meisten Lehrer und Katecheten, die ich darum fragte, meinten, es müsse doch auch in der großen Bibel an derselben Stelle stehen. Während nun aber der Text der Schulbibel die „Erschaffung und den Fall der Engel" nur durch den Platz der Erzählung, nicht aber durch irgendeine Aussage in oder vor die Zeit der Erschaffung des Menschen oder gar der Erde datiert, läßt Knecht die Katecheten schon dozieren: „Aus dem ersten Satz der vorigen Geschichte (Im Anfange schuf Gott den Himmel und die Erde) habt ihr gelernt, daß Gott außer der sichtbaren Welt auch eine unsichtbare Welt erschaffen hat, nämlich die Engel.64 Er sagt nicht: „Vor der sichtbaren Welt", will aber anscheinend so verstanden sein, indem er den vor der Erde genannten „Himmel" gleichsetzt mit „Unsichtbarer Welt", wozu ihm der biblische Text nicht das geringste Recht gibt. Ebenso zu Unrecht setzt er, wie auch schon Schuster und Mey, „die unsichtbaren, geistigen Wesen" ohne irgendwelche Einschränkung gleich mit „Engel". Es war doch schon vor jenen fünfzig Jahren bekannt genug, daß keineswegs alle „unsichtbaren, geistigen Wesen" und Mächte „Engel" sind, auch nicht in der allerweitesten Bedeutung dieses Wortes. Es schleichen sich also in diesem Kommentar sehr unheimliche Gewalten unter dem Namen „Engel" in die Vorstellungswelt des katholischen Volkes ein. In der zweiten, von Heinrich Stieglitz bearbeiteten Schulbibel, die ich in meinem letzten Kaplansjahre gebrauchte, sind sie schon an ihrem erschlichenen Platze. Der Primat des Geistes vor Fleisch und Blut, Leib und Seele, vor Glaube, Hoffnung und Liebe ist da; das geistige Fertigfabrikat der Verfassung geht vor dem Lebensschritt des Volkes, die geistige Stiftung Kirche vor der Erschaffung des neuen Gottesvolkes, vor der Kirche aus Fleisch und Blut; der Glaube ist jetzt nichts anderes mehr als eine Zustimmung des Geistes zu den von Gott geoffenbarten Wahrheiten, also nur Geisteswerh; es kommt jetzt nur darauf an, daß der Mensch Dogmen und Eide unterschreibt, nicht darauf, daß er sie als Lebensmächte im Herzen trägt. Eine unsichtbare Welt, ein objektiver Gott, ein objektiver Glaube, eine Welt von geistigen Begriffen und Formulierungen, eine Welt, die erst vom Menschen und von der gesamten Kreatur ausgegangen ist, steht jetzt vor den Menschen, vor der gesamten Kreatur, an der Fürstenstelle, und ihren Diktaten soll die unmittelbar 10

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