Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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einflößt, die Seele nicht füllt, nur Verhältniswerte, nicht ein Absolutes aufbringt. Aber gemeinsame Negation wäre nicht viel. Fördersamer scheint mir, daß ich Ihnen zustimmen kann in dem was Sie über das zur Besserung zu Tuende sagen. Darin: daß es kein eigentliches Tun sein kann, auch kein Denken und Lehren, sondern ein Unterlassen. Ein Ablassen vom Begehren überflüssiger Dinge, aus dem sich auch ein Nachlassen neidischer Gesinnung und anderer Irr-Triebe entwickeln mag, die unsere Seele betören. Sodann: daß dies Unter-, Ab- und Nachlassen aber nur zu erhoffen ist von einem Wachsen und Zunehmen, der Seele nämlich, an Einsicht ihrer selbst, an Zutraun zu sich. Und daß, wer unsere Zeit tief fühlt, zu sagen wagen darf: diese Periode bricht an! Es konnte aber Ihrem Ernst nicht entgehen, daß mit Verkündung von Gefühlen nichts fürs Tatleben erreicht wird; nicht einmal die Erkenntnis, was als Symptom des Neuwerdens zu begrüßen, was als Gefährdung zu scheun sei. Sie legten Sich darum die Aufgaben auf, in der schlichtesten Weise verstehen zu machen, was es um dies Wachstum sei. Indem Sie dabei sich eines naturwissenschaftlichen Bilds bedienten, kamen Sie, angeblich und formell aus der Natur dieses Bilds, in Wahrheit aus einem tiefren Bewußtsein, dazu, eine „Summierung zweier Geistesinhalte66 in einem Individuum als Ihnen nicht darstellbar abzulehnen, dafür aber den genetisch-folgenden Prozeß, den der Summierung der Menschengeister zur geistigen Gemeinschaft, intuitiv vorstellig zu machen. Denn - erlauben Sie mir, Sie hier zu interpretieren! - unter den Worten, mit denen Sie gewissermaßen bedauerten, nicht auch den Vorgang der Vermehrung der Seelenmacht im Einzelmenschen uns abbilden zu können, schob Sie ein Wille, diese vermehrte Seelenmacht zu gewinnen, unaufhaltsam auf den Vereinigungspunkt der Seelen zu.Wie sollte auch der reichste innerpersönliche Seeleninhalt die Außenwelt ändern? dies bloße Gemütsleben, wäre es auch voll von dem, das Sie als besonderen Reichtum anführen: - der Lehre Christi, der germanischen Naturbetrachtung, der deutschen Musik -, bliebe neben dem Tatleben liegen, das seelenlos bliebe. Wie es schon heute sentimental-müßig daneben liegt. Aber Sie wollten das Tatleben in das Seelenleben herein ziehn. Nur Gemeinschaft und Bündnis kann Kräfte entbinden, die der Macht-Summe unserer verzweckten Gesellschaft widerstehen.?>»