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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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unaussprechlichen Frieden bringen. Auch sie können die Gestalt eines liebenswürdigen Zufalls tragen, aber wen sie berührt haben, der weiß mehr von ihnen. Sie kommen selten; soweit ich weiß, nur am Anfang und am Ende eines schweren Werkes. Uber dem Leben Jesu sieht der Evangelist die Engel nur bei der Geburt, nach den drei Versuchungen in der Wüste, nach der dreimaligen Entscheidung für den Willen des Vaters auf dem ölberge und im Grabe des Auferstandenen. Sie können nicht oft kommen, denn sie nehmen den Menschen aus dem Leben heraus; wer einEisen glühend machen will, darf es gar nicht oder nicht zu oft aus dem Feuer herausnehmen; wer ein echtes Menschenleben führen will, darf sich nicht wünschen, daß die Erquickung des Schlafes gar zu viel öfter als einmal am Tage über ihn komme. ^Der Rohbau meines Hauses war schier vollendet. Es hatte die ganze Zeit über geregnet, als ob die Schleusen des Himmels geöffnet wären, so daß sogar meine Bauleute manchmal den guten Mut verloren. Unter noch größeren Schwierigkeiten war der übrige Neubau meines Lebens aus dem toten Grunde zum ersten Licht emporgestiegen und die ersten Versuchungen waren überstanden. Da leuchtete auf einmal ein sonnenheller Sonnentag auf. Die Frauen beschlossen, nachmittags in den nahen Wald zu gehen, um Beeren zu sammeln. Ich versprach, gegen Abend nachzukommen, und bückte ihnen vom Bodenfenster des Neubaues, an dem wir unsere Zimmerwerkstatt eingerichtet hatten, lange nach, bis der Wald oben an der Berglehne sie aufnahm. Es war ein Bild wunderbarer Schönheit und erquickenden Friedens; es war, als ob endlich etwas anderes unterwegs wäre als die alltägliche Sorge und Plage. Unwillkürlich dachte ich daran, daß mein Haus im ganzen das Bild des Alltags sein sollte; ich wollte Wand und Dach ganz einfach und nüchtern haben und duldete keine der üblichen Bauzieraten. Nur an einigen Stellen sollte der Sonntag durchleuchten; Die Wand über der Haustür sollte eine Nische haben für ein Herrgotts- oder Heiligenbild. Das sollte so hell über alle Nüchternheit leuchten wie jener Sonnentag über die ganze vergangene trübe Bauzeit. Solche Herrgotts- und Heiligenbilder an alten Häusern — man geht meist achtlos oder mit Achselzucken oder mit einem nicht einmal bös gemeinten Spott oder einer meist ungünstigen ästhetischen Kritik vorüber, weil man sie als Produkte einer Frömmigkeit oder Mode ansieht, für die man kein Interesse mehr hat - gehören doch und doch zur Kreatur, sind Erinnerungen und Denkmäler erfahrener oder wenigstens erhoffter Bei- 30

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