Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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erschweren; auch etwas Boshaftes, das die fertige Arbeit verunschönt und befleckt und dem Menschen wenigstens einen Teil seiner Freude verdirbt. Die Antike sah diese Erscheinungen in der Gestalt der Dämonen; die deutsche Vergangenheit in der Gestalt der Kobolde oder auch der Teufel; die Neuzeit weiß keine Gestalt; sie hat nur die Namen Naturkräfte und Zufälle, also Namen ohne Macht, Namen, mit denen man niemand rufen kann, Namen, unter denen sich niemand offenbart, vielleicht aber jemand verbirgt. Allein die katholische Kirche ruft diese Erscheinungen noch an, gebietet ihnen und verbietet ihnen. Soweit ich aber ihre Funktionäre kenne, tun sie es nur noch mit leeren Worten, nicht mehr mit dem vollen Glauben und der hellen Schau der für Menschenaugen unsichtbaren Wirklichkeiten; sie sind durch die modernen, von den Aufklärungen der Naturwissenschaft beherrschten Schulen gegangen und verwenden nur die alten Worte, meinen aber Naturkräfte und Zufälle. Sie gehören ja eben auch meist zu der Gruppe der Menschen, der die Erde als eine dienstbar gemachte entgegentritt, während die Kirche ihre Sprache in einer Zeit empfangen und gebildet hat, in der die Undienstbarkeit der Erde noch von dämonischer Gewalt und Herrschaft war. Die Kirche ist heutigentages die einzige Gestalt, die zur Kreatur spricht; die also den Glauben hat, daß die Kreatur hören und gehorchen kann, und zwar nicht einfach so, daß physischer Widerstand physischer Gewalt weichen müsse, und auch nicht so, wie man vom Tiere weiß, daß es sich durch Zurufe dressieren läßt, sondern eher so, wie der antike Krieger in den feindlichen Heeresschwarm hineinbrüllte, wohl wissend, daß seine Stimme dort zu Gehör und Wirkung kommen werde. Sie beauftragt sogar die von ihr geweihte Kreatur, nun Wache zu stehen oder ins Feld zu ziehen gegen eine Kreatur, die keine Weihe mehr erreichen kann, die aber erschrecken und flüchten kann vor dem Geweihten. Laßt uns hören, wie urgewaltig diese Sprache ist, und laßt uns von dieser Gewalt einige Kännlein schöpfen, denn wir haben es nötig, da aus unserer Sprache die Gewalt des Glaubens immer mehr aussickert! So spricht die Kirche zur Kreatur des Salzes: ..Ich beschwöre dich, du Kreatur des Salzes, beim lebendigen Gott, beim wahren Gott, beim heiligen Gott, bei Gott, der dir befahl, dich durch den Propheten Eliseus ins Wasser werfen zu lassen, auf daß die Unwirksamkeit des Wassers geheilt werde und daß du werdest geweihtes Wasser zum Heil der Gläubigen und seiest allen, die dich nehmen, Gesundheit der 99