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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 1 · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 1
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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wundert, warum der Großvater sein Haus nicht an diesen Wiesenrand, sondern etwa hundert Meter feldein gebaut hat, obwohl von dort bis zum Wasser in der Wiese ein sehr langer Weg war, auf dem alles Wasser für die Haus- und Stallwirtschaft auf den Schultern oder auf schwankenden Radwern geholt werden mußte. Es ist wunderbar schön an der Erlenwiese» Tag und Nacht wandert ein winziges Bächlein plaudernd und in der Sonne wie Gold und im Monde wie Silber leuchtend durch die Wiese nach dem ..Langen Grunde44, der bis ins Dorf hineinführt. Die Erlen stehen an den drei Bettlein, die sich das Wasser bereitet hat, herbe Bäume, unscheinbar in Blüte und Frucht, fast als wären sie unfruchtbar und ohne Liebe und ohne Glück. Aber wenn im Frühjahr und im Herbst die Zugvögel kommen, da kehren sie ein und erfüllen die Erlenkronen mit Leben. Und nicht wenige bleiben und gründen in den Erlen ihr Heim. Und auf der Wiese blühen tausend Blumen, und wenn sie gemäht wird, wirft die Sense große Schwaden Gras auf den Boden und große Schwaden Duft in die Luft, und am Abend, wenn das Heu zu Haufen getürmt ist, spielen die überschlanken Schatten der Erlen und die plumpen Schatten der Heuhaufen und die schöne, schöne Abendsonne ein Spiel voll Seligkeit für die Augen und die dem Abendfrieden zugeneigten Herzen. Der Acker, der an den Wiesengrund grenzt, war nie besonders fruchtbar, da er ganz dünn auf Sand und Lehmboden gebreitet sich nach Norden neigt; und diese unfruchtbar machende Neigung war noch dadurch verstärkt worden, daß dieses Stücklein Erde allen Lehm und Sand für die Anbauten und Umbauten des großväterlichen Hauses Hefern mußte. Mein Schwager bot mir darum ohne zu großen Verlust an Fruchtboden diesen Teil seines Besitztums als Baufleck an, und ich meinte, die Erde würde sich ebenso darüber freuen wie ich selbst. Es schickte sich so, daß wir am Hochfest des Heiligen Geistes, an Pfingsten, den Bauplatz abstecken mußten. Das ist eine so festliche Arbeit, daß wir in ihr keine Verletzung des Feiertags sahen, und wir schritten voll Freude mit unseren Absteckpfählen, Schnüren, Winkeln und Wasserwagen ans Werk. Da Friede und Freude Früchte des Heiligen Geistes sind und da sie am Bauplatz so reichlich über uns herabkamen, mußte es wohl der Heilige Geist sein, der wie eine Baumkrone uns feiertäglich überschattete und seine Früchte über uns niederfallen ließ. Aber da merkten wir auf einmal, wie die Erde sich wehrte gegen die Absteckung 20

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