Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2823768-2823775-2823777--0516-2823966- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und das Mißlingen als Zufall an und das glatte Gelingen als die Regel, sondern umgekehrt. Selten stellt sich aber einer die Frage, warum denn alles so schwierig sein müsse, warum erst vielfaches Mißlingen und dann erst das Gelingen, warum und woher so vielfache Störungen. Es wäre doch denkbar, daß alles dem Menschen zugeneigter und entgegenkommender geschaffen worden wäre, wie innerhalb des Pflanzen- und des Tierreiches die Geschlechter einander zugeneigt und entgegenkommend, ja einander mit großer Süßigkeit lockend geschaffen worden sind. Warum ist die fruchtbare Arbeit nicht so süßen Wunders voll wie die befruchtende Liebe? Gott gab dem Menschen die Erde mit den drei Worten : „Wachset und mehret euch!44, „Füllet die Erde!", „Machet sie euch Untertan*/* Warum streute er nur bei dem ersten dieser drei Worte die Rosen des Glücks und der Liebe über die Menschen, beim zweiten bittren Abschied und banges Fernsein, beim dritten all die schwere Not der Arbeit? Es fragt schier niemand danach. Es kommt ja der Feierabend, es kommt der Sonntag; je größer die Schwierigkeiten, desto länger die Arbeitsgelegenheit und dieVerdienstmöglichkeit; die Schwierigkeiten verteilen sich auf die verschiedenen Gruppen von Handwerkern und Arbeitern; in der Summe treffen sie nur den Bauherrn, dessen Leid und Betroffensein die einzelnen Leute im besten Falle-und das war wirklich mein Fall - mit getreulicher Anteilnahme, aber nicht mit ebensoviel Leid und Getroffensein tragen können. Mit der ganzen Front wendet sich also die Undienstlichkeit der Erde nicht gegen die einzelnen Arbeiter, sondern gegen den, der alle diese Arbeiter in den Kampf gegen die Undienstlichkeit der Erde vorschickt oder sogar begleitet. Und gegen diesen einen auch nicht so stark, wenn er in der Stadt oder ihrer Nähe baut, wo soviel Dienstbarkeit der Erde aufgehäuft ist, daß man vor lauter naher Hilfe gar nicht mehr die Hilfsbedürftigkeit und Hilflosigkeit spürt. Ganz anders, wenn er fern von Dorf und Stadt auf einem einsamen Acker baut; wenn stundenlange Wege notwendig sind, ehe ein dienstbarer Ersatzteil für einen undienstbaren herbeigeholt werden kann. Da erst mag ein solcher Bau zu einer Schule werden, in der man etwas wirklich Neues vom Sechstagewerk Gottes kennen lernen kann. Ich hatte von dem Grundstück meines Vaters, das jetzt in den Besitz meines Schwagers übergegangen ist, von jeher keinen Teil so lieb gehabt wie den Erlengrund mit dem hohen Wiesenrande an dem Steiglein, da-; vom Kirchelberge nach Ebersdorf führt, und ich habe mich immer ge- 19