KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 9 (13.9.1928)
- Date
- 1928-09-13
- Page
- Seite 86 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Rheno-Silesia, Bonn. Das Semester ist zu Ende. Die Säle der "Universität bleiben leer; die bunten Bänder und Mühen der Corporationen verschwinden für einige Zeit aus dem Leben und Treiben unserer Universitätsstadt, um zur gegebenen Zeit wieder von neuem aufzutauchen.... Auch wir legen für einige Zeit Mütze und Band zur Seite und zerstreuen uns in alle Welt, nehmen Abschied voneinander. Und wir fühlen fest und tief, daß dieser Abschied nicht gewollt ist, daß er sein muß. Aber er fällt uns nicht schwer, denn wir wissen, daß uns überall, wo wir sind, ein gemeinsames Ziel und ein gemeinsames Ideal verbindet, an dem wir für unser Leben festhalten wollen. Recht und Freiheit ist unser Ziel, und deshalb kämpfen wir um unser Bestehen; Menschen zu werden ist unser Ideal. Durch dieses Streben war uns das Semester angenehm: es hat ihm den wahren, wirklichen Inhalt gegeben. Und wenn jeder Bundesbruder, der von uns an eine andere Universitätsstadt geht, jene Worte in ihrem wahren Sinn mit sich nimmt, dann können wir sagen, das vergangene Semester war ein gutes, und dann können wir auch hoffen, daß wir bald in unserem Verbände nicht mehr die einzigen sind, die mit der Tradition brechen und der reinen Vernunft freien Lauf geben. Zwar war das Sommersemester 1928 reichlich kurz, wie jedes Sommersemester; aber es war schön und gemütlich. Wenn auch nicht immer alles flüssig und reibungslos vor sich ging, so liegt das einzig und allein daran, daß trotz einer gemeinsamen Idee verschiedene Ansichten herrschen. Das ist jedoch überall der Fall, wo Menschen sich zusammenschließen. Hauptsache ist jedoch' für uns, daß wir mit der Arbeit, die wir uns zur Aufgabe gemacht haben, zufrieden sind. Wir haben versucht, die Verbindung auf ein geistig höher stehendes und menschenwürdigeres Niveau u bringen, und das ist uns zum größten Teile genügen. Man macht uns den Vorwurf, bei uns herrsche kein Comment mehr. Und da müssen wir sagen, daß wohl noch Comment besteht und daß er auch nicht abgeschafft wird, ebensowenig wie das Biertrinken. Aber wir gehen nicht sinnlos darauf los; wir nehmen Rücksicht auf den einzelnen, auch wenn es ein Fuchs ist: Wir zwingen nicht zum übermäßigen Biertrinken. Aber wir wenden den Comment da an, wo es notwendig ist, wenn einer der Bundesbrüdernicht so sein will, wie wir es von ihm verlangen können, d. h. wenn er glaubt, er brauche sich nicht zu fügen, wenn andere, die nicht besser sind als er, sich freiwillig und mit Bewußtsein fügen. Wir lassen Freiheit dem einzelnen, so gut es uns eben möglich ist. Aber geht es ums Ganze, dann können wir auch von denen, die sich uns angeschlossen haben, verlangen, daß sie zu uns gehören, sich in unseren Dienst stellen und nicht gleichgültig tatenlos dastehen. Mag auch für manchen das ein Grund sein, nicht bei uns aktiv zu werde», daß ihm Aeußerlichkeiten und Formalitäten widerlich sind, daß er sich nicht unterfügen will, daß er für unsere Ideale kein Interesse hat oder daß er selbst ein Mensch ist, der nit einen Funken von Disziplin und Selbstbewußtsein in sich hat, dann gehört er eben nicht zu uns. Der einzelne muß sich der Allgemeinheit fügen oder er gehört nicht zu ihr. Eine Gemeinschaft kann nicht ohne Gesetze, also eine Verbindung nicht ohne Comment bestehen. Der Comment und dazu gehören die Offizien, die Fechtstunden, die Fuchsenstunden usw., kann nicht abgeschafft werden: Wer einsieht, daß Pünktlichkeit herrschen muß, daß alles im Sinne einer großen Idee liegt, und auch letzthin darin, den einzelnen zu einem tüchtigen, vernünftigen Menschen zu erziehen, damit er für diese Idee und auch für sich selbst im Leben in jeder Rot und Gefahr eintreten kann, dem fällt der Comment nicht schwer, der beklagt sich auch nicht, über den wird auch nicht geklagt und dann fühlt er ihn auch nicht so wie einer, der aus Opposition sich allem entgegensetzt. Dieser allein wird zurechtgewiesen. Die Burschen sind keine Menschenfresser, die Füchse keine Sklaven. Es ist selbstverständlich, daß von einem Bundesbruder nichts verlangt wird, was über seine Kräfte geht, aber verlangt kann werden, daß er für seine Verbindung tut, was in seiner Macht liegt. Wer bei uns Disziplin hat und Selbstbewußtsein, der fühlt keinen Comment, aber derjenige, der das nicht hat, der fühlt ihn ganz gewaltig, aber zu seinem eigenen Nutzen geschieht es doch! Wenn er aber das nicht erkennen will, dann war er unser Bundesbruder. Wenn wir in diesem Semester gejochten haben, so geschah das nicht aus innerer Ueberzeuguna, sondern weil wir es vertragsgemäß mußten. Auch dieser Convent stand auf dem Standpunkt, möglichst keinen Bundesbruder herauszustellen, aber: in der Not frißt der Teufel Fliegen, und es mußte doch geschehen. Man kennt unsere Stellung zum Fechten, und es ist kein Grund vorhanden, es noch einmal besonders hervorzuheben. Was das übrige Verbindungswesen, das Innenleben angeht, so kann man sagen, daß alle Bundesbrüder in einem durchaus guten Verhältnis standen. Das danken wir der neuen Richtung, die wir in diesem Semester eingeschlagen haben und die soeben ausführlich besprochen wurde. Wir feierten unser Stiftungsfest in fröhlichem Beisammensein mit unseren Alten Herren und veranstalteten auch ein Damenfest, und alle die Festlichkeiten, die gewöhnlich in einem Sommersemester veranstaltet werden. Was den Sport betrifft, so tat jeder Bundesbruder sein Bestes, sich körperlich zu ertüchtigen. Wir verlangen keine Höchstleistungen, aber wir verlangen, daß sich niemand drückt und alle sich ein gegenseitiges Vorbild sind. Am K. C.-Sportfest in Frankfurt beteiligten wir uns mit einer Mannschaft. Zum Schluß noch einige Personalia: Wir rezipierten die Brander Neu, Schürmann und Voß. Inaktiviert wurden die a. B. Lohnen, Emanuel, Horn, Stern. Ansere l. i. a. B. Goldschmidt, Joseph und Oster bestanden ihr medizinisches Staatsexamen, wir genehmigten ihr Philistrierungsgesuch. Ein Ehrenrat fand in diesem Semester nicht statt. Wir schließen das Semester mit der Hoffnung auf eine gute gedeihliche Weiterentwicklung unserer Ziele und Ideale in den kommenden Semestern. Rheno-Palatia, Würzburg. Bei den diesjährigen Lochschulmeisterschaften gelang es uns, drei ehrenvolle zweite Plätze zu belegen. So errang uns unser a. B. Sachs im 800m-Lauf, und unsere Staffelmannschaft, bestehend aus den Bbr. Bbr. Meyer, Sacys, Pollak und Reumann sowohl in der 4X 100m- Staffel wie in der olympischen Staffel gegen schärfste Konkurrenz den zweiten Preis. Auch das K. C.- Sportfest brachte uns schöne Erfolge, so daß wir bei einer Verbindungs- Wertung an zweite Stelle gekommen wären. Wir konnten insgesamt drei erste, fünf zweite und drei dritte Plätze erreichen. Der Rest des Semesters brachte noch einige nette Veranstaltungen, so die alljährliche Kilianibootsfahrt, die dank einer von unserm l. A. L. Friedenreich gestifteten Bowle sehr vergnügt verlief, einen Exbummel mit Damen nach Rottendorf und eine sehr feuchtfröhliche Fuchsenkneipe. Zum Stiftungsfest unserer l. K. V. „Bavaria" entsandten wir Vertreter.