KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 9 (13.9.1928)
- Date
- 1928-09-13
- Page
- Seite 83 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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83 buckel, mit einem wohlangesetzten Sprung hinwegzukommen. Nimmt man aber Steilhänge durch kühne Schwünge oder passiert man Hohlwege in flotter Fahrt, so erfordert die Bewältigung dieser natürlichen Schwierigkeiten vor allem neben der Technik Schneidigkeit. Entschlußkraft muß man aufbringen, wenn ein Witterungsumschlag zur Umkehr zwingt, selbst wenn das Ziel noch so nahe ist. Wer glaubt, daß der Schneeschuhlauf nur eine Schule des Körpers ist. befindet sich sehr im Irrtum. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes auch eine geistige «Schulung. Man kann nicht mit seinem Können einfach drauf los fahren, sondern man muß mit sicherem Blick das Gelände meistern. Jeder Schnee erfordert eine andere Fahrtechnik. Der leichte Pulverschnee will ganz anders befahren sein als der schwere Neuschnee oder der sulzige Firn der heißen Märztage. Man muß sich die beste Aufstiegroute wählen können, der Abfahrtsweg soll gefahrlos dem Gelände abgerungen werden. Man lernt» was der Großstädter nicht mehr kann, sehen, Wind und Wetter beurteilen, man bekommt geradezu ein neues Formgefühl, wenn es in sausender Fahrt ins Tal geht. Der Schneeschuhlauf erzieht aber den Menschen nicht nur zur Persönlichkeit, zum ganzen Kerl, sondern auch ßum Leben in der Gemeinschaft mit Bbr. Bbr. und im weiteren Sinne auch mit den übrigen Mitmenschen. Kameradschaft und gegenseitige Rücksichtnahme auf seine Wanderkollegen ist das oberste Prinzip. Schon die Besprechung des Tourenprogramms wird getragen von der Rücksichtnahme auf die Kräfte und das skitechnische Können der einzelnen Bbr. Bbr. Eigenbrödeleien auf der Fahrt gibt es nicht. Man muß beisammen bleiben, sowohl beim Aufstieg wie bei der Abfahrt. Tag und Nacht lebt man in engster Gemeinschaft, alles miteinander teilend. Ich glaube, daß man sich dabei noch besser gegenseitig kennen lernt als auf dem Konvent oder bei einer Bierkneipe. Das Prinzip der Freiheit wird in keiner Weise verletzt, wenn die jungen, unerfahrenen Bbr. Bbr. auf den Rat der älteren hören müssen und sich dementsprechend umzustellen haben. Für einen guten Fahrer ist es nämlich auch kein Vergnügen, den Lauf seiner Bretter immer hemmen zu müssen, damit die Ungewandten Nachkommen können. Die Disziplin ist eine freiwillige. Nun aber zur Frage, ob das Skilaufen in einer Korporation offiziell gemacht werden soll. Ich bin mit Bbr. Schwarz einig, daß das nicht möglich sein wird, halte aber eine zu große Rücksichtnahme für verkehrt. Mail sieht Iungens und Mädels im ersten Schulalter und noch jünger schon auf den Brettern sieben. Ich denke da vor allem an den vierjährigen, wohl jüngsten Skifahrer eines schwäbischen Bbr. Bis zum Skihügel wird es wohl jeder von uns schaffen. Es ist bekannt, daß die meisten Menschen allem Fremden, so auch dem Skilauf, mißtrauisch gegenüberstehen. Diese negativistisch eingestellten Elemente unserer Verbindung werden dann, wenn sie einmal auf den Brettern stehen, oft eines Besseren belehrt. Mau braucht also gar nicht so individuell vorzuqehen. Die Auslese soll sich auf dem Aebungshügel und nicht auf dem Konvent vollziehen. Der Kostenpunkt spielt auch eine Rolle, wie Beschaffung von Skiern, Stiefeln usw. Es ist daher vor allem die Aufgabe des Verbandes, unterstützend einzugreifen. Endlich erzieht der Schneeschuhlauf unsere Verbandsbrüder nicht nur zu Persönlichkeiten, nicht nur zum Einfügen in die Gemeinschaft der Korporation", sondern auch zur Gemeinschaft mit der Natur, den Bergen im deutschen Vaterland, also mit dem Boden, auf dem wir stehen und mit den Menschen, die gleichesinnt den Winter in den Höhen aufsuchen. Ich in aus diesem Grunde ganz gegen den Vorschlag von Bbr. Schwarz, eine Skihütte für die Korporation zu erwerben oder erbauen zu lassen. Die Angelegenheit wäre auch in finanzieller Hinsicht untragbar. Da würden sich etwa ein Dutzend von der Korporation leihweise zur Verfügung gestellte Skier, die am Ende des Semesters wieder von den abziehenden Bbr. Bbr. zurückzu geben wären, eher bezahlt machen. Vor allem aber führt der Besitz einer Skihütte zur Isolierung, gegen die wir ja immer und immer ankämpfen. Unsere Bbr. Bbr. sollen auf den Hütten der Bergsteiger-Organisationen durch schlichtes, bescheidenes, aber im gegebenen Augenblick doch bestimmtes Benehmen sich die Achtung der anderen erwerben. Es gibt wohl nichts Schöneres, als an Hüttenabenden mit den anderen Skikollegen seine Erlebnisse zu besprechen und im Kreise Gleichgesinnter an harmlosen Fröhlichkeiten teilzunehmen. Zusammensassend möchte ich also sagen, daß die Förderung und Ausübung des Schneeschuhlaufes eine ernste Angelegenheit der in München und Areiburg gelegenen Korporationen sein muß. Die Richtlinien dazu haben vor allen Dingen die in jenen Städten ortsansässigen, skigewandten Bbr. Bbr. zu erteilen. Der Verband soll gegebenenfalls unterstützend zur Seite stehen. 3 VerbandsnachricfiieD £ (Die „Verbandsnachrichten" für die nächste Nummer sind einseitig beschrieben bis spätestens 25. September an die Schriftleitung einzureichen.) Licaria. Das Sommersemester nahm weiter einen schönen Verlauf. Besonders wurde das gute Verhältnis zwischen den Bundesbrüdern, dessen Herzlichkeit schon im 1. Bericht hervorgehoben wurde, vertieft und ausgebaut. Die Verbindungsleiter haben sich trefflich ergänzt. Während der Erst- und Zweitchargierte in ihrer gemütlichen Art sehr viel für den inneren Aufbau der Verbindung wirkten und den „netten Ton" innerhalb der Aktivitas zu wahren suchten, sorgte der stramme Dritte für Zusammenhalt nach außen und — trotz aller Gemütlichkeit — für Korporationsdisziplin. Natürlich platzten hie und da die Meinungen aufeinander. und besonders die Einstellung zu den Füchsen kam oft aufs Tapet. Aber schließlich war das gute Verhälnis zwischen den Bundesbrüdern stark genug, um solche Meinungsverschiedenheiten auszuhalten, und die Debatte war stets unpersönlich und akademisch. Dieser guten Zusammenarbeit ist es auch zu danken, daß das Problem „Fuchs und Bursch" eine praktische Lösung gefunden hat. Trotz betonter Gleichstellung aller Bbr. Bbr. wurde ein entsprechender Abstand gewahrt und gehalten, eine Regelung, die allerdings mehr auf dem Taktgefühl der Einzelnen als auf statutarischen Sätzen beruht.