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KC-Mitteilungen · 1928-09-13 · Heft 9 (13.9.1928) · p. Seite 80

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1928
Issue
Heft 9 (13.9.1928)
Date
1928-09-13
Page
Seite 80 (sequence 4)
Language
German
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Spiegelt sich in diesem — zweiten — Sah der angenommenen Entschließung das Begehren der Weltkonferenz wieder, den Ausgleich zwischen Individuum und Gemeinschaft zu suchen und gerade im häuslichen Leben vorab zu finden, so führt uns der erste Teil der herangezogenen Resolution in die Problematik der Generaldiskussion der Tagung hinein. 2a, er kann in gewissem Sinne als ein Ergebnis auseinanderstredender und doch am Ende sich einender Ausfassungen bezeichnet werden. Er besagt, „daß zu einem lebendigen Judentum im Haus" — und was für das Haus gilt, ist auch der Synagoge billig — „symbolische Betätigungen notwendig sind." Ferner wird gewünscht, „daß eine Auswahl alter Symbole, die dazu geeignet sind, neubelebt, andere, wenn möglich, neu geschaffen werden." Rabbiner Baeck hatte in seinem Generalreferat, das die vielhundertköpfige Menge in atemloser Spannung hielt, „die Botschaft des liberalen Judentums an den Juden von heute" in geistvoller Weise behandelt. Er hatte in seinen Ausfuhrungen das Jüdische zerlegt in ein „Konstruktives" und ein „Dekoratives". In den Formen der jüdischen Aeberlieferung sieht er — unter liberalem Gesichtspunkt betrachtet sicherlich mit Recht — und gewiß in dem Streit um ihre Beibehaltung oder Entfernung, sofern dieser sich auf Einzelheiten erstreckt, lediglich schmückendes Beiwerk. Die ins einzelne gehende und abwägende Erörterung und Bewertung dieser Dinge erscheint ihm nebensächlich und nicht die Hauptaufgabe, vielleicht überhaupt nicht die Aufgabe des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum zu sein. Worauf es ihm ankommt, das ist, aus allen Erscheinungen jüdischen Geistes, auch aus seinen Mythen und Zeremonien das Grundsätzliche und Wesentliche des Judentums, also das „Konstruktive" mit einem heißen Bemühen, das jedem einzelnen aufgegeben ist, herauszuarbeiten, damit es dann auch jeder persönlich in oer Wirklichkeit des Lebens betätige und so darstelle. Baeck gegenüber betonte Rabbiner Lehmann, der Prediger der jüdischen Reformgemeinde in Berlin, den Unwert aller Symbolik, die gänzlich beiseite zu schieben sei, damit um so reiner und heller die geistig-sittlichen Ideen des Judentums hervortreten und von den Juden in ihrem Leben verwirklicht werden könnten. Als dritten unter den Hauptwortführern möchte ich den Vorsitzenden des Wellverbandes Claude Montefiore aus London nennen, der gewiß mit einem sehr weitgehenden, ins Universale schweifenden Liberalismus den Ideengehalt des Judentums in den Vordergrund rückt, der aber dennoch die Auseinandersetzung des jüdischen Rituals mit den praktischen Notwendigkeiten des heutigen Lebens als ein wesentliches Erfordernis der Arbeiten hinstellte, die das religiös-liberale Judentum immer und in heutiger Zeit erst recht zu leisten habe. Unsere Verbandsbrüder wird auch die Stellungnahme der Wellkonferenz zum Zionismus interessieren. Die Frage hat früher schon zu lebhaften Erörterungen Anlaß gegeben. Unter den Theologen Amerikas, Englands wie auch Deutschlands finden sich manche, die Liberalismus und Nationalismus jüdischer Art miteinander verbinden wollen. Zum mindesten möchten sie keinem Zionisten die Zugehörigkeit zum liberalen Judentum verwehrt sehen. Der letzteren, gewissermaßen praktischen Forderung hat man Rechnung getragen, indem der Weltverband in diesem Punkte Neutralität bekundet und auf der Berliner Tagung mit klugem Bedacht die Erörterung dieser Fragen gänzlich zurückgestellt hat. Für uns als K.C.er, die wir den jüdischen Nationalismus ablehnen, erübrigt sich erst.recht eine Auseinandersetzung über diese Probleme, so anregend sie auch fern mögen und so eigenartig es berühren mag, die Versuche zu beobachten, die auf die Aufrichtung eines — wenn das Wort gestattet ist — liberalen Misrachismus hinauslaufen. Die Tagung des Weltverbandes selbst brachte freilich für den unvoreingenommenen Zuschauer bzw. Zuhörer wichtiges Material für die Beantwortung der Frage, ob es denn bei den Juden der verschiedenen Länder eine weitreichende Uebereinstimmung ihrer charakteristischen Eigenart gebe, so daß auf dieser Grundlage der Aufbau der jüdischen Nation aus diesen auseinandergerissenen Bestandteilen möglich Ware. Auch wenn man das Temperament der einzelnen, wie notwendig, nicht in Rechnung stellt, so war doch auffällig die starke Verschiedenartigkeit der bei der Tagung auftretenden Redner und Berichterstatter. Trotzdem es sich im wesentlichen um westeuropäisch-amerikanische Juden handelte, waren diese Vertreter aus den einzelnen Ländern und deren Kulturen in der Eigentümlichkeit ihres Wesens ganz augenfällig auseinandergehend. Was sie alle zusammenhielt, war der tief religiöse Gedanke, der Glaube an den einen heiligen Gott ihrer Väter, an dem sie festhalten wollen über diese Zeit und ihre Erfordernisse, denen Rechnung zu tragen ist, hinaus bis in ferne Zukunft hinein, die den Gott Israels als den Gott der Welt und der Menschheit anerkennen und voller Demut in einem Leben des Friedens und der Wahrheit verehren wird. Möge dieser große starke Glaube auch in den Herzen vieler K.C.er eine Stätte haben und sich in der Wirklichkeit ihres Daseins und in der Geartung ihrer Nachkommen ausprägen! Das 8. K. C.-Kportfest irr gvankfuvt a.M. Wie alljährlich, fand gegen Ende des Sommersemesters das K. C.-Sportfest statt, und zwar diesmal am 27. und 29. Juli auf dem wundewollen Platz des Sportclub 1880 zu Frankfurt a. Main. Es ist für die junge Sportbewegung des K.C. ein gutes Zeichen, wenn sich an die 100 Teilnehmer aus alten Verbindungen heiße Kämpfe lieferten, die zwar keine Spitzenleistungen hervorbrachten, aber dennoch in vielen Disziplinen eine Hebung des Gesamtdurchschnitts erkennen ließen. Eine 4x100 Meter-Staffel, die 47,4 Sekunden läuft, kann mit den meisten Korporationen, die wie wir den Sport als Nebenzweck betreiben, durchaus konkurrieren. Die Zeit in der Schwedenstaffel von 2:14 Min., die bestimmt auf 2:10 Min. gedruckt werden könnte, stellt der Mannschaft ein recht gutes Zeugnis aus. In den Läufen dominierte, wie es schon beinahe Tradition geworden ist, die Vineta; sie ließ sich keine Staffel und keinen Einzelwettbewerb entgehen, abgesehen von den 100 Metern für Anfänger. Die Sprevia hatte entgegen dem vorigen Jahre durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle keine Mannschaft geschickt und war nur mit einem Wettkämpfer vertreten. Mehr in den Vordergrund schoben sich Rheno- Silesia und besonders Rheno-Palatia. Nun zu den Kämpfen selbst: Im IOO Meter-Gndlauf, offen für alle, hatte Neumann (Rh.-Pal.) einen glänzenden Start und führte bis 75 Meter, dann erst mußte er sich der größeren Endgeschwindigkeit von Emanuel (Vm.) beugen, oer auf der sehr weichen Bahn die Strecke in 12 Sekunden zurücklegte. Newmann war im Zwischenlauf allerdings die beste Zeit

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