KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 8 (25.7.1928)
- Date
- 1928-07-25
- Page
- Seite 72 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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72 judaica, und ein Vortrag von Dr. Fritz Bamberger aus Berlin über die geistige Gestalt Moses Mendelsohns vorgesehen waren, erwartete die Mitglieder und Freunde der Gesellschaft, zu denen sich eine Reihe besonders geladener Gäste gesellte, Vertreter der Stadt, der Universitäten Köln und Bonn, der Gemeinde, des Rabbinats sowie aller maßgebenden jüdischen Verbände der Stadt, unter denen natürlich auch der K. C. vertreten war. Den genannten Vorträgen ging außer dem rein geschäftlichen Teil eine kurze Ansprache von Professor Baeck voraus. Er hob hervor, daß die Förderung der Wissenschaft des Judentums nicht neben dem Judentum als solchem einhergehen dürfe, sondern Angelegenheit der Gemeinde sein sollte. Seine Ausführungen gipfelten in den Worten, daß die vornehmste Aufgabe der Gesellschaft sei, ihrerseits an der Wiedergeburt der im vorigen Jahrhundert uns verlorengegangenen Kultur zu arbeiten. Professor Elbogen umriß sodann das gesamte überaus reiche Tätigkeitsfeld der Gesellschaft, die im November des vergangenen Jahres auf ein 25 jähriges Bestehen zurückblicken konnte, und deren Mitgliederkreis weit über die Grenzen Deutschlands, ja sogar der Iudenheit hinausgreift. Die Verbindung zwischen den zum Teil weit entfernt wohnenden Mitgliedern mit der Gesellschaft, die bekanntlich ihren Sitz in Berlin hat, stellt die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" her. Dogmatik und Bibelwissenschaft finden ihren Niederschlag in dieser Monatsschrift, die sich bemüht, dem Gelehrten wie dem Laien Anregung und Belehrung zu geben. Die größten Anstrengungen der Gesellschaft auch im vergangenen Jahre galten aber der Vollendung des gerade für uns deutsche Juden so überaus bedeutsamen Geschichtswerkes der Germania judaica, dessen erster bis zum Jahre 1238 reichender Band schon 1927 erschienen ist und dessen zweiter Band — das Manuskript hierzu war verloren gegangen — noch vor Ende dieses Jahres im Druck vorliegen wird. Der dritte Band, vom Jahre 1500 bis zu den Wiener Verträgen (1815), wird dieses gewaltige Geschichtswerk abschließen, das — von den ersten jüdischen Siedlungen am Rhein zur Römerzeit bis zu dem Ziel ihrer Wanderungen in Polen, Mähren, Galizien und Rußland — die Verbundenheit der deutschen Juden mit germanischer Kultur auf Grund eines unantastbaren Quellenmaterials aufzuweisen bemüht ist. Neben der Arbeit an der Germania judaica verdanken viele Textübersetzungen und Textausgaben, vor allem aber das corpus Tannatticum ihr Erscheinen der Initiative der Gesellschaft. Professor Elbogen wies mit berechtigtem Stolz darauf hin, daß das erste Buch, das die Gesellschaft veröffentlicht hat, Baecks „Wesen des Judentums" war. Anter den sonstigen Veröffentlichungen der Gesellschaft sind vor allem die Grundrisse der Gesamtwissenschaft des Judentums zu nennen, von denen bisher acht erschienen sind, die in ihrer Gesamtheit heute schon die bedeutendste systematische Darstellung der Wissenschaft des Judentums ausmachen. Wenn demnächst die kritische Ausgabe der Gesamtwerke Moses Mendelsohns erscheinen wird, so wird die Gesellschaft ein neues Ruhmesblatt an die'vergangenen geheftet — und sich ein weiteres unvergängliches Verdienst um das Judentum und die Wissenschaft überhaupt erworben haben. Wohl von der Anteilnahme weiter Kreise an dieser letzten Arbeit ausgehend und um noch ein allgemeineres Interesse dafür zu erwecken, hatte man als Thema des Festvortrages, den Lerr Dr. Bamberger hielt, „Die geistige Gestalt Moses Mendelsohns" ausersehen. Im Nahmen dieser kurzen Besprechung kann aus der Fülle hochinteressanter — für den Laien allerdings nicht immer leicht verständlicher — Gedankengänge des Red. ners nur einiges Wenige herausgehoben werden. Die geistige Gestalt Moses Mendelsohns, so ungefähr führte Dr. Bamberger aus, stellt eine Kombination von Judentum, Weltweisheit und Lumanität dar. Ein großer Teil seiner Werke ist freilich erst jetzt uns bekannt geworden, so daß eine neuere Analyse die einzigartige und durchaus einmalige Persönlichkeit Moses Mendelsohns in ihrem ganzen Amfang wird Herausstellen können. Einer der ganz wenigen Zeitgenossen Mendelsohns, die hinter die Fassade seiner Persönlichkeit zu schauen vermocht und uns dadurch auch wesentliche Aufschlüsse über sie zu geben vermocht haben, ist sein streitbarer Freund und Gegner Georg Äamann gewesen. Lamann ist Mendelsohn „der gefährliche Geist der Abstraktion", ein „Nationalsophist", dabei doch „Stockjude". — Den Ausgangspunkt der geistigen Gestalt Mendelsohns muß man bei Leibnitz suchen. Auf den Nationalismus eines Leibnitz folgt mit Mendelsohn die Abstraktion und das „ästhetische Sinngesetz". „Eine jede Erkenntnisart hat ihren Wert" (Mendelsohn). Besonders in der Aesthetik führt Mendelsohn aus der „Aufklärung" heraus. Ganz eigentümlich ist nun im Linblick auf seine philosophische Lattung Mendelsohns Stellung zum Judentum bzw. zur Religion. Seinem philosophischen System steht als etwas Tatsächliches das Judentum gegenüber und durch das Judentum die Religion. Glaube und Wissen! Das Problem ist, beide zu vereinen. Mendelsohn ist davon überzeugt, daß keine Religion so sehr Vernunftreligion sei wie das Judentum. Diese eigentümliche Doppelpoligkeit liegt weniger in der geistigen Struktur Mendelsohns, als in seiner rein menschlichen Persönlichkeit begründet, wie überhaupt seine Bedeutung weniger in seinem Werk, dem Niederschlag seiner Gedanken, als vielmehr in dem großartigen Beispiel liegt, das er seinen Zeitgenossen gab, und durch das er noch Generationen, die auf ihn folgten, befruchtete. Ja, man kann, so meinte der Redner, sogar dahingestellt sein lassen, ob die allgemein vertretene Auffassung, daß das Werk Mendelsohns als solches im rein philosophischen Sinne einen neuen Abschnitt für die jüdische nnd darüber hinaus die allgemeine Religionsphilosophie einleite, nicht doch auf einem Mißverständnis beruht. Der Vortrag Bambergers wie die Veranstaltung der Gesellschaft überhaupt war für alle ein ganz großes und eigenartiges Erlebnis. Das oft auch im K. C. mißbrauchte Wort des großen deutschen Dichters erhielt hier einmal wieder einen Sinn: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!" Dr. Fritz Dreyfuß (Rhenosilesiae) Strrderrlerrausweis des D. ir. Oe. A.-U. Die 54. Lauptversammlung des Deutschen u. Oesterr. Alpenvereins hat am 15. Juli beschlossen, daß mit Wirkung vom nächsten Semester ab die Studentenausweise des D. u. Oe. A.-V., die bisher von den Astas ausgegeben wurden, aufgehoben werden. Es wird daher den Kbr. Kbr., die im Winter nach München, Freiburg usw. kommen und von dort aus Touren unternehmen wollen, dringend angeraten, ihrer Leimatsektion beizutreten, da sie sonst der Vergünstigungen verlustig gehen.