KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 11 (30.11.1927)
- Date
- 1927-11-30
- Page
- Seite 86 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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86 so viele Bundesbrüder und Freunde, wir alle, die mit ihm in nähere Berührung getreten waren, empfinden. Und es war auch kein Zufall, daß sich in Hannover alle jungen K.C.er sowohl in Korporationsnöten wie in Privatangelegenheiten immer — ich kenne keine Ausnahme — zunächst au Erwin Friede wandten. Die „sprichwörtliche Friedesche Liebenswürdigkeit^ auch diesen Ausdruck entnehme' ich einigen Beteidsschreiben — zeigte sich eben nicht nur in freundschaftlichen Worten, sondern vor allem in Praktischem Rat. Die Freundschaftlichkeit und Hilfsbereitschaft unseres Erwin' Friede gewann ja ihren Wert erst durch seine Tatkraft, seine Geschicklichkeit und seinen klar arbeitenden Verstand. Diesen drei letzteren Eigenschaften verdankt er seine Erfolge. Trotz der kurzen Dauer seiner Anwaltstätigkeit gehörte er bereits zu den meistgeschätzten Anwälten Hannovers. Mit kaum 30 Jahren war er jüngstes Mitglied des Repräseutantenkollegiums der Gemeinde Hannover und Vorsitzender der Ortsgruppe des C. V. Welches Vertrauen er innerhalb unseres Verbandes genoß, beweist seine Berufung in den G.A. sowie das ihm anvertraute Korreferat über die Frage der Politisierung der K. C.-Arbeit gegenüber einem Referenten wie Haas. 2n wie ausgezeichneter Weise er sich dieser Aufgabe entledigt hat. werden die Teilnehmer am Breslauer K. C.-Tag 1926 noch in Erinnerung haben. Es ist wohl nicht zuviel gesagt, daß man allgemein, namentlich in unserem Verbände, in der Gemeinde, in der ganzen jüdisch interessierten Oeffentlichkeit in ihm einen künftigen Führer sah. Ich kenne Erwin Friede seit 26 Jahren, seit der untersten Vorschulkbrsse, in der wir. uns Ostern 1901 begegneten. Wir waren 12 Gymnasialjahre hindurch die besten Freunde, gingen gemeinschaftlich zur Universität, wurden Bundesbrüder und traten im Januar 1915 auch gemeinschaftlich ins Heer ein. Der Krieg trennte unsere Wege,- Friede stürzte während seiner Ausbildungszeit mit dem Pferde und kam infolgedessen etwas später und zu einem anderen Truppenteil ins Feld als ich. Schon nach kurzer Zeit wurde er an der Düna schwer verwundet und als „d. u." entlassen; seine Wunde besserte sich aber schnell, er konnte sein Studium vollenden und betätigte sich als Referendar schon mit besonderem Erfolge bei der Reichseutschädigungskommission sowie dem Magistrat Berlin. Nach erfolgreichem Assessoreramen nahm er zunächst den ihm angebotenen Posten eines Syndikus der Hackethal-Draht- und Kabelwerke A.-G. in Hannover an und war zugleich — und zwar bis zu seinem Tode — als Justitiar bei der Mechanischen Weberei zu Linden tätig. Die Stellung bei den Hackethal-Werkeu vertauschte er 1923 mit der scheinbar noch besseren Position als Direktor der Wolf-Werke Chemische Fabriken in Hannover, die er aber nach kurzer Zeit aufgab, um sich der Anwaltschaft zu widmen, dem Berufe, für den ihn Anlage und Neigung bestimmten. Da ich kurz zuvor Anwalt geworden war, so war es für uns selbstverständlich, daß wir lins nunmehr auch beruflich verbanden. Innerhalb kurzer Zeit hat Erwin Friede große Erfolge erzielt, die ihn mit stolzer Genugtuung erfüllten- — er war glücklich in seiner jungen Ehe,- — den Höhepunkt seines Lebens aber hatte er noch nicht erreicht. Seine Freunde, die Gemeinde, der Verband, die Allgemeinheit erhofften noch vieles von ihm; das ersehnte Vaterglück stand ihm noch bevor; — jäh haben seine und unsere Hoffnungen ein tragisches Ende gefunden-1 Wir aber sind als K. C.er, als Freunde, als deutsche Juden stolz darauf, daß er zu den Unseren zählte! „Denn er war unser. Mag das stolze Wort den lauten Schmerz gewaltig übert öiren!" Dr. Ludwig Rose (Lic.,Vis.,Suev.) Zwei eindrucksvolle Veranstaltungen des K. C. in Hamburg. Der Hanseatische Landesverband des K. E. trat zum ersten Male seit längerer Zeit am 22. und 23. Oktober mit zwei großangelegten Veranstaltungen an die Hamburgische jüdische Oeffentlichkeit. Am Sonnabend, den 22. Oktober, fand ein Kommers im großen Saale des Ueberseeclubs statt, zu dem eine große Zahl Kartellverbindungen ihre Chargierten entsandt hatten. Auch eine große Zahl auswärtiger Kbr. Kbr konnte begrüßt werden. . Auch an dieser Stelle sei den Verbindungen für die tatkräftige Hilfe und den auswärtigen Kbr. Kbr. für ihr Erscheinen recht herzlich gedankt. Eine große Zahl Hamburger Persönlichkeiten war eingeladen und ein großer Teil war dieser Einladung gefolgt. Man sah u. a. den Vorsitzenden der D. I. G. Hamburg, Herrn Alfred L e v y, sowie die Herren Franz Liebermann, Alfred Lisser, Dr. Herbert Pardo (M. d. V.), Max Marburg, Professor Wassermann und viele andere. Etwas über 200 Personen wohnten dem Kommers bei. Die Farben der Verbindungen gaben dem Ganzen ein festliches Gepräge. Aach dem feierlichen Einzilg der Chargierten begrüßte der Vorsitzende des Landesverbandes, Kbr. Dr. Heiner Oppenheimer (Bav.), der den Kommers leitete, die Erschienenen. In seiner Begrüßungsansprache hob er die Aufgaben des Landesverbandes hervor und erklärte vor allem den erschienenen Gästen, daß, warum und mit welchem Recht die Veranstaltung im Rahmen eines Kommerses vor sich ging.