KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 7 (16.7.1927)
- Date
- 1927-07-16
- Page
- Seite 48 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Nochmals Otto MemlrigerHrrrrd das Judentum. Von Dr. Erich Lew in (Sprev., Alb.) Erwiderung zu dem Artikel von Pro- Erwiderung zu dem Artikel von Professor noyrer, xi. vi.»xnaocr, »eyi l, 17. Jahrgang. . Nachdem bereits zwei V. D. St.er zu diesem Thema zu Worte gekommen sind» will im folgenden ein K. C.er hierzu Stellung nehmen. Herrn Strahlmanns Ausführungen» der die unpassende Gelegenheit benutzte» um seinem blindwütigen Hatz gegen alles Jüdische die Zügel schießen. zu lassen, erscheinen mir nicht einer Diskussion wert, wohl aber ist es mir ein Bedürfnis, Herrn Professor Köhler zu entgegnen und Otto Weininger zu verteidigen» den ich seit meiner frühesten Jugend verehre. Herr Professor K. tut ihm mit seinem Artikel unrecht. Er sieht mit der ganzen Verachtung des Fachmannes — in diesem Falle des Zoologen — auf Weininger herab und spricht ihm das Recht ab, überhaupt in biologischen Dingen mitzureden. Dagegen ist einzuwenden, daß W. trotz seines jugendlichen Alters von knapp 21 Jahren, als er das berühmte Buch „Geschlecht und Charakter" schrieb, bereits Dr. med. et phil. war. Aber selbst wenn er ein Laie gewesen wäre, bestände kein Grund, ihn abzulehnen» denn wir wissen, daß überhaupt viele Entdeckungen der Naturwissenschaft auf Errungenschaften der Volksmedizin zurückgehen, wie z. V. die Vaccination von Jenner, die Basis für die moderne Jmmun-Wissenschaft, auf die Beobachtung der Lady Montague bei der türkischen Bevölkerung. Professor K. ärgert sich am meisten darüber, daß W. es gewagt hat, die bestehenden Vegrisfe der Wissenschaft zu sprengen und neue zu schmieden, haßt überhaupt alles Geistreiche und Intuitive, vergißt aber dabei, daß die wichtigsten Neuerungen der gesamten Wissenschaft auf intuitivem Wege gefunden und erst nachher experimentell bewiesen worden sind. Ileberhaupt ist die Intuition das Charakteristikum genialer Männer. Als einziges Beispiel für viele will ich Paul Ehrlich anführen, dessen Arbeitsweise eine typisch intuitive war. Wie auch immer, erscheint mir Professor K.s Darstellung der Dinge, es gebe eben „weibische Männer und zigarrenrauchende, bubiköpsige Frauen" oder es gebe „ehrenwerte Juden und unter den Christen auch einmal einen Lumpen" usw. weit weniger wissenschaftlich als W.s Versuch, diese Erscheinungen gesetzmäßig zu erfassen, Zusammengehöriges unter eine höhere Einheit zu ordnen und psychologisch zu vertiefen, auch wenn dieser Versuch gescheitert sein sollte Zur Sache selbst: Die Lehre, daß es keine reinen Männer und Frauen, sondern nur Mischungen männlicher und weiblicher Komponenten gibt, erscheint uns heute als sog. Zwischenstufentheorie geläufig; damals, um 1900 herum, bedeutete die Ausstellung dieser Lehre durch W. eine Tat. Er war es, der neben Magnus Hirschfeld und anderen die Grundlagen zur modernen Sexualwissenschaft schuf (vergl. Jahrbücher für sexuelle Zwischenstufen). Es würde den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen, wollte ich hier auf Einzelheiten dieses komplizierten Gebietes du* gehen. Es genügt, den Namen „Steinach" und das Schlagwort „innere Sekretion" in die Debatte zu werfen, um zu beweisen, welche Rolle diese Dinge heute spielen. Als einzigstes Beispiel für die Fruchtbarkeit W.scher Gedauken möchte ich nur anführen, daß seine geniale Theorie der sexuellen Anziehung der Geschlechter, völlig basierend auf seinen neu geschaffenen Begriffen, auch heute noch als die beste Erklärung zahlreicher Phänomene wie Homosexualität usw. angesehen wird. Daß W.s Auffassungen für das Tierreich nicht zutreffen, wie Professor K. versichert, ist kein Gegenbeweis gegen W., denn sein Buch „Geschlecht und Charakter" ist kein zoologisches, sondern ein philosophisch-psychologisches Werk. Aber es ist noch mehr als das. Für W. bedeutete es ein Glaubensbekenntnis, und zwar ein heilig-ernstes. Das, was das Buch so erschütternd macht (wofür offenbar Herrn Professor K. jedes Verständnis fehlt), ist, daß es einen Standpunkt vertritt, mit dem der Verfasser stand und ... fiel. Er erschoß sich bekanntlich im Alter von 21 Jahren. Er hatte als Konsequenz seiner Ansichten über die Geschlechter Forderungen für die praktische Lebensgestaltung aufgestellt, denen er offenbar für seine Person nicht gewachsen war und wollte nicht sich selbst untreu werden. 2n diesem Zusammenhang ist das Kapitel des Buches über das Judentum interessant. Er stellt eine psychologische Ueberspitzung seines Grundgedankens Mann, Weib dar. W. setzt arischmännlich und jüdisch-weiblich, nachdem er vorher ausführlich das Männliche für das Wahrhafte, Schöne, in höchster Potenz, als das Geniale, also in jeder Hinsicht Erstrebenswerte geschildert hat, das Weibliche dagegen als das in ethischer, ästhetischer, überhaupt in jeder Hinsicht Minderwertige, das nur dazu da sei, um den Mann an seiner Männlichkeit zu verhindern, also Verabscheuungswürdige. Was hier speziell den K. C.er interessiert, ist, daß hier nichts anderes vorliegt, als der auf eigenartige Weise unternom-