KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 8 (25.8.1926)
- Date
- 1926-08-25
- Page
- Seite 60 (sequence 2)
- Language
- German
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60 Oesterreichs unb des Sndetenlandes, die immer noch unter der irreführenden Bezeichnung „Dentßhe Studentenschaften" fungieren, haben fit%t jedes nnqefiutiKiic Tausend ihrer Mitglieder nach dem Staude vom 1. Juni eines jeden Jahres einen stimmberechtigten Vertreter ans dem Stndententag. Nach einem in früheren Jahren allgemein anerkannten Gewohnheitsrecht werden die Delegierten zum Stndententage in den Einzelstudentenschaften nach den Cörnndsälzen der Verhältniswahl ansgewählt, deren '-Beobachtung verfassniigsgemäß für die BeseKnng der studentischen Aentter und -Ausschüsse vorgeschrieben ist. -Ans diese weise haben starke Minderheiten stets die Möglichkeit. in den Delegationen vertreten zu sein. In diesem Jahre wurde verschiedentlich versucht, die Minderheiten von der Vertretung ansznschlies;en, indei» man statt der Verhältniswahl eine gewöhnliche Wahl veranstaltete. bei der die Liste der von der völkischen Mehrheit nominierten Delegierten die meisten Stimmen erhielt. So wurde an verschiedenen Orten, x. V. in Hambnrg. die Minderheit um ihr Recht der Vertretung gebracht. Die Ovvosition konnte deshalb in Bonn nur mit wenigen Vertretern erscheinen, die aber trotz ihrer zahlenmäßigen SelM'äche eine starke "Aktivität entfalteten und der Mehr!,eit häufig recht iinbegnem werden konnten, zumal in vielen wichtigen fragen die westdeutschen Studentenschaften - - namentlich Bonn. 'Aachen. Münster - ihre kleine Jyroitt verstärkten. So war die Minderheit wenigstens in der Lage, eine gewisse Kritik ansznübcn. um durch eine frisch-fröhliche Ovvosition der Oeffentlichkeit erneut die dringende Notwendigkeit einer baldigen Revision der studentischen Verhältnisse vor Augen zu führen. Die eigentliche Tagung begann am Freitag, den!l». Juli mit einem Vegrüßnnasabend. zu dem die gaitgebende Vomier Studentenschaft geladen halte. Im Laufe des Tages hatten vorher die einzelnen kreise, die „Deutsche Studentenschaft" ist in zehn Preise eingeteilt, ihre Tagungen abgehalten. Diesen Kreislaaen kam eine gewisse Bedentnng zu, da sie für die Rildnng der einzelnen Ansuhüsse des Stndententages ausschlaggebend tvaren. Die eigentliche "Arbeit wird nämlich auf den Stndententagen in Ausschüssen geleistet, die den vorhandenen Stoff dnrcharbeilen und in Zarin von Resrlntione» dann dem Plenum zur Beschlußfassung vorlegen, das sie dann meist ohne große Debatten anznnehmen pflegt. So gibt es z. V. einen Rechtsansschnß. einen -Anslandsansschns;, einen staatspolitischen "Ausschuß. einen wirtschaftsansschns; n. a. Neben diesen Stndententagsansschüssen gibt es Ausschüsse des Studientages, der immer mit dem Stndententag znsamniengeleat wird, obwohl es sich doch um ganz verschiedene, völlig zu trennende "Arbeitsgebiete handelt, denn , auf dem Stndententag werden die "Aufgaben der volitischen Studentenschaft behandelt, während der Studientag sich mit dem Arbeitsgebiet der Zachschaften befaßt, Einrichtung. (Gestaltung undNenordniing der Stndienverhältnisse bespricht. Diese durchaus unsachgemäße und unpraltische Vergnicknng erfolgt auch, wie ja last mies bei der ..Deutschen Studentenschaft". ans politischen Veweggrüuden.. Die leitenden reise der ..Deutschen Studentenschaft" fürchten, daß die Zachschaften eine ähnliche Entwicklung wie die Wirtschaftskörper nehmen werden, die heute von der politischen Studentenschaft fast völlig getrennt, in der in Dresden residierenden Wirtschaftshilfe zusammengesaßt und so dem Einfluß des Vorstandes der ..Deutschen Studentenschaft" fast völlig entzogen sind. Innerhalb der Zachschaften sind starke Tendenzen für eine ähnliche Entwicklung vorhanden. Es kam zu einem gemeinsamen Vorgehen der meisten Zachschaflsoorsitzer, die in einem Schreiben an das Preußische ttnllnsministerinm schwere "Angriffe gegen die „Deutsche Studentenschaft" richteten. Der Vorstand hat sich bitter gerächt, die beteiligten Vorsitzer wurden fast sämtlich ihres Amtes enthoben und für die Arbeit auf dem Stndententag ansgcschaltct. Eine weil größere Vedentnng als den '-Ausschüssen des Studientages kommt aber den -Ausschüssen des Studententages zu. deren Zusammensetzung von den Kreisen abhängt, die ie einen stimmberechtigkLii Vertreter in die "Ausschüsse entsenden. Als einziger Minderheitsvertreter des Kreises X hatte ich wenig Aussicht, in einen Ausschuß zu gelangen, da die etwa dreißig Delegierten der Mehrheit eine reichliche Auswahl unter ihren eigenen Zrenndcn Hatten. Ich war deshalb sehr überrascht, daß man mich trotz dieser Konslellalion als Stimmführer in den staatspolitischen "Ausschuß entsandte. Mein Kreis bewies damit eine anznerkennende Mäßigung, denn er wußte sich damit von der verschiedentlich auftretenden Tendenz, die Minderheilen auch von der sachlichen Mitarbeit ansznschalten, frci.znmachen. Der Begrnßnngsabend in der Beethovenkralle endete noch ehe er begonnen hatte mit einem schrillen Mißklang. Es war das erste Glied einer Kette von .Zwischenfällen, die die ganze Tagung beherrschten: wollte man sie numerieren, so würde man kaum mit einer einstelligen Ziffer anskommen. Die einladende Bonner Studentenschaft ist bekanntlich in ihrer Mehrheit dem lokalen Milieu entsprechend republikanisch gesinnt. Man erinnert sich gern ihrer aufrechten Haltung im RnHrkampf, man denkt daran, daß sie als letzte der Würzburger Verfassung beigetretcn ist. man lernte ihre maßvolle Haltung erst in allerjüngster Zeit kennen, als sie die Streifparole der „Deutschen Studentenschaft" anläßlich der Lessina.Affäre mit einer glatten 'Absage beantwortete. Die Bonner Stndentenßhaft hätte am liebsten schwarz-rot-gold geflaggt. Man wußte aber nur zu genau, daß dann ein großer Teil der Gäste verlangen würde, neben die Reichsfahne auch die alten schwarz-.ineiß-rolen Farben zu setzen. Dies erschien Bonn untragbar, um aber berechtigte Empsindnnqen vieler Gäste -n schonen, hatte man sich darauf geeinigt, keine Zahne anznbringen. Ohne wissen des Gastgebers und Hausherrn, des Vorstandes der Bonner Stndentenschast. hatte der Vorstand der „Deutschen Studentenschaft" eine schwarz-weiß-rote und eine Reichsflagge im Saale anbrinaen lassen. Als darauf der Vorsitzende der Bonner Studentenschaft cdiib. theol. cats). Mager beide Zahnen entfernen ließ, verließ ein großer Teil der Gäste demonstrativ den Saal. Nnr die Vertreter der Kreise V und Vl, die Delegierten der Minderheit, die Presse, geladene Gäste und der Borstand der „Deutschen Studentenschaft" blieben zurück. Die Bonner Herren ließen sich dadurch nicht stören, der Vorsitzende Mager hielt die programmäßig vorgesehene Begrüßungsansprache, worin er besonders die Tatsache hervorhob. daß während der BesalznngSzeit das Rheinland in allen seinen Schichten und Ständen einig gewesen sei und daß insbesondere hei der Abwehr der Separatisten Student und Arbeiter einmütig zusammen gearbeitet hätten. Danach sprach - sichtlich unter dem Eindruck der beschämenden Erlebnisse des Abends -- cand. jnr. Cremer, der Leiter des Kreises V. Er erinnerte daran, daß der Stndententag trotz der trüben Erfahrungen des Abends ein Ausdruck der Treue des übrigen Deutschlands zum Rhein sein solle. Der Stndententag müsse deshalb ein rbeinisches Gepräge erhalten. Der genins loci müsse über der