KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 7 (15.7.1926)
- Date
- 1926-07-15
- Page
- Seite 55 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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55 völkischen Gruppen hatten dieser Verfassung zunächst zugestimmt, sondern sind aus dein Studentenausschuss ausgetreten, sodaß die Regierung gezwungen war,^ anzudrohen, dass, wenn eine ordnungsmäßige Verfassung nicht zustandckommt, der Studentenschaft das Recht zur Erhebung von Zwangsbciträgen in Zukunft genommen wird. Selbstverständlich^ sahen hierin die Rechtsgruppen einen schweren Eingriff in die Selbstbestimmung der Studentenschaft, aber man tann es der Regierung nicht verübeln, wenn sie verlangt, dass, wenn eine Studcntensrbaft die staatliche Anerkennung fordert, sie sich auch mit den staatlichen Grundsätzen deckt. So haben dann auch schliesslich die völkischen Gruppen nachgegeben und die Satzung in der geforderten Form anerkannt. Wichtig ist,'dass sich das Ministerium auch Vorbehalten hat, unter Umständen den Asta aufzulösen, sofern das Verhalten eines der Organe der Studentenschaft die akademische Ordnung gefährdet. Nachdem leider die Erfahrung gelehrt hat, daß derartige Verfehlungen nicht ausgeschlossen sind, — wir denken hierbei nicht nur an die Fälle von Unterschlagungen, wie sie in Berlin vorgekommen sind, sondern auch an Uebergriffe des Asta in bezug auf ein Eingreifen in das Disziplinarrecht nach Muster von Hannover und Freiburg, wird eine derartige Befugnis nicht unberechtigt erscheinen. In Karlsruhe, wo leider die freiheitlichen Gruppen einer entsprechenden Organisation ermangeln, fehlt es an der Möglichkeit einer studenten-parlamentarischen wirksamen Vertretung der kultur-politischen Gesichtspunkte. Infolgedessen hat man sich mit dem Ministerium auf ein Kompromiß geeinigt, nach dem die Ausländsdeutschen soweit zur Studentenschaft gehören, als Studentenschaft und Rektorat sie als Ausländsdeutsche anerkennen. Die einzige badische Lochschule, für die überhaupt eine rechtliche Grundlage des Asta noch fehlt, ist die Universität Freiburg. Wie wir den Akademischen Blättern des V. D. St. entnehmen, hat das Ministerium, weil bisher eine Satzung mit ordnungsmäßiger Mehrheit nicht angenommen ist, sich auf den Standpunkt gestellt, daß wenn bis zum Ablauf des S S. 1926 eine den ministeriellen Richtlinien entsprechende Verfassung nicht eingereicht ist, die Studentenschaft ausgelöst werden wird. Die Entwicklung in Freiburg wird daher abzuwarten sein. Es ist ein Irrtum, wenn man annimmt, dass es sich nur um die jüdischen Ausländsdeutschen handelt, es geht um mehr. Man will auch hier wieder zunächst diejenigen auszuschalten suchen, bei denen man glaubt, am leichtesten sein Ziel erreichen zu können, um dann auch den deutschen Juden ihr Recht zu nehmen Die Vorgänge, über die wir in der Juni-Nummer der K.C- Mitteilungen aus Breslau bei der Behandlung der studentischen Ehrenordnung berichteten, beweisen das wiederum aufs neue Sollte aber nicht vielleicht auch dieser Streit Ministerium und Rektorat zeigen, daß es bei den Streitigkeiten, die der K. C. in Freiburg auszufechten hat, um mehr geht als um Nebensächlichkeiten und daß es einfach nicht glaubhaft ist, wenn immer erneut behauptet wird, daß antisemitische Tendenzen in Freiburg fehlen. Die Entwicklung beschränkt sich aber nicht auf Baden. Bei der 2. Lesung des Etats des Kultusn inisteriums ist im Preußischen Landtag ein sozialdemokratischer Eintrag angenommen worden, durch den das Ministerium ersucht wird, die Verordnung über die Bildung von Studentenausschüssen dahin abzuändern, daß genau entsprechend den badischen Richtlinien künftighin alle österreichischen Staatsangehörigen in den preußischen Studentenschaften Mitgliedsrechte genießen. — Am zu erreichen, daß auch die Gesamtorganisation, die Deutsche Studentenschaft, künftighin diesem Prinzip Rechnung trägt — bekanntlich gehören ihr bisher nur die völkischen Gruppen der österreichischen und sudetendeutschen Studierenden an, nicht aber alle freiheitlichen lauch nichtjiidischen) Studierenden — bestimmt der Landtagsbeschluß weiterhin, daß die preußischen Einzelstudentenschaften sich nur mit solchen Studentenschaften zu einen Gesamtverband zufammenschließen dürfen, die allen ö sterreich ischen Staatsangehörige nMitgliedschaftsrechte zugestehen. Durch die Annahme dieses Antrages, dessen Durchführung wohl nicht lange auf sich warten lassen wird, wird der im August in Bonn zusammentretende Studententag vor eine folgenschwere Entscheidung gestellt. Entweder erkennt die deutsche Studentenschaft, daß der von ihr seit 1922 getriebene Mißbrauch der studentischen Selbstverwaltung zu einseitig parteipolitisch e n D e m o n st r a t i o n e n nicht weitergesührt werden darf, oder sie muß damit rechnen daß die Einzelstudentenschaften als staatlich anerkannte Zwangsorganisationen aller Studierenden zu bestehen aufhören. Im Interesse der studentischen Selbstverwaltung liegt es, daß nun endlich eine Lösung der politischen Streitfragen erfolgt. Die Skandalaffären der letzten Zeit haben dem Ruf der Studentenschaft schwer geschadet. Sie sind nur zu erklären durch das immer stärkere Schwinden der Anteilnahme der großen Masse der Studierenden an der studentischen Selbstverwaltung. Die studentische Selbstverwaltung erneut zu belebcn wird nur dann gelingen, wenn der bisherige Verfassungsstreit und damit die Monopolherrschaft der völkischen Gruppen beendet wird. Wahlen zue Berliner Studentenvertretung. Vom 22. bis 24. Juni fanden an der Berliner!lniversität Wahlen zur Studentenvertretung statt. Die Sluf* lösung der vorherigen Studentenvertretung war bekanntlich notwendig geworden im Anschluß an die Anterschlagungsaffäre Lehmann. Die Beteiligung an der Wahl war größer als im allgememen vorausgesehen wurde. Sie betrug über 70 Prozent. Die Sitze verteilen sich in folgender Weise: Deutsche Finkenschaft.25 früher 28 Berliner Waffenring.23 „ 24 Deutscher Studentenbund.12 „ 15 Deutsche Gruppe.14 „ 13 Jung-studentische Gruppe. 5 „ 7 Vereinigte jüdische Gruppe. 3 „ 6 Sozialisten.11 „ 4 Kommunisten. 5 „ 3 National-Sozial. Stc.den1en-Bund . . 2 „ — Die Vertreter des K. C. waren auf der Liste des Deutschen Studentenbundes, der seine Stimmenzahl an sich behalten hat, aber durch die im Vergleich zur letzten Wahl größere Wahlbeteiligung 3 Sitze eingebüßt hat. Dafür haben aber auf der anderen Seite die Sozialisten, die bis zur Wahl mit vier Vertretern im Deutschen Studentenbund waren und aus wahl-taktischen Gründen diesmal eine eigene Liste aufgestellt hatten, einen sehr bedeutenden Erfolg errungen und ihre Zahl von vier auf elf vermehrt. Bemerkenswert ist der Stimmenverlust der Vereinigten jüdischen Gruppe, die neben dem K. I. V. die jüdisch - neutralen Korporationen umfaßt. Im Gesamtbild ergibt sich für studentische Verhältnisse ein nicht unbedeutender Ruck nach links, der sich zwar praktisch bei Abstimmungen nicht unmittelbar aus wirken dürfte, aber immerhin ein erfreuliches Anzeichen für die Entwicklung und Einstellung der heutigen Studentenschaft zum Staat und zur Republik darstellt.