KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 6 (12.6.1926)
- Date
- 1926-06-12
- Page
- Seite 40 (sequence 2)
- Language
- German
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40 flkademifcfie und allgem. Dachricfiten Idsidi ZnLeressenverband der Apotheken-Aufwertungsgläubiger. Unter den alten Lerren der studentischen Verbände befinden fich viele frühere Apothekenbesitzer, die sich in Aufwertungsschwierigkeiten befinden; sie sind seit Jahren dem Fache entfremdet und somit nicht mehr in der Lage, die Materie voll zu beherrschen. Der Interessenverband der Apotheken-Aufwertungsgläubiger, Berlin-Wilmersdorf, Lelmstedter Str. 30, ist von einer Anzahl ehemaliger Apothckenbesitzer gegründet worden, um den alten Fachgenossen, besonders aber den Witwen und Waisen derselben in ihrem Aufwertungs- Verfahren mit Rat und Tat und auch mit Sachverständigen und Gutachten zur Seite zu stehen. Die im Verbände tätigen Lerren, sämtlich frühere Apothekenbesitzer, arbeiten im Ehrenamte, so daß der Beitritt jedem ohne besondere Kosten ermöglicht ist. Die Lelmstedter Burse. In dem alten ehemaligen Aniversitätsstädtchen Lelmstedt (D-Zughaltestation), welches zwischen Magdeburg und Braunschweig rings von Wäldern umgeben liegt, befindet sich seit 1918 die Lelmstedter Burse, ein Akademiker-Erholungsheim. Zunächst war die Lelmstedter Burse als Gründung des Akademischen Lilfsbundes für akademische Kriegsteilnehmer gedacht. Nachdem die Zahl der Kriegsteilnehmer sich in den studentischen Reihen erheblich vermindert hat, steht die Lelmstedter Burse nun jedem erholungsbedürftigen Studenten, wie auch jedem Altakademiker nebst Familie zur Verfügung. In den Lochschulferien veranstaltet die Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft, die jetzt im Aufträge des Vorstandes der Stiftung Lelmstedter Burse die Geschäftsführung der Burse wahrnimmt, geschlossene Erholungsaufenthalte für mittellose, erholungsbedürftige Studierende, in der übrigen Zeit weilen nur hin und wieder einige Studierende zur Erholung dort. In den Monaten Mai, Juni und Juli, November, Dezember, Januar und Februar steht die Burse in erster Linie Altakademikern offen. Sie können sich hier mit ihren Familien ausgezeichnet erholen. Laus und Küche sind vorzüglich. Die Leitung der Burse liegt in den Länden einer bewährten Schwester. Die Pensions-Preise sind recht niedrig gehalten; sie betragen für den Studenten Mk. 4,25, für den Altakademiker Mk. 5,50 täglich. Anmeldungen werden unmittelbar an die Lelmstedter Burse, Lelmstedt in Braunschweig, Parkstr. 1, erbeten. Auskünfte wegen Aufnahme erteilt zu jeder Zeit die Leiterin/S ch west er Marie Germer, Lelmstedter Burse. Telephon: Amt Lelmstedt Nr. 438. Zu weiteren Auskünften ist bereit die Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft, Dresden A. 24, Kaitzerstr. 2. Gleichzeitig bitten wir die Kartellbrüder, uns über die Aufnahme zu berichten. Arische Ehrenordnung? Seit Jahren geht in der Studentenschaft der Streit um die studentische Ehrenordnung. Waffenring, Erlanger Verbändeabkommen und Studententage haben sich mit dieser Frage befaßt. Besondere Bedeutung hat sie selbstverständlich für die Gruppen der Studentenschaft, die die Satisfaktion mit der Waffe verneinen, sodaß man annehmen sollte, daß gerade an den Plätzen, an denen das katholische Studententum maßgebenden Einfluß hat, ihr Zustandekommen auf der Basis einer Verständigung zwischen allen studentischen Gruppen sich ohne Reibungen vollzieht. Aber weit gefehlt. Selbst in diese Dinge, die doch eigentlich jeder politischen Einflußnahme sich entziehen sollten, wird der Streit der Raffefanatiker hineingetragen, wie folgender Vorfall aus Breslau beweist: Am 24. Februar 1926 wurde in einer gemeinsamen Sitzung des Asta und der großen Verbände die Einführung der seit langer Zeit vorbereiteten allgemeinen studentischen Ehrenordnung besprochen. Diese Ehrenordnung verfolgte den Zweck, daß Ehrenhändel und Vergehen^ der Studierenden unter Ausschaltung des Disziplinarrichters durch eine eigene, von der Lochschulbehörde anzuerkennende und mit Strafbefugnis ausgestattete studentische Ehren-Gerichtsbarkeit geschlichtet bezw. gesühnt werden sollten. Somit wäre allen an der Universität Immatriculierten, also auch dem Teil der Studentenschaft, für den die Satisfaktion nicht in Frage kommt, die Möglichkeit gegeben worden, vorkommende Streitigkeiten auf einem von der Gesamtstudentenschaft als „honorig" anerkannten Wege aus der Welt zu schaffen. Der Waffenring wie auch die anderen Verbände wurden als maßgebende Faktoren um ihre Stellungnahme angegangen. Zunächst erbat sich der Waffenring Bedenkzeit; als er schließlich gezwungen wurde Farbe zu bekennen, gab der Vertreter dieser Gruppe fast wörtlich folgende Erklärung ab: An sich stehe der Breslauer Waffenring dem Gedanken der Ehrenratsordnung sympathisch gegenüber; sie sei aber deshalb für ihn undiskutabel, weil er es ablehnen müsse, sich mit „Nichtariern" an einen Verhandlungstisch zu setzen. Der Vertreter des Kösener S. C., der in Breslau nicht dem Waffenring angehört, schloß sich dieser Erklärung vorbehaltlos an. Da zu einer Annahme der Ehrenordnung eine 2/z Mehrheit erforderlich war und die völkischen Gruppen von 42 Sitzen 19 innehaben, außerdem der C.V. sich dem Waffenring anschloß, wurde der Entwurf nach stürmischer Debatte abgelehnt. In ihrem Verlauf geißelte der Vertreter der einflußreichen und fortschrittlich gesinnten Jugendbewegung unter starkem Beifall der Gleichgesinnten das Verhalten der völkisch-nationalistischen Parteien, die zwar bei jeder Gelegenheit betont hätten, nur von Patriotismus und Willen zur Einigkeit erfüllt zu sein, in praxi aber sich nur von Engherzigkeit und ihren Sonderintereffen leiten ließen. Außerdem beleuchteten ein Vertreter des „Korporativen Zweckverbandes", sowie ein K.Cer als Mitglied des „Deutschen Studentenbundes" die merkwürdigen Methoden der Rechtsgruppen, die zunächst an dem Entwurf der Ehrenordnung mitgearbeitet hatten, im Augenblick aber, in dem eine Verwirklichung möglich war, ihren, im übrigen durchaus anfechtbaren und verschwommenen Rassestandpunkt hervorkehrten und so das einheitliche Zusammenarbeiton aller Studenten und die Bemühungen vieler Monate sabotierten. Aus diese, den Völkischen sichtlich unangenehmen Feststellungen, erwiderte ihr Sprecher, daß die „Lerren von der anderen Weltanschauung" sich anscheinend unberechtigter Weise Illusionen gemacht hätten; für ihn und seine Freunde sei es von vornherein selbstverständlich gewesen, jüdische Studenten in die Ehrenordnung nicht mit einzubeziehen.