Mannheim
Compact Memory

KC-Mitteilungen · 1926-05-20 · Heft 5 (20.5.1926) · p. Seite 33

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1926
Issue
Heft 5 (20.5.1926)
Date
1926-05-20
Page
Seite 33 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2822870-2822880-2822884--237-2823261
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Studentenzeit alles in ög licke Material über Äockscknlwesen und Studententüm gesammelt haben, es dann aber nickt weiter beacklen, sondern ans Böden bringen lasten, als Altpapier verkaufen oder gar verbrennen. Gerade sie vermögen manche klaffende Lücken anszufiillen. (Alle Anfragen' lind Sendungen werden an Prof. Dr. Paul Sfymank, Göttingen, Theaterftr. 25, II erbeten.) AmeriltnnischeSlndetttenverbittdnngen. Bon r l H B r a u it, Spreu., z. Zt. 9Icto Port. Spricht mau tu Deutschlaud mit ciueut Süeil* jmcu uder "Allsländer über studentische Sitten, so wird mau meistens zu hören bekommen, das; diese nicht mehr zeitgemäß wären und man darüber im 'Anslande nur lachen würde. Diesen Herren „Ausländern", besonders ''Amerikanern, soll man ruhig antworten: Faßt Luch erst einmal an Cure eigene Base. Die Organisation der amerikanischen Stndentenoerbindungeit ähnelt sehr der Organisation der delitschen Corporationen. Auch hier haben wir ailtisemitische. paritätische, die kaum Zllr Geltung kontinen, uitd jüdische Verbände, testiere zerfalle, l wieder in zionistische und antiziouistische. Jeder Verband, „cliaptor** genannt, hat an fast jeder Universität eine Verbindlliig (fratemity), die. auf Grund ihrer Tendenz mit den auf demselben Prinzip ausgebauten Verbindungen, in dein Verbände znsammengeschlossen sind. Der Bame der Verbindung seht sich aus griechischen Buchstaben zusaininen (z. B. J -15a). Die Verbindungen haben gleichfalls das Maturilätsprinzip und, was sehr wichtig ist, das Lebensprinzip. Ls gibt also auch hier eine Altherrenschast. Die aktive Verbindung seht sich aus den älteren Mitgliedern (t'rutlnt'tlwr^) ulld den jüngeren. l-ro^liineu genannt, zusammen. Gehlere haben, wie auch in Deutschland, nur beschränktes Sliinnlrecht. müssen den Mund halten, wenn ein älterer Bnodesbrnder spricht und haben überhaupt alles das zu nlachen, was die anderen sagen. Das Verbindnngsleben an den kleinen Universitäten ist viel ausgeprägter als an den großen. Ls fehlt natürlich auch nicht der Furenulk und das „Verkohlen" der neuen Bundesbrüder. Mir selbst erzählte ein amerikanischer Student, der in einer kleinen Stadt studierte, das; er als?re^dm.m auf die Hauptstraße der Stadt geschickt wurde, um jeden Passanten um eine milde Gabe anzusprechen. Ls war ihm aber dabei auf das strengste verboten zu lachen. Oder die Freshmen werden zu gleicher Zeit nach belegten Brötchen ausgeschickt und wer zuleht wiederkommt, muß einen anderen morgens um 4 Ahr wecken. Ist das nicht dasselbe, als wenn wir einen Zureil nach Temporalisdraht oder nach der Dessinkiste schicken? Der offizielle Ausdruck für „Scheißfur" ist hier Fresh. Es besteht wahrlich kein großer Unterschied zwischen den deutschen und amerikanischen Studentenverbindungen. Ja selbst Verbindungen, die Couleur tragen, kann man an den einzelnen Universitäten finden. Die Couleur besteht nun nicht aus buntem Band und bunter Mühe, sondern aus einem kleinen schwarzen Tönnchen mit den Buchstaben der Verbindung, ähnlich wie unsere Zirkel. Mögen die Verbindungen verschiedene Tendenzen und Ziele haben, eins ist ihnen allen eige»l: Der Sport. In dieser Beziehung kennen sie keine Grenzen. Bei den Veranstaltungen kominen Beteiligte und Zuschauer in eine Begeisterung, an der wir C. er uns ein Beispiel nehmen können. Unter den Zuschauern befindet sich immer einer, den man als Vorschreier bezeichnen kann. Dieser brüllt der Zuschauermenge bestimmte, die Beteiligten anfeuernde Wort vor, die dann die Menge im Takt nachschreit. Dies Brüllen wird durch ein Konzert auf Hausschlüsseln, Händeklatschen und ähnlichen Dingen begleitet. Die Zidulität einer Bockbierkneipe ist nichts dagegen. '-Alles wird von der Begeisterung mitgerissen, ob Bov oder Girl (Couleurdamen!, die amerikanischen sind hübscher als die unseren; ich muß es leider gestehen). Bach den Sportveranstaltungen findet dann meistens ein gemütliches Beisammensein mit Tanz und LiSwasser statt. Der Unterschied zwischen den einzelnen Verbindungen ist nicht so stark ausgeprägt wie in Deutschland. Die Mitglieder der einen Verbindung sind meistens gut befreundet mit denen anderer Verbindungen derselben Universität. Die Sportkämpse werden auch zum größten Teil gegen andere Verbindungen ausgetragen. Sport ist das Erste und letzte, nnd Sport beherrscht alle Bundesbrüder, ob jung oder alt. Sie besihen dabei auch die Unterstützung der 'Universitätsbehörden, ja der ganzen Oesfentlichkeit. Denn in Amerika gilt der Wahlspruch: Die Jugend hat daS Vorrecht! In kurzen Worten hoffe ich daS Charakteristische der amerikanischen Studentenverbindungen gezeigt zu haben und gleichzeitig den Leuten den Mund gestopft zu haben, die glauben, daß studentische Ausgelassenheit nur in Deutschland möglich wäre und es als eine Unsitte betrachten. , « ■ 'S'crJiliUcneirtMicte ist von seiner londoner Reise zurück. ■ S qefcQrt.T ffuülKiflen in Angelegenheiten , 5 l. der Ehrenratskommission, ■ m 2. des A.H.V. Albinqia, - 5 3. des Provinzialverbandes Branden» » - burgischer K'Cer S sind daher wieder an die angegebene Adresse zu richten. , S Ircchlsanwalt Dr. Erich Stern ■ S i7U)cn.'öil.. Frib.-Ghib., Alb.) 5 ■ Berlin W 50, Achenbachstraß« 21. ■

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.