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KC-Mitteilungen · 1925-07-15 · Heft 7 (15.7.1925) · p. Seite 56

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1925
Issue
Heft 7 (15.7.1925)
Date
1925-07-15
Page
Seite 56 (sequence 6)
Language
German
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56 der Studentenschaft gcgenüberstehen muffen. Zwei Blätter, an ihrer Spitze die „Deutsche Hochschulzeitung" und die „Bayrische Hochschulzeitung", d-ie erste das Organ der Berliner, die zweite das der bayerischen Hochschüler. Keiner der Herausgeber scheint sich klar darüber zu sein, welche Ausgaben sie als Leiter offizieller Organe <yu erfüllen haben. Sie wiffen scheinbar nicht, das; die deutsche Studentenschaft unpolitisch ist, denn es wird auf die jüdische Novemberrepublik in Tonarten geschimpft, von denen selbst die völkische Parteipresse etwas lernen könnte. Die bayerische Hochschulzeitung propagiert den numerus clausus, erteilt Rüssel, weil die deutsche Akademie Ludendorff nicht zu den Ihren zählt, die deutsche Hochschulzeitung kritisiert alle politischen Tagesereignisse, rüffelt den preußischen Kultusminister — vom badischen, der sie als Organ der Berliner Studentenschaft nicht unmittelbar angeht, gar nicht zu reden —. Wiffen die H-erren ivirÜich nicht, daß sie damit niemandem mehr schaden, als der deutschen Studentenschaft, abgesehen davon, daß es keines allzu großen Masses von Takt bedarf, um zu wiffen, daß sie nicht das Recht haben, Mitglieder einer Organisation, -die sie durch staatlichen Zwang zur Beitragszahlung anhalten, in dem offiziellen Blatte zu schmähen, wie es bier mit allen denen geschieht, die politisch links von der Deutschnationalen Völkspartei stehen? Scheinbar nicht, und doch sind gerade sie es, die den Vertretern der Minderheit der deutschen Studentenschaft den Vorwurf machen, daß sie durch das Hineintragen der Politik in die Studentenschaft verhindert haben, daß die positive Arbeit der Kriegsteilnehmer fortgesetzt wird. Wir wollen diesen jüngst aufgetauchten abstrusen Vorwurf nicht eingehend widerlegen, wir könnten ihn einfach umkehren. Solange die Mehrheit aber nicht einmal imstande ist, ihre offizielle Presse von Politik freizuhalten, solange wird sie sicher selbst jede notwendige berufsständische Arbeit restlos verhindern. Lehr- und Lernfreihert. Eines der Grunddogmen der Universität, Wer das wir uns auch mit unseren völkischen Kommilitonen einig sind, ist das Prinzip der Lehr- und Lerrffreiheit. Rur schade, daß man sich nicht immer klar darüber ist, was man darunter versteht. Rur einige kleine Beispiele. Wenn ein Göttinger Privatdozent der Theologie Pazifist ist, so widerspricht es nicht dem Prinzip der Lehrfreiheit, wenn man ihn von der Llnversität zu verdrängen trachtet. Ebensowenig, wenn in Heidelberg ein anderer Privatdozent boykottiert und in den Schmutz gezogen wird, weil er eine pazifistische, demagogische Broschüre veröffentlicht hat. Dagegen ist es nichts als eine Ausübung des Rechts der Lehrfreiheit, wenn ein Heidelberger Professor sich Wer die staatlichen Anordnungen über das Ausfallen von Kollegs hinwegsetzt, um damit zu demonstrieren, daß seine Sympathien mehr auf seiten der Mörder Rathenaus, als auf denen derer sind, die dieses Ereignis als eines der bedauerlichsten Zeugnisse von Deutschlands Niedergang ansahen. Wenn der badische Kultusminister es nicht als eine privilegierte Freiheit der Lohrmeinung ansieht, daß ein Professor bei einer amtlichen Feier als offizieller Festredner sich gegen den heutigen Staat wendet, so muß er beseitigt werden. Wenn aber ein Profeffor an einer anderen deutschen Hochschule der Auffassung ist, daß er es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, sich gegen einen Reichspräsidentschaftskandidaten zu wenden, so verletzen diejenigen nicht die Lehrfreiheit, die ihn an der Fortsetzung seiner Vorlesungen hindern, auch wenn sie selbst einen anderen lebenden Reichspräsidenten anzugreifen sich zur Ehre gerechnet haben. Man hindert in Innsbruck einen Dozenten am Lesen, weil er angeblich Iudenstämmling ist. Wir nennen bewußt keinen Namen, denn es kommt nicht auf diese an. Wir identifizieren uns ebensowenig mit der Auffassung der einen wie der anderen; aber diese Beispiele beweisen am besten, wie wenig man sachlich die Meinung des Andersdenkenden würdigt, wie seit altersher geheiligte Prinzipien nach Belieben anerkannt und geleugnet werden. Wo nehmen diejenigen, die gegen Lessing Kanrpfausschüsse bilden, ein Recht her, die Minister zu schmähen, die die Rüge, Lenard, Marschall v. Biberstein maßregeln? Lehrfreiheit ist ein hohes Gut, sie muß einem jeden gewahrt werden »md keine Parteibriüe darf so undurchlässig sein, daß sie nicht Lehrfreiheit und Beamtenpslicht zu sondern und zu ivürdigen weiß. Und leider ist es um die Lernfreiheit nicht anders bestellt. Man wendet sich gegen Polen und die Tschechoslowakci — u. C. mit Recht —, weil sie den Numerus clausus durchführen —, man erstrebt ihn aber selbst. Man wettert gegen den Terror der anderen, bezeichnet cs als eine studentische Chronkränkung, einem honorigen deutschen Studenten Gewaltmaßnahmen gegen Andersdenkende .zuzumuten, aber-man läßt es unwidersprochen, ja sogar offen gebilligt zu, daß in Wien die nichtarischen Studenten am Betreten der Hochschule, daß in reichsdeutschen Hochschulen jüdische Studenten an der Teilnahme an akademischen Feiern mit Gewalt gehindert werden, wobei gar nicht von den zahlreichen Fällen gesprochen sei, in denen man ohne Gewalt, aber für den honorigen Studenten mindestens ebenso kränkend das gleiche Ziel erstrebt wurde. Wissenschaftliches Denken heißt forschen, frei von Vorurteilen, nur um der Wahrheit willen. Deutsch fein, heißt eine Sache um ihrer selbst willen tun, nicht weil sie einem gerade paßt. Darum ist diese Behandlung akademischer Freiheiten deutscher Wissenschaftlcr unwürdig. Die Abnahme der deutschen Medizinstudenten. Die Gesamtzahl der Medizinstudierenden in Deutschland bat sich nach einer Mitteiluna der Amtlichen Akademischen Auskunftsstelle seit dem Wintersemester 1922/23 um 31 Prozent verringert. Die Zahl der Ausländer hat dabei in ungefähr demselben Maße abgenommen, wie die der Deutschen. Die Zahl der Reichsdeutschen betrug 1922/23 11 285, davon 1469 Frauen. Im Sommerfemester 1924 : 7354, davon 1093 Frauen. Die Gesamtzahl der Medizinstudenten war 1922/23: 13489, 1924: 9316. Deutscher Studententag 1925. Wie bereits mitgeteilt wurde, sollte der 7. ordentliche Deutsche Studententag Ende Juli dieses Jahres in Bonn abgehaltcn werden. Nachdem die Vorbereitungen bereits getroffen waren, hat die Vesatzungsbehövde die Abhaltung des Studententages in Bonn verboten, mit der Begründung: „Da die deutschen Behörden sich zu wiederholten Malen unfähig gezeigt haben, die gewöhnlich stattfindenden nationalistischen und antialliierten Hetzereien zu verhindern, die im Verlaufe von als privat bezeichneten Kundgebungen Vorkommen, sobald Verbände oder Abgeordnete des nichtbesetzten Deutschlands, hauptsächlich der östlichen Gebiete beteiligt find." Der Studententag mußte daher nach Berlin verlegt werden. Der Vorstand der Deutschen Studentenschaft hat deshalb folgende Kundgebung an die Deutsche Studentenschaft gerichtet: An die Deutsche Studentenschaft! Tausend Jahre ist das Rheinland als Westmark ein Hort deutscher Kultur gewesen. Die Deutsche Studentenschaft gedachte ihrer Treue zur Rheinmark dadurch Ausdruck zu geben, daß sie den diesjährigen Studententag in das besetzte Gebiet nach Bonn legte. Sie wollte durch eine Tagung an einer der bedräng-

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