KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 1 (10.1.1925)
- Date
- 1925-01-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Schon wieder Unterschlagungen? Höchst eigenartige nnd befremdliche Zustände in der Hauptgeschäftsstelle der völkisch-nationalen „Deutschen Studentenschaft" sind durch die Ermittlungen eines studentischen Untersuchungs-Ausschusses zu Tage gefördert worden. Auf dem Innsbrucker Studententag im Juli dieses Jahres war man bereits auf Unregelmäßigkeiten in der Buch- und Kassenführung gestoßen. Der Untersuchungs-Ausschuß erkennt nach seinem jetzt vorliegen, den Bericht die dort erhobenen Vorwürfe „als leider allzu berechtigt" an. Eine ins Einzelne gehende Nach- Prüfung war dadurch unmöglich gemacht, daß der von einem verantwortlichen Mitarbeiter in Innsbruck aufgegebene Koffer bei seiner Ankunft in Berlin nicht die erwarteten Akten, Urkunden und Kassenbelege enthielt, sondern „mit einer weißen pulvrigen Substanz gefüllt war". Den Wert dieser Substanz wird man ermessen können, wenn man in Betracht zieht, daß schon in Innsbruck in den jetzt verschwundenen Büchern Doppelbuchungen u. a. festgestellt waren. Die weiteren Ermittlungen werden auch nach Ansicht des Untersuchungs-Ausschusses am besten von der Staats» anwaltschast zu führen sein. Ohne ihnen vorzugreifen, kann man schon heute die Berechtigung und Notwendigkeit des Kampfes anerkennen, den seit Jahren die freiheitlichen Studenten gegen die die „Deutsche Studentenschaft" in ihrer heutigen Organisationsform und gegen ihren ausschließlich aus Angehörigen des rechtsradikalen „Hochschulrings deutscher Art^ zusammengesetzten Vorstand führen. Wir beabsichtigen nicht, in ein schwebendes Verfahren einzugreifen, aber es muß doch in diesem Zusammenhange an den Fall „Biertimpel" in Berlin erinnert werden. Sehen die Herren Völkischen nicht hieran am besten, daß auch ihre Anhänger gegen Untugenden nicht gefeit sind? Wehe der Nichtvölkischen Organisation, bei der gleicher „jüdischer" Geist sich zeigte. Bundestag des B. 9. A. Der Bund jüdischer Akademiker hielt vom 25. bis 27. Dezember seinen Bundestag. Nach den üblichen Begrüßungsansprachen dankte Rabbiner Dr. Csra Munk-Berlin, der Nestor und Mitbegründer des Bundes im Namen des gesamten Bundes jüdischer Akademiker für das rege Interesse, das der Veranstaltung von Seiten der jüdischen Bevölkerung wie von Seiten der Behörden entgegengebracht wurde. Bemerkenswert waren die Ausführungen Dr. Munks über die Geschichte des Bundes, der seit 21 Jahren besteht, was umso bedeutungsvoller ist, als der V. I. A. die erste politischneutrale thoratreue Organisation darstellt. „Das Bestehen eines Bundes orthodoxer jüdischer Wissenschaftler im 20. Jahrhundert ist einzig dastehend. Aber auch der Tropfen Wermut hat in der Geschichte des Bundes nicht gefehlt. Erst vor drei Jahren ist ein großer Teil aus dem Bunde geschieden — Bundesbrüder, die nicht die schlechtesten waren. Das Leitmotiv der Vereinigung ist das Wort „Thora im derech erez". An der Auslegung dieses Kriteriums trennten sich die Meinungen. Wo sind die Berührungspunkte, wo die Grenzflächen, mußte die Frage lauten. Auf beiden Seiten will man das Veste für das Judentum im Geiste der Thora, darum seien auch die ausqeschiedenen Bundesbrüder noch Bundesbrüder, wenn sie auch formell nicht dem Bunde angehören." Mit dem Referat Dr. L. Schlefingers-Hambura „Das gesetzestreue Judentum der Gegenwart in politischer und sozialer Beziehung" begann der wissenschaftliche Teil des Bundestages. Am Nachmittag sprach Dr. Josef Carlebach über „Moderne pädagogische Bestrebungen in ihren Beziehungen zum Judentum". Freitag wurde durch das Referat „Arbeitsunterricht an der jüdischen Schule" von Studienrat Dr. Willy Halberstadt-Berlin eingtzleitet. Anschließend an das Referat von Dr. Halberstadt, sprach Redakteur S. Schachnowitz über die neuhebräische und jüdische Literatur in ihrer Bedeutung für das thoratreue Judentum. Einem historischen Ueberblick folgten praktische Vorschläge des Referenten in Bezug auf die Wiederhebung der hebräischen Spracht Der Referent führte, was seine konkreten Vorschläge anbelangt, unter anderem aus, daß der gesetzestreuen Jugend, vornehmlich aber den gesetzestreuen Akademikern, die Pflicht obliegt, die heilige Sprache zu pflegen, die neue jüdische Literatur kennen zu lernen und den darin niedergelegten geistigen Nationalschah, soweit er jüdisch ist, zu hüten und zu bereichern. Die Pflege des Hebräischen ist hier nicht mehr die Frage der restlosen Beherrschung der Gebetssprache, sondern, wie aus den Ausführungen und den aus Raummangel nicht wiedergegebenen Thesen hervorgeht, die Pflege der „lebenden Sprache". Am besten zeigt dies vielleicht der Leitsatz dieser Thesen, der ausdrücklich von dem lebendigen Hebräisch" spricht, das doch mit „Thoratreue" nichts zu tun hat: „Der Bund jüdischer Akademiker nimmt die Pflege der hebräischen Sprache und Literatur in seinen Aufgabenkreis auf und empfiehlt den einzelnen V. I. A.-Gruppen, Sprachkurse einzuführen, die sich auf wissenschaftliche Sprachforschung und das Erlernen des lebendigen Hebräisch auf dem Wege von Sprechübungen und geeigneter Lektüre erstrecken." An diese wissenschaftliche Tagung schloß sich der geschäftliche Teil, eine Trennung, die vielleicht auch für den K. C. zweckmäßig wäre, eine Verbindung von Schulungskursus und dem K. C.-Tag. )\ VterbQnd5DQcfmditen | > ■ .-.. > | Die „Verbandsnachrichten" für die nächste Nummer sind einseitig beschrieben bis spätestens 25. Jan. an die Schristleitung einzureichen.) Thuringia, Breslau. Das Semester nahm weiter einen guten Verlauf. Aktiv meldete sich noch Herr stud. pharm. Hans Lange aus Gleiwih O./S. als Konkneigant, so daß wir mit 16 Aktiven in die zweite Hälfte des Semesters eintraten. Das Turnen findet wöchentlich unter der Leitung eines Turnlehrers statt. Unsere Kneipen und wissenschaftlichen Abende erfreuen sich eines regen Besuches seitens unserer Alten Herren. Am 15. November hielt A. H. Licht einen Vortrag über „Jüdische Probleme", am 15. Dezember A. H. C. Moses einen Vortrag über die Naumannbewegung; das Korreferat hielt Kbr. Rabbiner Dr. Vogelstein (Frib). Am Totensonntag chargierten wir bei der Gedenkfeier für die im Weltkriege Gefallenen. Der A. H. V. hat ein gedecktes Mitgliederverzeichnis herausgegeben; wir bitten die Bbr. Vbr., uns Unstimmigkeiten und Adressenänderungen milzuteilen, da regelmäßige Nachträge erscheinen sollen. Am 12. Dezember fand hier die diesjährige Asta-