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KC-Mitteilungen · 1924-10-01 · Heft 8 (1.10.1924) · p. Seite 5

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1924
Issue
Heft 8 (1.10.1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 lichkeit I^abcn werben, bas Ausnahmegesuch au begründen. Für den Weltverlxmd der jüdischen Studentenschaft bestehen theorettsch zwei Möglichkeiten, in die <£. 3. E. ausgenommen zn werben: Entweder wird er als free inembor (nur mit beratender Stimme) ausgenommen, fiir welchen Fall alte der C. I. E. angehörcnden Laudesorganisationen gezwungen wären, die Juden als Inden auszunehmen.' Diese Lösung ist zurzeit wenig umlirscheinlich, da sie am Widerstände der antrsemüifiben Studentenverbände scheitern must. Oder der Weltverdand wird als gleichberechtigtes Mitglied ausgenommen, wofür trotz der stattttarischen Veslimmnugm der C. I. C. eine Begründung in der Besonderheit der Lage der Juden, eines Volkes ohne Staat, sowie in den Verhältnissen mancher Länder Ost- und Vlitteleuropas, in denen die jüdischen Studenten keinen Zutritt zu den allgemeinen Studentenorganisationen haben, gegeben ist. Die Exekutive des Weüverbandes der Mischen Studentenschaft bat beschlossen, von der Einladung Gebrauch zll «rachen und hat mit feiner Vertretung Dr. L a u - terba ch, London, und L>. Gtone, Sheffield, betraut." Eigentlich ist es eine Selbstverständlichkeit, das; eine Ausnadme in die E. I. E. nur eine uationale, wenn auch überstaarliche Organisation nachsucheu karr», wobei zwischen uns und unseren antisemitischeil Gegnern nur die Frage „Kultur-" oder „Nassenge,neinschast" streifig rst. Schon darurn ist der „Weltverband" nicht unpolitisch, sondern „jüdisch national". Aber hierfür noch einige audere Beweise, die auch Zeigen, inrvierveit der „Weltverband" berechtigt ist, für die jüdische nichtnationale Welt zu sprechen: Der Meltverband^) har in diesem Jahre in Antwerpen «getagt. Zu Beginn der ersten Sitznng verlas ein Vertreter der u n g a r ischc n Studentenschaft eine Erklärung, dass die ungarische Delegation den Antisemitismus in Ungarn als vorübergehende Erscheinung betrachte, welche dom gesunden Verstand rmd dem liberalen Siirn der ungarische» Bevölkerung weichen werde. Die ungarischen Delegierren fühlten' sich nicht als Zionisten und kömrten deshalb nicht an einem Kongress teilnchmen, dessen überwiegende Mehrheit zionistisch gesinnt sei. Darauf verließ die ungarische Delegation den Kongress. Die Vertreter der polnischen so zialistrscheu S t u d c n t e n brachten den Willen zrrrn Ausdruck, das Projekt einer Weltorganisation zum Sch ei - tern zu bringerr, weil diese, wie sie meinen, zu stark von der Bourgeoisie abhängen würde. Die Vertreter des polnischen „Bund" leugneten die Existenz eines jüdischen Volkes, da ein Volk an territorialen und kulturellen Verhältnissen sich bildet. Der Schutz der Mischen Studenten vor Verfolgungen und Beschränkungen must von der arbeitenden Klasse aller Nationen übcrmumueit werden; mit ihrem Siege würden auch die Hoffnungen der jüdischen Studenten erfüllt sein. Sie würden dem Verlande nicht anaehören und sie seien einzig und allein deshalb zürn Kongress gekommen, um den Eindruck zu zerstören, als ob der Kongress alle jüdischen Studenten zusammenschliessr. / > Die Prager jüdischeStudentenschast hat in einer von dem Initiatwausschuss für die Gründung eines neuen Verbandes cinberusen-m allgemeinen Versammlung, die am 26. April 1924 statt fand, Stellung zu diesem Kongress genommen. Sie erhob scharfen Prolest dagegen, dass Delegierte auf usurvatorischem Wege zu dem Kongress entsandt wurden. Die Versammlung yat den Beschluss gefasst, diesen Kongress nicht anzuer- *) Von deutschen fr-anlsatloner» gehört ihn» u. W. nur das St. 3. V. an. kennen und an der Vorbereitung zu einem internationa len .Stridentcnkongress mitzuarbeiten. Im 9!amen der zionistischen Gruppen sprach Herr Zeitlin. Cr betonte, dass die Mehrheit ver Delrgierten keineswegs wünsche, der Weltorganisation den Stempel der Parteilichkeit auszudrücken. Der Verband will nur solche'Ziele verfolgen, die von allen Gruppen angenommen werden können; alle rein politischen Tendenzen sollen sorgfältig vermieden werden. Dem steht aber entgegen, dass nach Mitteilung des Isr. Familienblattes der Vorsitzende des Studenten- Weltkongresses Dr. Lauterbach aus London in einer vor dem Kongress verlesenen Schrift die Ziele des zu schassenden Welt verband es Mischer Studenten wie folgt dargelegt hat: ,,'x) Kulturelle und nationale Zusammenarbeit zwischen allen jüdischen Studenten der ganzen Welt; Herausgabe eines zentralen Mitteilungsblattes; Zusammenarbeit beim Ausbau der hebräischen Universität und der Universitäts-Bibliothek in Jerusalem; Unterstützung des Planes der Errichtung einer jüdischen Universität in Europa; Abhaltung regelmässiger Konferenzen und Weltkongresse; Bildung einer Institution des Studentenaustausches. 1») Schuh der?h'd)tc der jüdischen Universitätsstudierenden durch eine politische und juristische Tätigkeit, die sich aus daS öffentliche Recht und die internationalen Verträge stüt^n kann, und wenn nötig, durch Appellie- .rung an die ösfeutliche Meinung der ganzen Welt. e) Schaffung einer H i l f si n st it u t i 0 n für diejenigen Studenten, die durch die in ihren Ländern destehenden Bedingungen gezwungen sind, auszuwander» um an anderen Universitäten zu studieren. Zusammenschluss der wirtschaftlichen Tätigkeit der jüdischen Studentenorganisationen in den verschiedenen Ländern." Ausschlaggebender als die Debatten sind für uns aber Beschlüsse und Taten. Das Problem des „uumonis clausus" ist für uns eine Frage des Rechts, eine Frage der Gleichberechtigv.ng. Tiefe „unpolitische Organisation" nennt sie nach dein „Iiid. Wochenblatt" wesentlich einen Vertragsbruch der Vertrüge zum Schuh der nationalen Minderheiten, eine Plattform, aus der sic sich mit der Mehrheit der deutsch-jüdischen Studentenschaft nicht finden wird. Auch die Slellmlgliahme zur jüdischen Universität beweist, dass hier ein M eltverband zionistischer Studenten gegründet ist, zu dem unsere Stellung ohne weiteres gegeben ist. In dem Referat über diese Frage lehnte der Vortragende es ab, dieses Problem.mit bem Numerus clausus und den Beschränkungen an den Universitäten in Verbindung zu bringen. Eine Universität zu schassen, um den unheilvollen Folgen des Numerus clausus zu entrinnen, würde ein Sichfügen in das System der Beschränkungen bedeuten. Das Problem der jüdischen Universität kann nur als ein Problem zur Schaffung der Möglichkeiten für eine freie Entwicklung der schöpferischen Kräfte des jüdischen Volkos betrachtet werden. Die jüdischen Studenten haben die Verpflichtung, an dem Ausbau der hebräischen Uni, ■ versität in Jerusalem mitzuarbeiten. Betrachten wir diese Einzelheiten, so dürfte der ' Versuch des Anschlusses an die C. I. E. nur der Schlussstein sein, die letzte und beste Bestätigung, dass der W. j. St. kein unpolitischer, sondern ein nationaler Verband ist, denn was wollte er sonst dort? Unsere Aufgabe ist es, in der deutschen Studentenschaft fiir unser Recht zu kämpfen, einen Kampf, in dem uns der W. j. St. kein Bundesgenosse sein kann und will, er ist ein Fremder mit anderen Motiven und anderen Zielen. ,

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