KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 8 (1.10.1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2822870-2822903-2822911--063-2823071- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Arbeitsgemeinschaften. Cii» Vorschlag. Von Sie-inj Rosenthal (Nh.-Pal., Sprev.). Die in den K. E.-Verbi,»du,»gen geleistete geistige SUbeit -erschöpft sich zlnneist in der Veranstaltung von „wissenschaftlichen" Abenden. Die dort gehaltenen Vorträge, welche sich gegen Ende des Semesters in Betracht der bevorstehenden Rezeption bezw. Inaktivierung häufen, leiden jedoch nur zu oft an einem fühlbaren Mangel. Sie finden bei einer größeren Zahl von Buudesbrüdern, die nicht fackwissenschaftlich vorgebildet oder an dem behandelten Thema besonders interessiert sind, keinen Widerhall und werden als langweilig und ermüdend empfunden. A»»ßerdem ist die Vorbereitung dieser Vorträge zuweileu recht uugeuügend, so dasi sich allgemein der Wunsch »rach einer durchgreifenden Umgestaltung der wissenscbaftliche»» Betätigrmg unserer BundeSbrüder erhebt. Die folgendeil Anregungen wollen von einer kritischen Betrachtung des bisherigen Zustandes absehen und einen Vorschlag über die innere und änsiere Organisation der geistigen Arbeit innerhalb der Verbindungen bringen. Vor allem ist cs erforderlich, daß sich die Verbindung in ihrer Gesamtheit mit den Fragen der Zeit beschäftigt. Es kommt nicht auf die Lösung der Probleme an, sondern darauf, daß sie überhaupt einmal gestellt werden. Wenn die Verbindung ihre vornehmste Ausgabe, die Erziehung deS Einzelnen zur Persönlichkeit, durchführen will, so muß zunächst einmal der Boden geschaffen werde»», auf dem dieses Ziel erreicht werden kam». hierzu ist es aber unbedillgt notwendig, daß jeder ei»»zelne BuudeSbruder nach seinen Kräften zur positiven Mitarbeit herangezogen wird. Die einseitige Betonung des rein Korporativen »nag z»»r Ausbildung und Erziehung eines auf das Aeußerlicbe eillgestelllen Meilschen genügen; für uns K. E.-er, die wir selbstbewußte Juden sein »vollen, mrrß das Ziel weiter gesteckt »verden. Wir »niissen in der heutige»» Zeit wieder!n stärkeren» Umfange Fragen zun» Slngelpunkt unserer Betätigung machen, die über rein akademische Probleme hinausgehen. Rur dann wird eS möglich sein, daß wir auch in Zukunft die Führerstellung erlange»» werden, die der K. C. vor den» Kriege innehatte; n»»r dann werde»» wir in politischer »u»d gesellschaftlicher Linsicht in vorderster Linie stehen köiuien. Die Forn», in der diese Arbeit geleistet »verden soll, muß sich organisch de»»» Verbindtingsbelrieb ei»»fttgei». Sin» besten geschieht dies dad»»rch, das zu Vegini» jedes Seinesters ein Bt»»»deSbr»»der gewählt »vird, der die Berätig»u»g der Verbi»»du»»gsmitglieder auf geistigem Gebiete zu über»vachen hat »»»»d de»n B. E. verar»t»oortlich ist. Diese „WarUchast" braucht durchaus r»icht mit den» Amt des TendenzfuxmajorS zusan»»ne»»zufalle»»; sind «doch die zu behandelnden Materien gar»z verschiedener Art. Gegen Brrndesbrüder, die sich »»ach Ansicht deS Wart» nicht rege gen»»g beteilige»», kann dieser disziplinarisch Vorgehen. Er hat ferner die Anfgabe, Arbeitsgemeinschaften zu bilde»», die sich in einer bestimn»ten Richtung zu betätigen haben und in dcnen ein älterer Vllndesbruder die Leitung überni»»»n»t. Slll»vöche»»tlich findet in jeder Gruppe eine Besprechung statt, in der die einzelne»» über ihre Arbeit berichten, hierbei können dann auch Fragen beantwortet und neue Anregungen gegeben rverde»». Es erscheiilt »rnnötig, aus der Fülle der möglichen Themen ei,»zelne herauszr,greifen. Denkbar »väre »n erster Linie eine Behandlung von jüdischen und st»lden1isch-hochsch»»lpolitischen Fragen; jedoch können a»»ch Literat»»r und Kunst, Politik und Wirtschaft, Technik und Sport in den engeren Kreis der Bearbeit»»,»g gezogen werde»». A»»ch rein sachwissenschaftliche Gebiete kö»»,»en in den Arbeitsgemeinschaften z»»r Behandlung gela»»gen; hier werden besonders die älteren den jüngeren mit Rat und Tat zur Seite stehen 1ö»»»»en. Bor allem müffen die geistig weniger Interessierten herangezogen werden. In kleineren Verbindungen wird sich gemeinsame Betätigung aller empfehlen; der Umfang muß hier so»veit gewählt werdendaß der Stoff für die intensive Arbeit eines Semesters ausreicht. Jeder Bltndesbruder muß den Leiter seiner Arbeitsgemeinschaft über seine Tätigkeit unterrichten und sie »nit ihm bespreche»», während dieser der» Wart auf dem lanfenden zu halten bat. Aus jeder Einzelgruppe spricht abwechselnd etwa alle zwei Wochen ein Mitglied vor der gesamten Verbi>»d»»»»g über ein Gebiet, das sich zur Behandlung in» größere»» Kreise eignet („Wissenschaftlicher Abend"). Sl»»f diese Weise hat jede Arbeitsgeineinschaft im Laufe des Semesters n»»r ein- bis z»vei»nal eine»» Redner „herauszustelle»»". Die weniger redegelvandten Bundesbrüder leisten in ihrer kleineren Geineinschaft gleichfalls wertvolle Arbeit D»»rch diese Regelung »vird eine Behandlung von zu stark spezialisierten, fachlichen Gebieten vor eine»»» nicht sachverständigen Inhörerkreise ver- »»»ieden und in die rleir»eren Arbeitügen»einschaften verlegt, in denen jeder gleiche I»»teressen verfolgt. Wenn jeder Bundesbruder daS Ergebnis seiner eigenen Arbeit vorträgt, ist die Anteilnahme größer, als wenn Alte Äerren vor der Verbind»u,g spreche»», die mit den Jüngeren weniger bekamrt sind. Die vorstehend gegebenen A»»regungen sind naturgemäß noch unvollkommen. Äandelt es sich doch um Ernrichtu,»gen, die unsere»» Verbindungen vollständig fehlen u»»d deren Slusgestaltung in» einzelnen dem Konvent ttberlaffe»» »verden ,n»»ß. Das Ganze soll n»»r ein Vorschlag sein; er geht von der Notwendigkeit aus, dem jungen K. E er neben seiner rei»» studentischen Betätigung die Gelegenheit z»» ernster geistiger Arbeit zu verschaffen. DaS Wmtersemester steht vor der Tür; eS muß der inneren Arbeit ge»vid»net werden! H&adexnifcfie und öligem. Dacfinditen Preisausschreiben des Ll. O. V. B. Ein hochherziger Freund unserer Bestreb»»ngen hat »»ns die S»ln»l,»e von Eintausendfünfhundert Mark zur Präuliierung geeigneter Schriften für die reifere jüdische Jugend zur Verfügung gestellt. Es sollen drei Preise zur Verteilung komme»,:' ein erster von siebeirhundertflinfzig Mark ein zweiter von fünfhundert Mark ein dritter von zweihurrdertfünfzig Mark. Erwilnscht ist eine Erzählung oder Novelle, die jüdisches Leben oder jüdische Gestalten derart schildert, daß die jüdische Sittenlehre für Juden und Christen anschaulich hervortritt, ohne daß eine Te»»denz aufdringlich sich bemerkbar macht. Die Ei,»reich»»,»g der Arbeiten hat bis zum N. Marz 1925 an die Großloge für Deutschland, VHf U. Ö. B. B., Berlin W 62, Kleiststraße 12, zu erfolgen. Die Arbeiten sind mit einen» Kennwort zu versehen. Dieses m»»ß auf eine»»» verschlossenen Briefumschlag wiederkehren, der eine Karte mit dem Namen des Verfassers enthält. ' Die Prüfung der eingegangenen Arbeiten und die