KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 6 (10.7.1924)
- Date
- 1924-07-10
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 arisch zu Tage tritt, erscheint auch in der heutigen Zeit immerhin üherraschend. Wenn nun verlangt wird, daß der Begriff „deutsch" „germanisch" gleichgestellt wird, so dürste damit allerdings die völkische Politik aus einem Löhepunkt ihrer Forderungen angelangt sein, einem Löhepunkt, der durch nichts mehr zu überbieten ist. Bisher hatte man sich auf die Gleichwertigkeit der Raffen beschräntt. Wenn man aber noch weiter geht und nun den Begriff des Deutschen auf den reinen Germanen ausdehnt, so ist es wohl für jeden denkenden Menschen nicht mehr auszumalen, wer letzten Endes in Deutschland dann noch Bürgerrechte genießt. Oder sollte etwa dem „Deutschen Turnerbund" Oesterreichs nicht bekannt sein, daß das Deutsche Volk, ganz abgesehen von der Judenfrage, sich auch mit anderen Raffen in den beiden letzten Jahrtausenden in recht erheblichem Amfange vermischt hat. Anabhängig hiervon widerspricht diese Stellungnahme natürlich sportlichen Grundsätzen vollkommen, denn gerade der Sport hat es stets als eine Selbstverständlichkeit bettachtet, lediglich die Leistungen als allein ausschlaggebend sein zu lasten. Das Ergebnis der Berliner Studentenwahlen. Das amtliche Ergebnis der Wahlen zur Studentenverttetung der Berliner Aniversität ergibt folgendes Bild: Ihre Stimme haben abgegeben 3778 Studierende, davon sind acht ungültig. Von 6000 Studierenden haben also 63°/» gewählt. Von den abgegebenen Stimmen entfallen auf Vereinigte Jüdische Gruppe 236, auf den Deutschen Studentenbund 695, auf Deutsche Finkenschaft 1043, auf Deutsche Gruppe 476, auf Liste Jugendbewegung 286, auf die Kommunisten 146 und auf den Berliner Waffenring 888. Demgemäß wäre die Sitzverteilung im neuen Studentenparlament: Vereinigte Jüdische Liste 6, Studentenbund 19> Deutsche Finkenschast 23, Deutsche Gruppe 13, Jugendbewegung 7, Kommunisten 3, Berliner Waffenring 24. Die Vereinigte Jüdische Gruppe umfaßt neben den zionistischen Verbänden, des K. I. V. und B. Z. K., noch den Verband jüdisch-neutraler Korporationen, dem der A. I. G. V. (Akademischer Verein für jüdische Geschichte und Literatur) und die Verbindung Dalehmia angehört, sowie den auf jüdisch ortodoxer Grundlage stehenden Verein jüdischer Akademiker im B. I. A. Der K. C. hat, wie auch bei Len srüheren Wahlen, ebenso wie alle übrigen Minderheitsgruppen sich dem Deutschen Studentenbund angeschloffen. Bemerkt sei noch, daß auch die jüdische Gruppe ihre Liste mit der des Deutschen Studentenbundes verbunden hatte. □ Bücher* und Blätierfcbau □ Antisemitismus und Justiz. VonRechtsanwalt Ludwig Foerder, Philoverlag, Berlin 1924, 30 S. Die kleine intereffante Schrift kann man nur mit tiefer Trauer lesen. Wenn der Verfaffer die zahlreichen Fehlentscheidungen in antisemitischen Strafsachen der richtigen Auffassung der Kommentare und des Reichsgerichts gegenüberstellt, erkennt man deutlich, in welchem Maße der alles zerstörende Antisemitismus auch schon Mitglieder der Deutschen Berufsrichterschaft ergriffen hat, der ihre vorbildliche, strenge Objektivität vor dem Kriege einen wohlverdienten Weltruhm erworben hat. Das besonders Ernste an dieser Taffache ist, daß es sich bei den Fehlsprüchen keineswegs um Rechtsbeugung handelt, sondern daß sie vielmehr ein Zeichen dessen sind, wie tief die antisemitische Mentalität unter dem Einstuß der politischen Verhältnisse und der geschickten Propaganda sich auch schon geistig gut geschulter Leute bemächtigt hat. Mit Sorge sieht man in die Zukunft, in der das Richteraznt in die Lände der jetzt studierenden, in noch viel stärkerem Maße verhetzten Jurifiengeneration gelangen wird. Eine ernste Mahnung an K. C. und Centtal-Verein, in der Aufklärungsarbeit nicht nachzulassen. Es muß ermöglicht werden, daß Foerders Schrift in keiner Gerichts- und Behördenbibliothek fehlt. Sehr wichtig ist die im Anhang gegebene Zusammenstellung von Verfügungen gegen Kundgebung antisemitischer Gesinnung seitens der Beamten. Die Veröffentlichung einer vollständigen Zusammenstellung wäre, namentlich ftir den Fachmann, sehr zu begrüßen. K. B. Brockhaus. Landbuch des Wissens. Roch während der schlimmen Zeit der Inflation erschien im klassischen Verlage des Lexikons, bei Brockhaus in Leipzig, das Landbuch des Wissens in vier Bänden. Fortgeführt bis in die allerneuste Zeit, mit größter Prägnanz und Kürze im Ausdruck die tiefste Gründlichkeit in der Sache verbindend, mag es als Symbol für den Wiederaufftieg Deuffchlands gewertet werden, das angesichts rauchender Trümmerfelder wieder mutig in alter deuffcher Sorgfalt und Gediegenheit Neues schafft. „Brockhaus", ist schon im Laufe der Zeiten zu einem Begriff geworden, und von den Zeiten Goethes, der es außerordentlich schätzte, bis auf unsere Tage hat das Lexikon, das jetzt einen Deutschen Namen angenommen hat, sich als ein unentbehrliches Lilfsmittel für den Gelehrten wie für jeden gebildeten Menschen erwiesen. Sttengste Objektivität und Sachlichkeit — ganz besonders zeigt sich das im Gegensatz zu anderen Anternehmungen ähnlicher Art bei der Behandlung des Judentums — zeichnen das Werk aus, und es ist geradezu eine Freude in ihm zu lesen und zu lernen. Der Preis für alle Bände beträgt nur 68 Mark, und es ist geradezu erstaunlich, wie in heutiger Zeit ein in Lalbleinen gebundenes Werk in vier Bänden, das noch dazu eine unendliche FMe von vorzüglichen Illustrationen aufweist, ftir einen solchen Preis geboten werden kann. ZionistischeSchriften. VonMaxNordau.Zweite vermehrte Auflage 1923 Jüdischer Verlag, Berlin. Die Ausgabe fft zu rühmen. Der Jüdische Verlag hat auch diesem Buche eine geradezu mustexhafte Ausstattung zu Teil werden lassen, und das Bild des vor kurzer Zeit Entschlafenen, dessen Original seine Tochter Maxa schuf, macht die neue Auflage besonders wertvoll. Mit dem Buche selbst und seinen Ideen sich jetzt, da es klassiche Geltung in der Geschichte des Zionismus erlangte, auseinanderzusetzen ist überflüssig, da die Bewegung weit über ihren großen Führer hinausgewachsen ist. Nordau — der ja auch die Konventionellen Lügen der Kulturmenschheit" schrieb, gehörte jenem ersten Geschlechts der assimilierten Zionisten an, die den Anschluß an die inneren Werte des Judentums nicht mehr fanden. Nordau insbesondere war Rationalist vom reinsten Wasser, und in seinem Denken nehmen alle jüdischen Probleme einen politischen Charatter an. So spiegeln seine Schriften — messt sind es Vorttäge und Zeitungsartikel — einen Standpunkt der Bewegung wider, der für tiefer Schauende lediglich historische Bedeutung hat. Dennoch sind sie nicht veraltet. Die FMe der einzelnen Gedanken und Bemerkungen verliert ihren Wert nie, und der glänzende Stil macht das Buch für immer zu einer sehr angenehmen Lektüre. F. G.