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Unsere Tribüne · 1926-12-22 · 15 (22.12.1926) · p. Seite 4

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
15 (22.12.1926)
Date
1926-12-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seile4 Unsere Tribüne Nf. 13 legten dl« Genossen Dr. Bader und Df. Glans das lächerliche Vorbringen der Unioni9ten, die ihre Ablehnung damit begründet hatten, daß im Gemeindebund die Provinzgemeinden <taf Wiener. Gemeinde im Sack liegen werden. Die Union sieht in dem ganzeu Projekt nichts als eine Schnorraktion. Sie behauptet, aus finanziellen Gründen nicht mittun zu •wollen. Nur, wenn sie direkt angeschnorrt würden, möchten «ie etwas geben. In den G\\meindebund wollen sie aber a» Wirklichkeit auch deshalb nicht, weil sie fürchten, iUe Provinzjuden könnten schließlich darauf kommen, daß ein Gemeindebund aller Juden ein viel wirksameres Instrumeut^zur Wahrung der staatsbürgerlichen Rechte ist als lifo „Union" in der Berggasse. Dr. Glanz verlangte namentliche Abstimmung. Mit 16 gegen 13 Stimmen wurde die Beteiligung am Gemeindeland abgelehnt. Selbstverständlich war Scharfstein auoh <&eimal mit der Union. Sodann wurde mit dem gleichen Stimmenverhältnis <fewr Gemeindeblatt abgelehnt. Herr Kempler hatte noch einen „Ersatz" vorbereitet. Jb ffchlug einen Nachrichtendienst an drei jüdische Blätter :&a Wien vor, durch den das Gemeindeblatt ersetzt werden >aoll. Die „Tribüne" gefällt ihm so wenig, daß er ihr nicht >^nmal Nachrichten geben will. Dieser „Ersatz" wurde angenommen. Das würdelose, kenntnislose Geldsackjudentum ist noch /Sie krasser in seiner geheimen Sitzungstätigkeit an die '«Oeffantliohkeit getreten als durch diese schändlichen Beschlüsse. Die „Union" ist die stärkste Entwicklungshemmung *Äea österreichischen Judentums. Sie muß von jedem Juden, 4ter die Entwicklung jüdischen Lebens will, aufs schärfste "Sbefc&mpft werden. Edle Seelen ... Die völlig1 verkrachten Jüdisch nationalen, paterliierte Hüter der jüdischen Würde, wittern1 wieder «itfmal Wahlluft und führen ihre Mätzchen auf, um ■unwissende Wähler anzulocken. Da hat Dr. Plaschkes, von der christlichsozialtgroßdeutschen Einheitsfront gerührt, ein Mittel gefunden wie auch die bürgerlichen Jüdisch nationalen 'dieser Einheit teilhaftig werden können. Das Mittel fet die Bekämpfung der Sozialdemokratie. Ein überwiesener Erpresserjournalist, den die Bourgeoisie in ihre Dienste nimmt, hat das Olück, dem Herold der Jüdisch nationalen' nicht nur persönlich, sondern auch geistig sehr nahe zu stehen. Der Erpresser bringt in großer Aufmachung „Juden und Sozialdemokraten", Herr Dr. Plaschkes macht einen jüdischnationalen Versammlungsfeldzug gegen die Sozialdemokratie daraus. Herr Dr. Plaschkes fühlt das Ende seines Gemeinderatsmandats nahen. Wer weiß, ob die Jüdischnationalen morgen nicht dasselbe können, \x*as die Großdeutschen heute. Der Verleumdungsfeldzug gegen die Sozialdemokratie läßt mit voller Sicherheit schließen, mit wem die Jüdischnatiotialen verkehren. Eine Frage an einen Mitinhaber der „Wiener Morgenzeitung", Die „Wiener Morgenzeitung" nimmt das Maul voll und will ihren Lesern einreden, daß die „Arbeiter-Zeitung" über die Beziehungen der Grazer Zionisten zu Wutte-Blättern geschrieben hat. Davon war selbstverständlich gar keine Rede. Vielmehr will das total verluderte Leibblatt des Herrn Dr. Plaschkes davon'ablenken, daß die Wiener Zionisten, alias bürgerlichen Jüdisch nationalen, mitsamt der „Wiener Morgenzeitung" der Zusammenarbeit mit dem Wutte- Blatt dringendst verdächtigt sind. Die freundlichen Beziehungen des Herrn Doktor Plaschkes mit dem neuesten Mietling' iin Kampf gegen die Sozialdemokratie, dem Erpresser Weiß, sind stadtbekannt. Bekannt ist auch, daß Weiß, da die Kopitalistenblätter doch nicht direkt aus dem „Tribunal" abdrucken können, seine zugkräftigeren „Schlager" an Zeitungen direkt verkauft. So sind die gemeinen Verleumdungen über Genossen Allin» an das Grazer Wutte-Blatt abgetreten worden, mit dem Weiß offenbar schon früher in Verbindung stand. Weiß steht durch Plaschkes in engster Verbindung mit der „Wiener Morgenzeitung" und mit allen bürgerlichen Geschäftemachern der Wiener Jüdisch nationalen. Wir richten," dieses Mal an Dr. Friedrich Kindler, Mitinhaber der „Wiener Morgenzeitung" und gewesenen Direktor der Austro-Holländischen Bank, um die es sich in dem Verleumdungsfeldzug gegen Genossen Allina gehandelt hat, die öffentliche Anfrage, ob er dem Erpresser Weiß unmittelbar vor dem Verkauf an das „Neue Orazer Tagblatt", Material der Holländischen Bank auf sein Ersuchen übergebe* hat? Von der Beantwortung dieser Frage hängen we* tere Aufklärungen über die Wiener Jüdischnatio-j nalen ab. i Die Wahlvorbereitungen der bürgerlicheii Zionisten. Die Herren Strioker und Dr. Plaschkes wittern Wahlh luft, ihre Klassen genasen vom deutschen Lager - die; Deutschnationalen haben ja ihre Wahlpolitik schon! beschlossen, nun lasseu sie sich auch hören. Und wetaui diej beiden Herren zu Worte kommen, muß Herr Stricker voll' Wehmut, an die Zeit erinncra. als er uoch Mitglied def'j National rates war und Herr Dr. Plaschkes muß einschärfen, daß er der einzige jüdische Mandatar ist. j Sie sollten über Juden und Sozialdemokraten" spre-l chen, aber-das war nur der Vorwand. Das wichtigste] war, das Loshauen auf die Politik der Gemeinde Wien:' „Breitner schluckt den Kai". „Rreitners Rechenmethodej ist eine große Dummheit" usw. usw. Unsere Genossen Singer und Dr. Rudolf Glan» haben die beiden Referenten demaskiert. Die Anhänger des Herrn Dr. Plaschkes haben große Anstrengungen gemacht, um unsere Redner niederzuschreien, aber es gelang ihnen nicht. Sie mußten die "Wahrheiten schon anhören, j Die persönlichen Annempelungen des Herrn Dr. Plaschj kes konnten dem Argument unserer Genossen nicht standhalten. Der moralische Erfolg der übrigens sehlecht besuchten Versammlung für die Herren Dr. Plaschkes und Stricker ist sehr zweifelhaft. PICK NÄHMASCHINEN mit kostenlosem Stickunterricht FAHRRÄDER 1926 Auch gegen Teilzahlung!! Reparaturannahme aller Systeme! IX., Liechtensteins^. 27, IV., Wiedner Hauptstr.8 Telephon 16-5-64, 16-5-65, 57-109 Schreibmaschinen, Knopfpressen und Zugehör. Sporf¬ und Touristenartikel bsoshh Die Einwanderung nach! Palästina ist eine so wichtige aber die Regierung das Bedürfnis nach einem allgemeinen Kontrollorganfür die Angelegenheiten der Emigration hat, 'dann ist der Apparat der, Polizei auf »keinen Fall dafür geeignet, ebenso wenig aber auch1 eine „PaJJabteilung". Erscheinung im Leben des Landes, daß ihre Behandlung 4ex Bearbeitung durch ein besonderes Regierungsdepartement wert sein sollte. „Weiß die Regierung, wie diese Aufgaben in anderem Itowanderungslandern und in anderen Teilen des britischen Reiches geregelt werden? Alle Energie unserer politischen Instanzen muß auf ftie Beseitigung dieser gefährlichen .Reform' gerichtet werden." : ' * - ' ' Zu den beiden Arbeiterschutzgesetzen, vor allem dem ersten von ihnen, nimmt im „Kuntres" W. Preuß Stellung, Es scheine, als wenn die Regierung das Streikgesetz nur erlassen habe, um den Unternehmern für die ^Entschädigungen, zu denen sie durch das erste* Gesetz /•verpflichtet würden, durch das zweite Gesetz eine Scliadloshaltung zu gewähren. Das würden wir begreifen, wenn das , TJnfaliversicherungsgesetz gut wäre. In Wahrheit aber habe <üe Regierung einfach das in England geltende Unfalljversioherüngsgesetz unverändert für Palästina übernommen. Ueber dieses englische Unfallversieherungsgesetz äußere sich >das vom Internationalen Arbeitsamt herausgegebene Buch dahin, daß das englische Gesetz in der Praxis dem verunglückten Arbeiter keineswegs die Gewähr gebe, wirklich ■eine Entschädigung zu erhalten, und daß das Gesetz von der Voraussetzung ausgehe, daß der Arbeitgeber seinerseits in einer Versicherungsgesellschaft versichert sei und deshalb Vertrauen verdiene. Wenn dieses Gesetz also schon für England sehr skeptisch beurteilt werden müsse, so gelte das noch vielmehr für Palästina mit seinen viel weniger konsolidierten wirtschaftlichen Verhältnissen. In Palästina könne die Zahlungsfähigkeit des Unternehmers keineswegs vorausgesetzt werden, es sei keineswegs sicher, daß die Unternehmer sich ihrerseits in Versicherungsgesellschaften .rückversichern würden, zumal die letzteren keineswegs immer bereit sein würden, die kleinen Unternehmer überhaupt anzunehmen. So habe auch nach dem Erlaß des •Gesetzes der palästinensische Arbeiter keinerlei Garantie, .im Unglücksfalle die im Gesetz vorgesehene Entschädigung zu erhalten. Die Regierung habe beim Erlaß dieses Gesetzes wenig Verantwortungsgefühl bewiesen, sie dürfe sich »ioht damit begnügen, Gesetze anderer Länder unverändert zu übernehmen. I>er Waad Hapoel der Histadruth müsse der Regierung Abänderungsvorschläge in dem Sinne unterbreiten, daß die Absicht des Gesetzes, nämlich du* Versicherung des Arbeiters gegen Unfall, auoh in der Wirklichkeit erreicht werde. * Im „Dawar" vom 12. November führt M. B. zum Besuch des Col. Wedgwood (der inzwischen das Land wieder verlassen hat), u. a. folgendes aus: „Der Besuch des Col. Wodgwood war, abgesehen von seiner politischen Bedeutung, ein Fest für den jüdischen Arbeiter und den ganzen Jiechuw. Nach den vielen feindseligen Aeußerungen gegen die zionistische Bewegung und nach dem Pessimismus der letzten Zeit auch in unseren Reihen, mußte das Erscheinen und die Stellungnahme dieses Mannes, des Vertreters der vielleicht größten politischen Bewegung der Gegenwart, ein Fest für den jüdischen Ji- ' schuw bedeuten. Diese Begegnung ist ein weiteres Zeugnis für die G-emeinsamkeit der jüdischen und der internationalen Arbeiterbewegung, dafür, daß es keine Phantasie und keine abstrakte Idee anmaßender Führer war, die Vorbindung mit der internationalen Arbeiterbewegung zu suchen. Alle uns bekannten und oft gehörten Reden über den Gegensatz zwischen nationaler und sozialistischer Bewegung werden durch dieses Beispiel des englischen Sozialisten widerlegt, der ein so glänzendes Verständnis für den Geist der jüdisch-nationalen Bewegung an den Tag legt. . . . Wedgwood lenkte in seinen Reden das Interesse vornehmlich auf zwei Punkte: auf die Aufgabe der englischen Regierung, und auf die jüdisch-arabischen Beziehungen. Er betonte immer wieder die Fehler der englischen Regierung und die Tatsache, daß das jüdische Aufbauwerk von der Regierung nicht unterstützt wird, obwohl, zwischen England und dem jüdischen Volke ein Abkommen über gegenseitige Verpflichtungen geschlossen wurde. England ist aber nach Ansicht von Wedgwood' auch verantwortlich für das Schicksal der anderen Nation, die im Lande wohnt, und wieder versäumt W. keine Gelegenheit, dies den Juden in Erinnerung zu bringen. Den Juden Palästinas mögen diese beiden mit großem Temperament vorgetragenen Postulate als übertrieben vorkommen, da er auch weiterhin zunächst sich auf seine eigene Kraft verlassen wird und er auch in seinen Tendenzen weit davon entfernt ist, die Araber zu unterdrücken. Aber wir müssen wissen, daß das Problem, vor das uns die Welt heute stellt, das gleiche ist, wie zu Beginn .unseres Werkes, nämlich die' Regelung unseres Verhältnissen zu den Arabern und diese Frage wird' um so dringlicher werden, je weiter wir in der; Verwirklichung unseres Werkes fortschreiten. * Der Leiter des allrussischen experimentellen Instituts für praktische Botanik und Getreide in Moskau, Professor Wawilow, der auch alle Versuchsstationen für Landwirtschaft in Sowjetrußland leitet, weilte vor kurzem in Palästina. Prof. Wawilow interessiert sieh für Palästina, seit längerer Zeit. Vor drei Jahren, während der internationalen landwirtschaftlichen Ausstellung in Moskau, an welcher auch die „Histadruth" teilnahm, versprach er dem Gen. Ben Gurjon, Palästina zu besuchen und jetzt hat er das Versprechen erfüllt. Am 21. November hielt Prof. Wawilow auf Einladung der Landwirtschaftlichen Versuchsstation in Tel-Awiw einen Vortrag. Einleitend sagte der Vortragende: „Gestattet mir,, daß ich euch die Grüße der wissenschaftlichen Institutionen in Sowjetrußland, der wissenschaftlichen Akademie, der landwirtschaftlichen Hochschule, des experimentellen Instituts für praktische Botanik und der allrussischen zentralen Versuchsstation übermittle. Die Probleme, denen sich das neue Palästina widmet — der Uebergang von primitiver zu intensiver Landwirtschaft hat mehr als eine lokale Bedeutung für Palästina, Die russische Wissenschaft, insbesondere die russische landwirtschaftliche Wissenschaft, war stets international und sie A'erfolgt auch' euere Arbeit mit großem Interesse. Ich wünsche euch viel Glück in: der agronomischen Arbeit, die bei euch geleistet wird. In der kurzen Zeit, die ich im Lande weile, konnte ich mich bereits überzeugen, daß ihr den richtigen Weg eingeschlagen habt. In einem Lande der Neukolonisation muß die wissenschaftliche Forschung die Grundlage jeder Arbeit sein. Euer Land ruft auch als soziale Versuchsstation, großes Interesse hervor. Die Begeisterung, mit der ihreuere Arbeit leistet, bürgt für das Gelingen." Den äußerst interessanten wissenschaftlichen Vortrag eröffnete Agronom Wilkansky, in einem Schlußworte begrüßte Kaplansky den sehr geehrten Gast. * Mit großer Spannung sieht man in Palästina der dritten Konferenz der „Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation" („Histadruth") entgegen. Die zweite Konferenz fand anfangs 1923 statt. Die Wahlen zur dritten Konferenz sollen am 19. Dezember durchgeführt werden.. Äentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortUoher Bedakteur: Dr. Rud. Glanz, R.-A.-Anwärter, Wien, XVIII., Weimarer&tr. 19/10. — Druck: „Adria", Wien, IL, Taborstr. 62 b.

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